Aachen - Anti-Aggressionstraining: Alles andere als ein „Hau-drauf“

Anti-Aggressionstraining: Alles andere als ein „Hau-drauf“

Von: David Grzeschik
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Boxtraining - auch für junge Flüchtlinge: In der OT Josefshaus am Kirberichshoferweg vermittelt Trainer Ommid Mostaghim (2. von links) Disziplin, Fairness und Sportsgeist. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ommid Mostaghim und der Boxsport – diese beiden Komponenten sind seit Jahren unzertrennlich. Und davon profitieren jetzt besondere Aachener Jugendliche. Im Alter von 15 Jahren begann der Deutsche mit iranischen Wurzeln mit dem Boxen. Später bestritt er den ein oder anderen Profikampf. Seine Karriere hat er irgendwann an den Nagel gehängt.

An der Hauptschule in Hückelhoven unterrichtet er inzwischen als Lehrer Deutsch und Englisch. Ganz aufgegeben hat er das Boxen aber nie. Und hier kommen die Jugendlichen ins Spiel. Dreimal in der Woche fährt Mostaghim von seiner Schule in Hückelhoven zur „Offenen Tür (OT) Josefhaus“ im Aachener Ostviertel. Dort tauscht er Kreide und Tafel – ganz wie in alten Zeiten – gegen Boxhandschuhe ein.

Schon seit dem Jahr 2002 bietet Ommid Mostaghim ein Boxtraining an. Es findet montag-, mittwoch-, und freitagabends in der OT Josefshaus statt. Kommen kann jeder: Männer und Frauen, Junge und Alte. Kosten fallen nicht an. „Zurzeit haben wir etwa 30 angemeldete Mitglieder und die meisten von ihnen kommen sehr regelmäßig“, sagt Mosaghim. Dabei sei Leistung bei weitem nicht das wichtigste. Boxen schaffe Respekt vor anderen und helfe einem dabei, sich selbst besser kennenzulernen. Es sei vor allem ein „schönes Miteinander“, das besonders Kinder und Jugendliche an etwas binde.

Richard Okon, seit 14 Jahren Leiter der Einrichtung, sieht das ähnlich. „Was wir anbieten, ist ja kein ‚Hau-Drauf‘“, so Okon. Um beim Boxen erfolgreich zu sein, sei eine Menge Selbstdisziplin notwendig. Zudem sei der dreimal wöchentlich stattfindende Boxtreff für die Teilnehmer eine gute Möglichkeit, mit anderen ins Gespräch zu kommen.

Wichtig sei dies vor allem für die jungen Flüchtlinge, die von dem Box-Angebot Gebrauch machen. Im Moment seien etwa ein Flüchtling aus Burkina Faso und einer aus Syrien beim Box-Training angemeldet. „Migranten können die Lage von Flüchtlingen häufig besser nachvollziehen“, ist sich Richard Okon sicher. Durch das Angebot erreiche man Menschen „über einen Zugang von einer anderen Seite“. „In ungezwungener Atmosphäre können sich diese Menschen bei uns heimisch fühlen.“

Die OT Josefshaus besteht seit mehr als 30 Jahren und bietet Kindern und Jugendlichen im Ostviertel die Möglichkeit, ihre Freizeit auf vielfältige Art und Weise zu gestalten. „Wir versuchen sehr niederschwellig zu arbeiten“, sagt Okon, der mit seinem Angebot möglichst viele erreichen möchte. Er und seine Mitarbeiter wüssten genau, dass viele Besucher seiner Einrichtung ein Problem mit dem Einhalten von Regeln hätten. „Das ist bei uns aber kein sofortiges Ausschlusskriterium“, betont Okon. Nach Jahren treffe er immer wieder auf Menschen, die in ihrem Leben etwas erreicht hätten. „Sie bedanken sich dann häufig und sagen, dass wir ihnen damals Orientierung gegeben haben.“ Das mache ihn glücklich.

Das Boxtraining findet montags, mittwochs und freitags in der Sporthalle der OT Josefshaus, Kirberichshofer Weg 6a, von 20 bis 22 Uhr statt. Allen Besucherinnen und Besuchern des Josefshaus wird die Möglichkeit zur kostenlosen Teilnahme angeboten. Wer Interesse hat, darf gerne vorbeischauen.

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