Angriff mit Machete vor Kino: Revierkämpfe im Ostviertel

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Unmittelbar vor den Kinotüren des Cinekarree kam es 2009 zu einem Kampf mit einer Machete, bei dem das Opfer durch einen Schlag mit jener gefährlichen Waffe „teilskalpiert“ wurde, wie es das Aachener Gericht formulierte. Der Angegriffene überlebte und behielt von dem Schlag eine lange Narbe am Kopf zurück.

Der Fall wird jetzt vor der 2. Schwurgerichtskammer neu verhandelt. Der Hintergrund des Vorfalls, den man ansonsten nur großformatig im Film „Machete Kills“ auf der Leinwand sieht: Damals weiteten sich Revierkämpfe um die Aufteilung der Drogenbezirke im Aachener Ostviertel bis in die Stadt aus. Dort vor dem Cinekarree trafen damals eher zufällig eine aus drei Brüdern bestehende „kosovarische Familiengruppe“, so die Schwurgerichtskammer am Montag, und der später zu vier Jahren Haft verurteilte Levent A. (27) aufeinander. Das waren zwei völlig verfeindete Parteien, ein Wort gab das andere.

Levent A. hatte im ersten Prozess vor Gericht angegeben, die Machete einem seiner Gegner bei einem Angriff auf ihn selber entrissen zu haben, er habe sich dann damit verteidigt. Das Schwurgericht erkannte die Einlassung teilweise an und unterstellte dem Angreifer letztlich keine Tötungsabsicht. Der Schüler A. stand zu dieser Zeit kurz vor dem Abitur. So wurde er für ihn glücklicherweise „nur“ wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt und nicht, wie ursprünglich angeklagt, wegen eines versuchten Tötungsdeliktes.

Flucht in die Türkei

Die Sache ging zum Bundesgerichtshof (BGH), der das Urteil aufhob und an das Aachener Landgericht zurück verwies. Da A. jedoch zunächst vom Haftantritt verschont wurde, setzte er sich in die Türkei ab. Erst im Sommer 2013 wurde er wieder nach Deutschland ausgeliefert und steht jetzt erneut vor Gericht. Montag wurde zunächst das Urteil des BGH verlesen, das die Aachener Entscheidungdes aufhebt. Auch wenn der Angeklagte die Tatwaffe, eine „40 bis 70 Zentimeter lange Machete“, einem Gegner entrissen habe, argumentierte der BGH, so sei das keineswegs entscheidend für den einen bedingten Tötungsvorsatz. Wie die Waffe in seinen Besitz gekommen sei, spiele keine Rolle. Der Hinweis des Landgerichts, dies sei ein „dynamischer Geschehensablauf“ gewesen, rechtfertige das Fehlen eines Vorsatzes nicht. Im Gegenteil könne der Täter jederzeit den Tötungsvorsatz gefasst haben.

Das oberste Gericht wies darauf hin, nur wenige Zentimeter oder ein anderer Auftreffwinkel der Machete hätten über Leben und Tod entschieden. Wahrscheinlich sei es sogar richtig, dass der Angeklagte im Vorfeld von den Brüdern gedemütigt wurde. Es hatte ein Zusammentreffen vor dem Aachener Tierpark gegeben, bei dem Levent A. verprügelt und verjagt wurde.

Doch diese Vorgeschichte rechtfertige den Macheten-Angriff in keiner Weise, stellte der BGH klar. Auch der Vorsitzende Richter des Schwurgerichts, der pensionierte Richter Gerd Nohl, hatte damals festgestellt: „Einzig und allein der Angeklagte ist verantwortlich“. Und stellte fest: „Dem Geständnis von A. fehlt echte Reue“. Der Prozess geht am 27. Januar weiter – mit der Aussage des Opfers.

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