Angemerkt: Knöllchen in die Tonne treten!

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Angemerkt: Knöllchen in die Tonne treten!

Ein Kommentar von Robert Esser

Kennen Sie das? Vor Ihnen kriecht die Müllabfuhr, leert reihenweise Tonnen – und sortiert die Drecksbehälter dann sauber in die wenigen freien Parklücken am Straßenrand ein. Fein in Reih‘ und Glied. Blockade fürs Blech.

Blöd. Weil überall da, wo knöllchenfrei Tonnen stehen, kein Mensch mehr Pkw parken kann. Am Montag war mal wieder die Jakobstraße dran. Leere Mülltonnen bloß einen Meter weiter auf den breiten Gehweg oder vorschriftsgemäß so nahe wie möglich an die Hauswand stellen? Nö. Wenn der Parkraum in der City in der Vorweihnachtszeit sowieso denkbar knapp ist, schalten manche Zeitgenossen offenbar vorsorglich das Hirn ab.

So dass der Müllwagen nunmehr nicht nur (kaum zu verhindernde) Staus hinter sich verursacht, sondern auch (kaum zu verschmerzen) die Parkplatznot verschärft. Wir fragen uns: Muss das sein? Wir finden: ja! Wer nämlich als Stadt – wie am Aachener Büchel – Bäume mitten auf die Straße pflanzt, darf auf Lerneffekte hoffen und kann ganz offenkundig auf Nachahmer bauen. Blockieren, was geht.

Einige Mitarbeiter haben behördlicherseits zum Beispiel längst erkannt, dass Blumenkübel vor Geschäftseingängen, die 30 Zentimeter weit auf dem Gehweg stehen, gebührenpflichtig beim Einzelhändler abzurechnen sind. Kein Witz.

Wenn aber der Blumenkübel 30 Zentimeter in den Gehweg ragt und zugleich mindestens einen Zentimeter darüber schwebt (weil er zum Beispiel an die Hauswand genagelt ist), dann kostet das nix. Auch kein Witz. Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie doch mal, liebe Leserinnen und Leser, nachdem Sie die Mülltonnen auf Ihrem ersehnten Parkplatz weggeräumt haben, am Büchel vorbei.

Lassen Sie den schmucken Baum auf dem Straßenpflaster links liegen und nehmen Sie den angrenzenden Hof ins Visier. Vor dem Friseur im Eckhaus an der Romaneygasse finden Sie zwei grandios gratis geliftete Blumenkübel. Es stimmt tatsächlich: Diese wahrlich gehobene Variante der Straßenraumnutzung ist kostenlos. Geschenkt. Was uns direkt zur Kategorie „Wie bekloppt kann man eigentlich sein?!“ bringt.

Wie die Stadt nämlich mancherorts die taktilen Leitstreifen für Sehbehinderte ins Pflaster verfrachtet hat, grenzt an Verkehrsraumbewirtschaftung aus Absurdistan. Die Noppenreihen im Gehwegboden springen unvermittelt (zum Beispiel am neu gestalteten Kaiserplatz) von rechts nach links vor geraden Hauswänden, schlagen plötzlich Haken um Stromkästen (zum Beispiel Gartenstraße) und führen Blinde schnurstracks zu Kollisionen mit an der Hauswand abgestellten Mülltonnen. Obwohl... Sorry, Denkfehler!

Die Tonnen stehen ja gar nicht an der Hauswand. Blöd von uns. Wir bitten um Entschuldigung – und mutmaßen: Nicht Nachlässigkeit, sondern vorauseilender Gehorsam ist verantwortlich für die Mülltonnen-Blockade der letzten freien Parkplätze der Stadt. Damit die taktilen Streifen auf dem Gehweg frei bleiben. Bravo! So zieht die Müllabfuhr den Karren aus dem Dreck, den die Verkehrsplaner hinterlassen haben.

Wie weitsichtig! Nur wir hier hoffen auf Nachsicht. Und darauf, dass der (ehrlich lobenswert selbstkritische) Nachtrag des Stadtbetriebs auf die ursprüngliche „Mülltonnen-blockieren-Parkplätze-Problematik“ nach Anfrage der Aachener Zeitung geklärt ist: „Das war ein Sonderfall. Wo immer möglich, werden die Mülltonnen auf dem Gehweg platziert, damit weder für Parkplatzsucher noch für Kinderwagen etc. Verkehrsraum blockiert wird.“

Versprochen, darauf vertrauen wir. Unablässig. Denn wir kennen das. Aus der Woche davor, und davor, und davor...

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