Anhörung: Bürger fühlen sich „für dumm verkauft“

Von: Günther Sander
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Aachen. Die Bürgeranhörung zum Neubaugebiet Richtericher Dell im Sitzungssaal von Schloss Schönau entwickelte sich erwartungsgemäß zu einer kontroversen Veranstaltung. In den Nebenräumen und vor dem – zu kleinen – Sitzungssaal drängten sich 150 Interessenten, um Antworten auf eine Menge ungeklärter Fragen zu bekommen.

Bis zu 900 Wohneinheiten mit Platz für rund 3000 Neubürger sieht die Planung für Richtericher Dell vor. Entsteht da nicht im Stadtbezirk ein „Extra-Städtchen“, befürchten die Dell-Gegner?

Fast 90 Minuten lang war die Verwaltung am Zuge, mit dem Hamburger Planungsbüro wurde die Maßnahme vorgestellt. Als Moderatorin Angelika Hildersperger (Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen) empfahl, Beschwerden zur Planung in Nebenzimmern an sechs verschiedenen Thementischen (Umwelt, Grünflächen, Klimaschutz, Verkehr, Grundstücksvermarktung, Entwürde und Bedarf) vorzubringen und mit Experten zu diskutieren, war es mit der Geduld der Bürger vorbei. „Ist das eine Bürgeranhörung?“, wurde verärgert gefragt. „Sie wollen uns für dumm verkaufen, wollen unsere Monierungen abwürgen.“

Die Thementische wurden schließlich boykottiert, viele Bürger wollten sofort und vor allem Sitzungssaal diskutieren. Diesem Wunsch folgte die Verwaltung dann auch.

Und so war im Sitzungssaal Raum für alle Bedenken – vor allem zu den Auswirkungen auf die Straßen der Umgebung. Aber auch an der Notwendigkeit des Baugebiets gab es Zweifel. Dr. Nazir Salhani von der neuen Bürgeraktion wies auf die Zerstörung des einmaligen Biotops aus Fauna und Flora hin, aber auch auf die starke Belastung durch Baulärm und Gesundheitsbelastungen für Asthmatiker und Bronchialkranke.

„Vieles ist hier längst nicht akzeptabel“, so Dr. Salhani, der sich eine „intelligentere Planung“ wünscht. Der Beifall war ihm gewiss. Seit Tagen macht die Bürgeraktion gezielt mit einem Flyer auf Missstände aufmerksam.

Bezirksbürgermeisterin Marlis Köhne gab dagegen zu verstehen, dass sie positiv zu dem Projekt stehe, denn es werde eine Verbesserung der Infrastruktur geben. Ältere Menschen hätten bereits den Wunsch geäußert, noch mal umzuziehen. Köhne verwies auf die Anbindung über eine neue Umgehungsstraße, die der Horbacher Straße Entlastung bringen werde. Baudezernentin Gisela Nacken erklärte: „Diese Maßnahme ist für unsere Stadt enorm wichtig.“

Aachen wachse permanent, da gelte es vorrangig, neue Wohngebiete zu erschließen. „Ich habe den Flyer gelesen, ich kann manches nachvollziehen“, ließ sie wissen. „Aber die Stadt hat da eine andere Position in dieser Sache.“

Keine weitere Diskussion?

Die Anregungen der Bürger seien der Verwaltung wichtig. Diese wünschten sich eine weitere Veranstaltung an einem größeren Veranstaltungsort. Die wird es aber – Stand Mittwoch – nicht geben, wohl aber noch eine weitere Offenlage aller Pläne und Gutachten, zu denen sich die Bürger äußern können.

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