Anwohner: Driescher Hof wird vernachlässigt

Von: Stephan Mohne
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Keine abstrakte Kunst, sondern für die Anwohner in Driescher Hof ein Ärgernis: Das Ensemble aus maroder Bank und Schrottfahrrad stand lange Zeit so da. Den Rasen rundherum hat man gemäht... Foto: Stephan Mohne

Aachen. Wenn Egbert Form durch „seinen“ Driescher Hof schlendert, dann bleibt er nicht selten stehen. Und schüttelt den Kopf. Vor allem, wenn er durch den Grüngürtel zwischen Autobahn und Bebauung geht – aber auch an anderen Stellen.

Und wenn er da so steht und den Kopf schüttelt, dann gesellen sich nicht selten auch andere Anwohner dazu und tun das gleiche. „Der Stadtbetrieb vernachlässigt Driescher Hof sträflich“, sagt der ehemalige CDU-Ratsherr für diesen Bezirk, in dem er auch lebt. Beispiele dafür kann er gleich reihenweise aufzählen beziehungsweise „live“ zeigen. Meist handelt es sich auf den ersten Blick um Kleinigkeiten, aber die läppern – und wiederholen – sich eben.

Da war zum Beispiel jenes Ensemble von Absperrbaken. Es stand auf einer großen Wiese, die im Stadtteil gerne zum Grillen und Spielen genutzt wird. In der Mitte des Vierecks klaffte ein Loch – und man fragte sich: Warum? Vor allem aber fragte man sich, warum besagtes Ensemble dort mehr als ein Jahr lang stand. Im Sommer wurden die Baken bisweilen „umgenutzt“ – als spannendes Spielzeug für den Nachwuchs zum Beispiel. Irgendwann kreuzte dann mal jemand auf, betonierte einen Kanaldeckel in das Loch und nahm die Baken mit.

Ziemlich lange, nämlich teils Monate, liegen abgeknickte Äste an den Spazierwegen und zwischen den Häusern herum. Dass sie vor langer Zeit bei Stürmen oder auch Schnittaktionen abgeknickt sind, sieht man an ihrem völlig vertrockneten Zustand. Mancher Gullyeinlauf ist so verstopft, dass man sich auch da fragt, wann er wohl zuletzt gereinigt worden sein mag und wo bei größeren „Regenereignissen“ das Wasser hinläuft. In die Gullys jedenfalls augenscheinlich nicht. Dafür sind dann die Wege überflutet. Apropos Wege: Im Laufe der Zeit haben sich massive Wurzeln durch die Oberflächen gekämpft, was für Rollstuhlfahrer und Menschen, die auf einen Rollator angewiesen sind, eine Holperstrecke darstellt.

Traurig sieht zudem manche Bank aus, die irgendwann wohl einmal aufgebaut wurde, um zu kleinen Ruhepausen einzuladen. Eine ist völlig rott. Überdies stand ein Schrottfahrrad eine gefühlte Ewigkeit davor, ohne dass sich jemand darum gekümmert hätte. Eine andere war den ganzen Sommer über von Brennnesseln erobert worden, die sich fröhlich über die Sitzfläche rankten. Eine Sitzpause dort hätte schmerzhafte Folgen haben können.

Neulich hat sich jemand doch noch erbarmt und die Pflanzen zurückgeschnitten. Herbstlaub lag auch monatelang herum – natürlich das aus 2014. Zwischen den Hochhäusern liegt derweil einiges an wildem Müll, der illegal zwischen Sperrmüll auf einer Wiese deponiert worden war. Wofür nun der Stadtbetrieb nichts kann. Als aber Grünpflegetrupps anrückten, wurde kurzerhand um den Müll herumgemäht, anstatt ihn zuerst zu entfernen. Die Reihe könnte Egbert Form – in unschöner Regelmäßigkeit, wie er sagt – fortsetzen.

Die Stadt bestreitet auf Anfrage indes, den Bereich Driescher Hof stiefmütterlich zu behandeln oder gar zu vernachlässigen: „Das ist völliger Quatsch“, sagt Björn Gürtler vom Presseamt. Im Gegenteil sei der Stadtteil Driescher Hof eben wegen der bekannten Problematik öfter als manch anderer Stadtteil Ziel der Trupps des Stadtbetriebs. Aber der stoße bisweilen auch an Grenzen. Bei wildem Müll sei man auf die Meldungen aus der Bevölkerung angewiesen: „Wenn wir davon erfahren, ist in der Regel alles innerhalb von 24 Stunden weg.“ Zudem solle sich, wer das Ablagern wilden Mülls beobachtet, ans Ordnungsamt wenden, damit man die Täter ausfindig machen könne. Das gilt auch für Schrottfahrräder.

Doch die darf die Stadt laut Gürtler dann trotzdem nicht ohne weiteres mitnehmen. Zunächst wird ein orangefarbener Zettel angebracht, der den Besitzer auffordert, das Teil zu entfernen – so wie es auch bei verwaisten Autos am Straßenrand ist. Erst nach einer mehrwöchigen Frist darf dann städtischerseits abgeräumt werden. Derlei Aussagen kann und will Form derweil absolut nicht gelten lassen: „Haben denn die städtischen Mitarbeiter keine Augen im Kopf? Sie könnten die Missstände ja auch an ihren Dienstherrn melden, wenn ihnen etwas auffällt. Stattdessen wird vielfach einfach vorbeigeschaut.“ Da sei es auch an der Betriebsleitung, ihre Beschäftigten dazu anzuhalten.

Bei den Grünflächen, so räumt die Stadt ein, sei man im Verzug. Das habe einen Grund, so Gürtler. Mit den Arbeiten sei eine Privatfirma beauftragt gewesen, die jedoch aufgehört habe zu existieren. Erst musste man eine neue finden, nun werde alles sukzessive abgearbeitet. Die Anwohnerbeschwerden will der Stadtbetrieb jetzt jedenfalls zum Anlass nehmen, um die Situation in Driescher Hof noch einmal genau unter die Lupe zu nehmen. Bleibt für Egbert Form & Co. nur zu hoffen, dass in Zukunft gleich etwas genauer hingeschaut wird.

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