Aquis Plaza: 600 Arbeiter machen Tempo

Von: Oliver Schmetz
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Hier geht‘s rund: 130 Geschäfte entstehen entlang der Galerien um drei riesige Lichthöfe. Vom Boden bis zum Glasdach sind es mehr als 20 Meter. Foto: Andreas Steindl
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Nebeneingang von St. Adalbert aus: Die Fassaden werden jetzt Stück für Stück mit riesigen Glaselementen versehen. Dann kann die Sonne endlich ins Innere durchdringen. Foto: Andreas Steindl
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Pläne und Baustelle im Blick: Centermanagerin Kathrin Landsmann und der technische Manager Mike Mines fiebern der Eröffnung entgegen. Foto: Andreas Steindl
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Nach oben zu den Parkdecks: Einige Rolltreppen sind bereits vor Ort montiert – allerdings noch zum Schutz in Folien eingepackt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Staub hängt in der Luft, Baumaschinen dröhnen in den Ohren, überall auf den nackten Betonböden stapelt sich Material. Man muss aufpassen, wo man hintritt bei dem wenigen Licht, das hereinfällt. Immerhin reicht es noch dafür, seinen eigenen Atem sehen zu können.

„Ganz schön frisch hier“, sagt Mike Mines, während er den Weg durch das Durcheinander weist – auch wenn der leicht bekleidete Bauarbeiter, der gerade vorbeikommt, das ganz offensichtlich anders sieht.

Aber wer sich bewegt, friert auch nicht – und auf dieser Baustelle ist alles in Bewegung. 450 Bauarbeiter sind zwischen Kugelbrunnen und St. Adalbert, zwischen Adalbertstraße, Adalbertsberg, Beeckstraße und Harscamp-straße zum Endspurt angetreten. In den nächsten Monaten wird ihre Zahl auf bis zu 600 steigen, um das Einkaufszentrum Aquis Plaza – den größten Konsumtempel, den Aachen je gesehen hat –, rechtzeitig zur Eröffnung im Herbst fertigzustellen.

Ein halbes Jahr vorher deutet sich die künftige Glas- und Glitzerwelt außen, wo die Glasfassaden montiert werden, zwar schon an. Doch im Innern braucht man noch ein bisschen Fantasie. Wo bald tausende Kunden flanieren, hat man heute das Gefühl, als befinde man sich tief im Bauch eines dunklen Giganten aus Stahl und Beton. „Hier steckt noch die ganze Winterkälte drin“, erklärt Mines, „und das wird auch noch eine Weile so bleiben.“ Der Mann weiß, wovon er spricht. Mike Mines ist im Management des Shopping-Centers für die Technik zuständig. Mit Centermanagerin Kathrin Landsmann begleitet er den Schlussspurt der Bauarbeiten – und gemeinsam gewähren beide der AZ nun exklusive Einblicke in Aachens größte Baustelle.

50.000 Kubikmeter Beton

Kalt ist es dort unter anderem, weil 50.000 Kubikmeter Beton und 10.000 Tonnen Stahl den Winter gefangen halten. Und dunkel, weil die Glasfassade schrittweise entsteht und weite Teile der Außenhülle noch mit Spanplatten abgedeckt sind. Außerdem ist der Innenausbau gerade erst auf Hochtouren gekommen, werden aktuell Gas- und Wasserleitungen, Lüftungsrohre, die Sprinkleranlage, die gesamte Sicherheitstechnik, die Heizanlage und die Elektrik installiert. Kabel, Rohre und Leitungen als Kilometerware. Wie weit sie aneinandergereiht reichen, hat noch niemand berechnet. „Es würde mich aber nicht wundern, wenn wir damit einmal um die Welt kämen“, meint Mines.

Um die deutlich kürzere Strecke von St. Adalbert aus hinein ins riesige Gebäude zu bewältigen, muss man jetzt noch über Holzplanken balancieren. An diesem „zweiten“ Eingang ins Aquis Plaza – als Haupteingang gilt der Zugang vom Kugelbrunnen aus – kann man später einmal draußen sitzen. Die Eingangsbereiche werden von Cafés flankiert, eine maßvolle Außengastronomie ist ebenfalls geplant, erzählt die Centermanagerin. Drinnen erreicht man dann schnell den ersten „Lichthof“, dem zurzeit noch etwas Licht fehlt.

Dort fällt der Blick hinab ins „Basement“, wo unter anderem ein Rewe-Supermarkt und ein dm-Drogeriemarkt einziehen werden. Darüber wird der Elektronikriese Saturn seinen Platz finden, der von der Reihstraße hinüberwechselt. Dieser größte Mieter wird laut Landsmann auf zwei Etagen rund 4000 der gut 29.000 Quadratmeter Verkaufsfläche belegen.

Wie viel bereits vermietet ist, darüber schweigt man sich aus. Beim Richtfest vor fünf Monaten hatten die Bauherren Strabag Real Estate (Köln) und das Hamburger Unternehmen ECE, das die Galerie auch betreibt, von 75 Prozent gesprochen. „Das ist auch jetzt die Sprachregelung“, sagt Landsmann, wobei man annehmen darf, dass noch ein paar prominente Mieter hinzugekommen sein dürften. Aber die will man in einem angemessenen Rahmen verkünden, eventuell mit dem Eröffnungstermin. „Intern haben wir natürlich ein Datum im Blick“, verrät Landsmann. Zuletzt war in den Medien von November die Rede. „Das hat mich überrascht“, sagt sie. Früher wäre ihr lieber, das ist klar.

Dringt man tiefer vor in den Bauch des gigantischen Baus, passiert man künftige Ladenlokale, die noch Lagerhallen sind. Palettenweise stapelt sich dort das Baumaterial, weil es rund um das Aquis Plaza keine Lagermöglichkeiten gibt. In der Mitte des Bauwerks öffnet sich ein weiterer, noch größerer Lichthof. Dort wird man später bis zum Glasdach hinaufschauen können, wird das Tageslicht bis ins Untergeschoss fallen. Mehr als 20 Meter soll an dieser Stelle die Luft nach oben reichen. „Diese offene Architektur wird ein supertolles Raumgefühl schaffen“, schwärmt Mike Mines. Die Begeisterung kann man teilen, wenn man sich die schönen Computeranimationen der künftigen Galerie anschaut. Blickt man vor Ort nach oben, starrt man allerdings schnell auf – Metall. Wie stählerne Spinnennetze spannen sich Stützstreben und Gerüste kreuz und quer durch die Halle. Ist halt noch eine Baustelle.

Auf der anderen Seite, am Haupteingang, öffnet sich noch ein Blick nach oben. Dort wird der polnische Modefilialist Reserved in den Eingangsbereich ziehen, darüber hat der Sporthändler Scheck 2000 Quadratmeter gebucht. Und im zweiten Obergeschoss erstreckt sich eine riesige Fläche, die dem Essen und Trinken vorbehalten sein wird. Zwölf Anbieter sollen den „Food Court“ speisen, der den Galeriebesuchern 550 Sitzplätze bietet – einige davon auf einem Balkon, wo man mit Blick auf den Kugelbrunnen speisen kann.

Und es geht noch weiter hinauf: Zwei Parkdecks mit 600 Parkplätzen liegen über der Galerie. Die Aufzüge fehlen noch, die Rolltreppen sind zum Teil schon montiert, wenn auch noch fein säuberlich verpackt. Vom „Food Court“ aus gibt es auch noch einen kleinen Ausgang zum Adalbertsberg. Oder besser gesagt zu dem, was vom Adalbertsberg übrig ist.

Ein Stück Straße verschwunden

Als Aachener erinnert man sich, dass für das Großprojekt ein gutes Stück Straße verschwunden ist. „Wir bauen aber auch noch ein Stück Straße“, sagt die Centermanagerin und zeigt hinunter zur Harscampstraße. Von dort, wo gleich neben dem Aquis Plaza ein Geschäftshaus gebaut wird, wird es eine Verbindung hinauf zum Adalbertsberg geben. „Aachens steilste Straße“, lacht Landmann, „und deshalb auch mit Aufzug“.

Im „Food Court“, wo im Moment noch alles grau in grau ist, werden künftig orange-rote Töne dominieren. Das Farbkonzept der Galerie setzt auf Abwechslung. Zur Mitte hin wird es ins Grüngelbe gehen, ehe man bei St. Adalbert im Lilagrauen ankommt. Und das Lichtkonzept setzt auf die Gefühle der Besucher, will „deren Stimmungen aufgreifen“, wie die Centermanagerin verrät. Soll heißen: Ist es draußen hell, gilt das auch innen. Dämmert es dagegen, wird drinnen gedimmt. Das gilt nicht für die Heizung. So kalt wie jetzt soll es im Aquis Plaza nicht mehr werden. Den kommenden Winter soll der 290 Millionen Euro teure Koloss aus Stahl, Beton und Glas besser nicht mehr einfangen.

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