Appell: Bloß nicht beider Baukultur sparen

Von: Jan Weck
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Aachen. Weiß und weit geschwungen erscheint der Flughafen von Bilbao dem Betrachter schon aus einiger Distanz. Die Form erinnert ein wenig an eine Taube, deshalb trägt er den Namen La Paloma.

Optisch beeindruckend ist dieser Flughafen, und doch wirkt er nicht übertrieben, harmonisch fügt er sich ein in die Umgebung. Mit Architektur und Städtebau in Aachen hat er nicht unmittelbar etwas zu tun, doch kann er als Beispiel dienen für die gelungene Imagepflege einer Stadt.

So sieht es Jan Bolk auf einem Diskussionsabend im Ludwig Forum, zu dem der Förderverein „aachen fenster” eingeladen hat. Bolk wird häufig als Kenner und Grenzgänger der Dreiländerregion beschrieben, beruflich leitet er eine Agentur für innovativen Städtebau, Architektur und Landschaftsplanung. Über Baukultur und die durch Architektur definierte Identität von Städten spricht er mit Leidenschaft. Die Einwohner einer Stadt müssten an der Schaffung ihrer Identität immer beteiligt sein, erklärt er. Es seien die Menschen, die Ideen und Lebensgefühl über den Weg der Architektur zum Gesicht einer Stadt machen müssten.


Bilbao hat laut Bolk einige Gebäude zu bieten, die diese Philosophie realisieren. Manche von ihnen sind multifunktional und zugleich ein kleines Kunststück, wie zum Beispiel die Bibliothek mit Schwimmbad auf dem Dach. Ausgezeichnete Restaurants teilen sich den Raum mit Museen und bringen so Genuss zu Kultur. Ähnliche Beispiele findet Bolk auch in anderen Städten wie San Sebastian, Valencia oder Lyon. Dort lobt er den originellen und stimmungsvollen Einsatz von Licht. Das große kuppelähnliche Dach der Oper leuchtet abends, die Intensität des Lichts ist dabei abhängig von der Zahl der Besucher. Viele Gebäude in Lyon würden angestrahlt, es gebe sogar Lichtfestivals und jedes Viertel der Stadt habe sein eigenes Lichtprogramm, berichtet Bolk. So entstehe nicht nur optische Illusion, sondern auch echte Identität.

Derlei Einfallsreichtum würde Bolk auch gerne in der Dreiländerregion sehen. Zu häufig sei fehlendes Geld in städtischen Kassen ein Vorwand dafür, Baukultur und Städtebau zu vernachlässigen. In Aachen sei der entstehende Campus Melaten jedoch eine Riesenchance, um der Identität der Stadt mehr Kontur zu geben. Zwei seiner Meinung nach „exzellente” Gebäude hat Bolk jedoch auch in Aachen schon entdeckt: Das Super C und die Zentrale der Aachen Münchener Versicherung. Diese Gebäude zeigten anschaulich, wie eine Stadt organisch wachsen kann.
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