Angeklagter behauptet: Opfer verkauft gefälschte Pässe

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Ein am 3. September 2014 in Aachen von vier jungen Männern, die aus Aarhus (Dänemark) angereist waren, allem Anschein nach brutal überfallenes Opfer sagte am Dienstag vor dem Landgericht aus.

Der 52-jährige Betriebswirt ist wohnhaft am Rande des Frankenberger Viertels und wurde dort nach seinen Angaben von den Vieren mit Messern bedroht und schließlich gekidnappt, um von ihm 10.000 Euro zu erpressen. Rädelsführer, so sagte er vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Hans Günter Görgen, sei der in Kopenhagen ansässige Nhawad G. (29) gewesen, der zuvor ein Mal in Aachen zu Besuch war und den er als Neffe seiner Schwester in einem Asia-Café in der Innenstadt kennengelernt habe.

Warum sie gerade von ihm Geld erpressen wollten, das wisse er nicht, sagte er dem Gericht. Und hier unterscheiden sich die Versionen der Angeklagten und des Opfers konträr. Denn der im Quartett federführende Angeklagte ließ über seine Verteidiger am Dienstag verlauten, dass er quasi ein Opfer des 52-jährigen Aacheners sei. Denn der gehöre, so die Aussage der Angeklagtenseite, einem Schleuserring an, der professionell arabische Flüchtlinge nach England bringe.

G. gab an, von dem aus Ägypten stammenden Aachener für sich selber einen gefälschten Pass zum Preis von 6000 Euro gekauft zu haben. Doch das angebliche Amtsdokument, das in der Slowakei ausgestellt sein sollte, erwies sich als weniger wert als das Papier, auf dem es gedruckt war. Denn G. flog bei seinem Versuch, damit in Brüssel auszureisen und ein Flugzeug nach Antalya (Türkei) zu besteigen auf – und wurde nach Dänemark abgeschoben. Das sei der Grund gewesen, warum man nach Aachen gefahren sei und schließlich das Geld von dem Mann zurückgefordert habe.

Im Prozess selber machte dann die Angeklagtenseite ernst. Sie zeigte den 52-Jährigen wegen Urkundenfälschung und Betrugs an. Und, solle er sich nicht dazu bekennen, bekomme er eine weitere Strafanzeige wegen Falschaussage vor einem Gericht an den Hals. Doch das Opfer ließ sich nicht beirren, obwohl entscheidende Passagen seiner Aussage jetzt wörtlich protokolliert wurden. „Falsche Papiere? Nein, ich weiß nichts davon“, bekräftigte er auf die Frage des Richters. Er schilderte den brutalen Überfall in seiner Wohnung. Seine Frau habe geweint, als er mit einem Messer an der Kehle bis zum Dürener Badesee entführt wurde. Von dort musste er wiederholt Freunde anrufen, die sollten das Lösegeld besorgen, schließlich befreite ihn die Polizei. Der Prozess geht am 5. März weiter.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert