Aachen - Aquis Plaza: Viele Stellplätze fehlen noch

Aquis Plaza: Viele Stellplätze fehlen noch

Von: Stefan Herrmann
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Zu wenig Stellplätze für Radler an der Mall? „Critical Mass“ moniert fehlende Bügel rund ums Aquis Plaza. Fakt ist: Von den geplanten 194 Stellplätzen sind bisher erst 116 eingerichtet worden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Seit 2008 setzt die Stadt auf die Kampagne „FahrRad in Aachen“. Mehr Menschen sollen sich demnach auf den Sattel schwingen statt sich hinters Steuer zu setzen, um zur Arbeit oder zum Einkaufen zu fahren. Doch ist das Fahrradfahren in einer Stadt – besonders wenn man Ziele wie die Einkaufsmall Aquis Plaza ansteuert – zwingend mit ausreichend Möglichkeiten verbunden, sein Zweirad sicher abstellen zu können?

 Nein, sagt die Fahrrad-Initiative „Critical Mass Aachen“ und mahnt dringend Handlungsbedarf an. Gerade rund um die seit einem dreiviertel Jahr geöffnete Shoppinggalerie herrsche alles andere als Vorfahrt für Radler, moniert „Critical Mass“ in einer Stellungnahme. „Am Eingang Kaiserplatz fehlen definitiv Fahrradbügel“, zählen die kritischen Fahrradfahrer lediglich vier entsprechende Bügel im direkten Umfeld. Zum Vergleich: Die gleich neben St. Adalbert liegende Einfahrt ins Parkhaus führt Autos über eine Spirale direkt zu 600 Stellplätzen. Stimmt da die Verhältnismäßigkeit beim Blick auf die Anzahl der Auto- und Fahrradparkplätze etwa nicht? „Critical Mass“ sieht das in jedem Fall so und argumentiert gegenüber der AZ: „Viele Kunden wollen nur mal eben was im Saturn besorgen und haben wenig Lust, bis zu den Bügeln an der Wilhelmstraße zu laufen. [...] Der Betreiber sollte endlich anerkennen, dass Radfahrer auch zahlungskräftige Kunden sind.“

Wie sieht die Lage für Fahrradfahrer rund ums Aquis Plaza also aktuell aus? Fehlen tatsächlich ausreichend Stellplätze für eben die Menschen, die auf das umweltfreundliche Verkehrsmittel Rad setzen? Fakt ist: Im Rahmen des Baus des 290 Millionen Euro teuren Komplexes haben der Betreiber ECE und die Stadt auch eine Vereinbarung darüber getroffen, wie viele Fahrradstellplätze im direkten und näheren Umfeld des Aquis Plaza entstehen sollen. Dazu wurde unter anderem die 2014 von der Politik verabschiedete Landesbauordnung in Kombination mit den „Hinweisen zum Fahrradparken“ der Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen herangezogen.

Daraus resultierend beschlossen ECE und Stadt gemeinsam, dass im öffentlichen städtischen Raum rund um die Shopping-Mall 194 Stellplätze für Fahrräder entstehen sollen – das entspricht 97 Bügeln, da die Planer davon ausgehen, dass pro Bügel stets zwei Räder sicher abgeschlossen werden können. Allerdings: Bisher sind erst 58 Bügel (116 Stellplätze) eingerichtet. „Es liefen und laufen noch einige kleinere Baumaßnahmen im Umfeld des Aquis Plaza. Daher werden die restlichen Bügel erst installiert, wenn die entsprechenden Baumaßnahmen abgeschlossen sind“, erklärt Björn Gürtler vom städtischen Presseamt. Eine Begründung, die „Critical Mass“ nicht nachvollziehen kann: „Aus unserer Sicht ist dort nichts mehr offen. Busspur, Wegeoberflächen, Pflanzung ... alles fertig!“, heißt es in einem Schreiben.

Rund um den Willy-Brandt-Platz sind laut Stadt mittlerweile alle 25 Bügel (50 Stellplätze) aufgestellt, im Bereich Adalbertstraße/Stiftumfahrt/Gasborn sind aktuell 33 (66) von 59 Bügeln (118) vorhanden. Entlang der Harscampstraße und dem Adalbertsberg sind noch keine der 13 (26) neuen geplanten Fahrradbügel aufgestellt worden. Zu den 97 Bügeln auf städtischem Boden hat der Betreiber 11 (22) weitere auf dem Privatgrundstück direkt vor dem Aquis Plaza eingerichtet. Im Gebäudekomplex gibt es zudem 74 Stellplätze, die allerdings Mietern und Beschäftigten vorbehalten sind.

Übrigens: Über wie viele ausgewiesene Fahrradstellplätze Aachen verfügt, darüber führt in der Stadt niemand Buch. „Es existiert diesbezüglich kein wirkliches Kataster“, erklärt Björn Gürtler. Man wisse lediglich, dass pro Jahr 70 bis 80 neue Bügel hinzukommen – einer Prioritätenliste folgend über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Seit 2008 sind so – ohne die großen Straßenbaumaßnahmen, in deren Rahmen die Bügel ebenfalls installiert werden – bis zum vergangenen Jahr 642 Bügel aufgestellt worden. Im Haushalt stehen dafür 15 000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Ein Fahrradbügel samt Montage kostet etwa 180 Euro.

Doch wachsen auch an anderen Stellen Fahrradbügel regelrecht aus dem Boden: Am neuen Hörsaalzentrum der RWTH an der Claßenstraße zum Beispiel sind gleich 800 Stellplätze geschaffen worden. Sollte sich jeder, der in Aachen ein Rad besitzt, zeitgleich auf den Sattel schwingen, dürfte es fahrend wie parkend eng werden in der City. Die Verwaltung hat nämlich einmal geschätzt, dass es rund 200.000 Räder in Aachen gibt.

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