Anklage fordert deftige Strafen für junge Frauen

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Im sogenannten Zalando-Fall, bei dem sich beinahe eine komplette Familie aus Aachen wegen gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Betrugs vor der 6. Großen Jugendkammer am Aachener Landgericht verantworten muss, wurden am Donnerstag die letzten Plädoyers in diesem lang andauernden Strafprozess gehalten.

Die Angeklagten – bis auf die 55-jährige Mutter sind die vier Frauen und ein junger Mann erst zwischen 19 und 28 Jahre alt –hatten gegen Mittag die Möglichkeit, das berühmte „letzte Wort“ zu sprechen. Dabei trat das ganze Elend der im anscheinend unstillbaren Konsumrausch getätigten Betrugstaten ans Tageslicht.

Schließlich hatte Staatsanwalt Jan Balthasar Freiheitsstrafen zwischen drei Jahren und zehn Monaten Haft sowie drei Jahre für die beiden jungen Frauen gefordert, nur die Mutter darf möglicherweise einen Freispruch erwarten.

Die 25-jährige Haupttäterin Marion B. und ihre als Designerin ausgebildete Schwester Santa Aurelia B. (28) unterdrückten Tränen bei den letzten Sätzen. Es sei ihnen eine Lehre, nie wieder würden sie das machen. Beide hatten in der Tatzeit von September 2014 bis April 2015 quasi die komplette Familie in den kriminellen Strudel gerissen. Sie begannen damals laut Anklage, beim Online-Riesen Zalando unter falschen Namen und mit falschen E-Mail-Adressen hübsche und teure Sachen wie Markensportschuhe, Sonnenbrillen, Tops, Uhren und ebenso elegante wie hippe Sandaletten, High Heels oder auch modische Stiefelettchen zu bestellen.

Die Zalando-Ware ging an Scheinadressen, wurde dort von Familienmitgliedern abgeholt und in verschiedenen Zimmern der Wohnung gebunkert – und billig weiterverkauft. Die Krux bei den etwa 270 angeklagten Fällen: Man bezahlte die Rechnungen einfach nicht. „Es war wie ein Rausch“, gestand Marion B., die unter den jungen Damen als besonders anfällige Schuhfetischistin aufgefallen war. Alleine bei ihr stellte die Polizei einen ganzen Berg von eleganten Modeschuhen sicher.

Die Verteidiger forderten durch die Bank wesentlich mildere Strafen, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollen. Ihr Hauptargument: Der Online-Gigant mache es den Bestellern zu einfach, ihm sei nur der Umsatz wichtig, selbst die gestohlene Ware habe der Online-Riese nicht zurücknehmen wollen. Am heutigen Freitag (9 Uhr) wird am Aachener Landgericht das Urteil gesprochen.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert