Annakirche: Ein Star an der renovierten Orgel

Von: Thomas Beaujean
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Herbstkonzert an der renovierten Weimbs-Orgel: In der Annakirche brillierte Evita Apkalna. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Evangelische Kirchengemeinde Aachen hatte allen Grund zur Freude, wurde doch in diesen Tagen die Weimbs-Orgel der Annakirche, die über Monate einer gründlichen Überarbeitung und Reinigung und einer klanglichen Anpassung an die neuen akustischen Gegebenheiten der Annakirche durch die Orgelbaufirma Weimbs unterzogen worden war, mit einer Konzertreihe unter dem Motto „Orgeljahr 2016“ neu eröffnet.

Dass es Claus C. van den Kerkhoff, dem musikalischen Leiter der Reihe, gelungen war, mit der Lettin Iveta Apkalna einen Star der internationalen Orgelszene für dieses Eröffnungskonzert zu verpflichten, war ein ausgesprochener Glücksfall. Das Konzert wurde nämlich nicht nur zu einem akustischen, sondern auch zu einem optischen Erlebnis.

Das Spiel der Organistin wurde mittels einer Kamera auf die Altarwand der Kirche projiziert, rechts der dreimanualige Spieltisch, links die Pedale. Da die Solistin eine äußerst attraktive junge Frau ist, war es ein doppeltes Vergnügen, ihr bei ihrer Hand- und Fußarbeit zuzuschauen.

Dass Iveta Apkala in den letzten Jahren eine zu Recht mit vielen Preisen versehene, in der Szene hoch gehandelte Künstlerin ist, das bewies sie durch ihr exzellentes, technisch makelloses und stilistisch versiertes Spiel und durch ihren Sinn für aparte Registrierung. Dabei war die Zusammenstellung ihres Programms alles andere als konziliant, waren doch nur zwei der fünf Programmpunkte gängiges Repertoire: Felix Mendelssohn-Bartholdys 4. Orgelsonate und Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge Es-Dur.

Ihre virtuose Spieltechnik konnte Apkalna gleich bei dem Einleitungssatz der Mendelssohn-Sonate unter Beweis stellen: Das war wirklich „con brio“, wie vom Komponisten gefordert, ein mit großem Schwung serviertes Allegro. Bachs Präludium und Fuge erklang sorgfältig artikuliert, rhythmisch stabil und mit größtmöglicher Durchhörbarkeit.

Ein Arrangement des dritten Aktes der Oper „Satyagraha“ von Philip Glass ist ein Musterbeispiel für das Prinzip der Minimal-Music des amerikanischen Komponisten, einer endlosen Wiederholung von kleinen Motiven mit leichten Veränderungen, die ihre Spannung erhielt durch lang angelegte dynamische Steigerungen.

Ein ähnliches Prinzip entwickelt der litauische Komponist Bronius Kutaviius in seiner Sonata „Ad Patres“, die sich aus einem Motiv im Pedal entwickelt und permanent an Klangdichte zunimmt. Eher nach französischer Spätromantik klang die Meditation der Estin Lucija Garuta, mit der Iveta Apkalna das Programm als Huldigung an ihre Heimat beschloss.

Das war ein Orgelspiel von großer Souveränität, das die klanglichen Möglichkeiten der Weimbs-Orgel ins beste Licht rückte. Entsprechend begeistert war der Beifall.

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