Aachen - Antike Heldin Antigone spricht diesmal Englisch

Antike Heldin Antigone spricht diesmal Englisch

Von: Julia Gröbbels
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Beklemmendes Ränkespiel zwischen Macht und Moral, Gesetz und Gewissen: Die englischsprachige Bühnentruppe „Actor‘s Nausea“ zeigt den griechischen Dramen-Klassiker „Antigone“ ab Donnerstag im „Space“ des Ludwig Forums an der Jülicher Straße. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Auf der Bühne im „Space“ des Ludwig Forums herrscht kurz vor der Premiere der Theatergruppe „Actor’s Nausea“ noch reges Treiben. In der Luft liegt eine Mischung aus Vorfreude und Anspannung. Lampenfieber eben, in Englisch „actor’s nausea“, was wörtlich übersetzt „Schauspielerübelkeit“ bedeutet.

Die Truppe, die sich nach diesem Gefühl, das jeder Schauspieler kennt, benannt hat, ist vor etwa zehn Jahren aus einem Anglistik-Kurs an der RWTH hervorgegangen. Seither bringt das Ensemble etwa zwei Mal im Jahr ein englischsprachiges Theaterstück auf die Bühne, bei dem sie von der Kulisse über die Kostüme bis zum Marketing alles selbstständig organisiert.

Am Donnerstag feiert die Gruppe mit dem 2450 Jahre alten griechischen Dramenklassiker „Antigone“, in einer englischen Fassung von Ian Johnston, im „Space“ des Forums an der Jülicher Straße Premiere. „Besonders spannend ist bei unserer Interpretation das breit angelegte Setting“, so Eva Onkels, die als Schauspielerin an dem Stück beteiligt ist, das sich zwischen klassischem Drama und geradezu apokalyptischer Vision bewegt. Dies sehe man schon an den Kostümen, bei denen die Bandbreite vom klassischen griechischen Chiton bis zu alten Sowjet-Jacken reicht.

In Sophokles’ „Antigone“ geht es um die Brüder Eteokles und Polyneikes, die sich den Thron Thebens nicht teilen wollen und stattdessen gegeneinander in den Krieg ziehen. Da Eteokles nicht bereit ist, nach Ablauf eines Jahres die Herrschaft an seinen Bruder zu übergeben, greift Polyneikes Theben an, um sich mit Gewalt den ihm zustehenden Thron zu nehmen.

Während der Schlacht geraten die Brüder in einen Zweikampf, in dem sie sich gegenseitig töten. Als Creon, ihr Onkel, daraufhin den Thron besteigt, erklärt er Polyneikes zum Verräter und verwehrt ihm das rituelle Begräbnis. Damit stellt er die Schwestern der Brüder, Antigone und Ismene, vor die Wahl zu entscheiden, ob sie Creons Erlass oder den Gesetzen der Götter folgen sollen. Denn die verlangen, dass sie ihren Bruder begraben – auch wenn dies ihren eigenen Tod bedeutet.

„Wir wollen uns auf die Frage konzentrieren: ‚Was ist wichtiger, das Gesetz oder die eigene Moral?’“, sagt Onkels. Auch von der englischen Sprache müsse man keinesfalls abschrecken lassen. „Das Stück ist in einem sehr modernen Englisch gehalten, das bereits für Schüler ab der achten Klasse verständlich sein sollte“, meint Onkels. Denn auch die Mitglieder der Theatergruppe seien nicht ausschließlich Anglistikstudenten. „Vom Informatiker über Politik- oder Mathematikstudenten ist alles dabei“.

Onkels hofft, dass viele Besucher an diesem Wochenende die Gelegenheit nutzen, sich auf die junge englischsprachige Theatergruppe und ihre Version der „Antigone“ einzulassen.

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