Aachen - Anne Frank kehrt zurück zum Pastorplatz

Anne Frank kehrt zurück zum Pastorplatz

Von: Matthias Hinrichs
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Pastorplatz 1: In diesem inzwischen modernisierten Haus wohnte Anne Franks Großmutter in den dreißiger Jahren. Ihre berühmte Enkelin verbrachte dort viel Zeit mit ihrer Mutter und ihrer Schwester. Jetzt sollen drei Gedenksteine an ihr Schicksal erinnern. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Das Anne-Frank-Gymnasium will seiner Namensgeberin aus gegebenem Anlass ein (weiteres) Denkmal setzen: Am 12. Juni dieses Jahres wäre Anne Frank 80 Jahre alt geworden. Ihr kurzes Leben endete bekanntlich bereits im Spätwinter 1945 im berüchtigten Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Doch die Tochter eines jüdischen Kaufmanns und Enkelin eines Aachener Metallhändlers gab dem Leiden von Millionen Opfern des Nationalsozialismus durch ihre berühmten Tagebuchaufzeichnungen ein unvergessliches Gesicht.

Aktion mit Günter Demnig

Auf Initiative der Laurensberger Schule will der Kölner Künstler Günter Demnig nun mit drei „Stolpersteinen” am Haus Pastorplatz 1 an die besondere Beziehung Anne Franks zu Aachen erinnern.

In der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre hatte das Mädchen mit seiner Schwester Margot und seiner Mutter Edith dort einige Monate im Haus ihrer Großmutter Rosa Holländer-Stern verbracht.

Ihre Namen sollen daher im Pflaster am Rondell zwischen Sophien- und Luisenstraße verewigt werden. „Wir hoffen, dass wir am 12. Juni, dem 80. Geburtstag von Anne Frank, gemeinsam mit Günter Demnig drei Gedenksteine vor dem Haus einbauen können”, erklärte Schulleiter Berthold Winterlich am Mittwoch.

Im Januar vergangenen Jahres hatte Demnig die ersten „Stolpersteine” zur Erinnerung an deportierte und ermordete Juden an der Moltkestraße, der Lothringer Straße und in Haaren verlegt. In diesem Jahr will er sein Werk auch in Brand fortsetzen.

Am Donnerstag soll der Ratsausschuss für Theater und Volkshochschule den Aktionen sein Plazet erteilen - eine Formalie, wie zu hören war. Denn die Finanzierung des Projekts - rund 500 Euro - konnten die Schüler und Lehrer aus Laurensberg über Spenden gewährleisten.

Und auch die Vorgabe, dass die „Stolpersteine” nicht an den gleichen Orten installiert werden sollen wie die Mahntafeln des VHS-Projekts „Wege gegen das Vergessen”, ist erfüllt: In der Monheimsallee erinnert eine solche Tafel bereits seit einigen Jahren an Anne Frank.

Wo sich heutzutage die Tiefgarage neben dem Eurogress befindet, lebten ihre Großeltern in einer großen Villa, bevor die Oma Mitte der Dreißiger Jahre zum Pastorplatz umziehen musste.

Von Juli 1933 bis Januar 1934 hatte Anne Frank, die mit ihrer Familie aus ihrer Geburtsstadt Frankfurt geflüchtet war, in dem Haus Quartier bezogen, bis sie ihren Eltern und ihrer älteren Schwester ins Exil nach Amsterdam folgte.

Dort versteckte sich die Familie lange vor den Häschern des NS-Regimes - bevor sie verraten und nach ihrer Verhaftung am 4. August 1944 ins Konzentrationslager verschleppt wurde.

Anfang März 1945 starb Anne Frank im Alter von 15 Jahren in Bergen-Belsen an Typhus. Neben ihrem Tagebuch, das sie zum 13. Geburtstag geschenkt bekam, soll bald also auch ein ganz anderes Geburtstagsgeschenk der Aachener Schüler für immer an ihr Schicksal erinnern.

Neun weitere Gedenksteine für Holocaust-Opfer in Brand geplant

Auf Initiative des Bürgervereins Brand sollen neun weitere Stolpersteine für Opfer des Holocaust verlegt werden: Vor dem Haus Trierer Straße 723 sollen sie an die ermordeten beziehungsweise verschollenen Juden Josef, Tina und Erich Mathes sowie Else und Ernst Elkan erinnern. Am Haus Freunder Landstraße 60 (dem heutigen Kinderheim) werden Pflastersteine im Gedenken an Netta Heumann sowie Hilde, Ingeborg und Simon Borkowski installiert.

Paten des Projekts sind das Evangelische Kinderheim Brand und die Brander Gesamtschule.

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