Aquis Plaza: „Customer Journey“ geht los

Von: Robert Esser und Stefan Herrmann
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Runde Formen, kantige Werbesprüche: 110 Geschäftsnamen finden sich auf der aktuellen Übersichtskarte des knapp 30 000 Quadratmeter großen Aquis Plaza – laut Betreiber ECE ist nur noch ein einziger Shopbereich nicht vermietet. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Am Mittwoch geht die Reise also für Abertausende Kunden im Aquis Plaza los. Oder wie die Konsumtempel-Verantwortlichen es nennen: die „Customer Journey“. So viel ist klar: Wer ab 8 Uhr das Einkaufserlebnis in allen realen wie digitalen Dimensionen erleben möchte, der sollte in jedem Fall der englischen Sprache mächtig sein.

Denn der 290-Millionen-Bau mitten in der Aachener City fährt neben den laut Betreiber ECE rund 130 Shops – von denen laut aktuellem Service-Flyer im Aquis Plaza exakt 110 tatsächlich existieren und die laut Centermanagement bis auf etwa zehn ohne abschließende Bauabnahme am  Mittwoch ihre Pforten öffnen sollen – jede Menge Erfindungen aus der Technik- und Marketingschmiede der Einkaufsmall-Macher auf. Die Tüftler aus dem sogenannten „Future Lab“ setzen auf „3D Wayfinding“, „Keep parking simple“ und „Same Day Delivery“. Klar soweit?

Blick in die Center-App

Wer noch mal nachlesen möchte, wie ihm all das beim Einkauf helfen kann, der schaut am besten in der Center-App nach. Im Zweifel direkt im Aquis Plaza runterladen, denn „Free Wifi“ gehört selbstverständlich ebenfalls zur Grundausstattung in der hochmodernen Mall. Beim Werbespruch für die Galerie mit rund 29.200 Quadratmeter Verkaufsfläche setzen die Macher allerdings auf drei deutsche Wörter „Alles. Anders. Aachen.“ Eine Grenzziehung zum Rest der City? Mitnichten, betont Center-Managerin Kathrin Landsmann. „Wir wollen mit allen zusammenarbeiten.“

Das sehen einzelne Nachbarn allerdings völlig anders. So läuft bereits ein Rechtsstreit mit einem Projektentwickler, der quasi nebenan in der Unteren Adalbert-straße anstelle maroder Häuserzeilen modernen Einzelhandel errichten will. Bloß: Jener Investor vermisst bei ECE die Einhaltung einer Zusage: So sollte ECE nämlich in der Mitte zwischen Kaiserplatz und Willy-Brandt-Platz einen großen Seiteneingang zur Unteren Adalbertstraße schaffen. Doch dieser wurde nur mitten durch ein Geschäft verwirklicht – und eben nicht als „reinrassiger“ Nebeneingang. Ausgang offen – um im Bild zu bleiben.

Trotzdem: Am Mittwoch wird sich der Fokus ganz aufs Aquis Plaza richten. Bis zu 80.000 Besucher erwarten die Verantwortlichen bis Samstag – pro Tag. Daher hat die Shoppingmeile an diesen ersten Tagen auch bis 22 Uhr geöffnet – ab kommender Woche gilt dann: von 8 bis 20 Uhr öffnet die Galerie. Dass es nicht nur in der Hütte mächtig brummen wird, sondern auch davor, davon ist Oberbürgermeister Marcel Philipp überzeugt und spricht von der „verkehrlich nicht ganz einfachen Situation mitten in der Stadt“. Der OB macht aber eine positive Grundstimmung in der Stadt aus, wenn die Eröffnung des Aquis Plaza zur Sprache komme.

Und so fallen am Vortag des Ansturms von allen Akteuren immer wieder Worte wie „Integration“ und „miteinander“. Verwaltungsspitze und Betreiber ECE üben den Schulterschluss noch einmal ganz plakativ vor über 40 Journalisten aus dem In- und Ausland. Denn das Aquis Plaza soll mit seinem Namen und der architektonisch geschwungenen Form zwar auf Aachen als Stadt des Wassers hinweisen.

Zugleich kalkuliert der Unternehmensriese ECE – er betreibt international Objekte mit einem Marktvolumen von 28 Milliarden Euro – im großen Stil. 1,2 Millionen potenzielle Kunden hat man in der Euregio ausgemacht. Und im Optimalfall möchten die Plaza-Betreiber jeden davon mindestens einmal in der Aachener Galerie begrüßen. Als Dauergast möchte sich ECE in jedem Fall in der Kaiserstadt einnisten. „Sie werden uns hier in Aachen nicht mehr los“, richtete ECE-Geschäftsführer Dr. Andreas Mattner eine wohlwollende „Warnung“ an OB Philipp. Denn mit dem Aquis Plaza wolle man gemeinsam eine lange Erfolgsgeschichte für die Stadt schreiben.

Wer übrigens vom ersten Plaza-Besuch eine bleibende Erinnerung mitnehmen möchte, der darf sich unterdessen auf eine der neuesten Erfindungen aus dem „Future Lab“ freuen. Denn in der „Selfie-Box“ kann sich jeder Besucher vor einem sogenannten Greenscreen ablichten lassen, per Touchscreen einen witzigen Hintergrund hinzufügen und dann per Mail an die eigene Adresse schicken. Warum? Weil‘s Spaß macht.

„Entertainment ist in Aachen angesagt“, sagt Center-Management-Geschäftsführerin Joanna Fisher. So oder so: Eine neue Zeitrechnung für die Einkaufsstadt Aachen beginnt am Mittwoch um Punkt 8 Uhr. Wohin die Reise geht, entscheidet letztlich vor allem der Kunde. „Customer Journey“ eben. Und dies begleitet von eigens kreierten, künstlichen Geruchsaromen im ganzen Gebäude-Komplex. Frischer Wind für die Kundenreise in Aachen, quasi.

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