Aachen - Angeblicher Stawag-Mitarbeiter verkauft RWE-Verträge

Angeblicher Stawag-Mitarbeiter verkauft RWE-Verträge

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Eines darf nach dem Urteil der Vertriebsgesellschaft des Energieriesen RWE aus Essen am Dienstag nicht mehr passieren: Keiner ihrer Werber darf sich weiterhin als Stawag-Zugehöriger oder als Vertreter des lokalen Strom- und Gaslieferers ausgeben und mit diesem Trick in die Häuser schleichen.

Andernfalls, so der Vorsitzende der Kammer für Handelssachen am Aachener Landgericht, Richter Norbert Plum, im Urteil der Kammer, sind bis zu 250.000 Euro Strafe oder ersatzweise sechs Monate Haft fällig.

Denn genau das, nämlich sich als Stawag-Mitarbeiter Zugang zu den Häusern und Wohnungen zu verschaffen, hat nach Überzeugung des Gerichts jemand von den Werbern getan, die seit Wochen für RWE in Aachen Strom- und Gasverträge verkaufen sollen.

Doch mit der streitbaren Barbara S. (78) aus Brand hatte jener Verkäufer für Strom- und Gasverträge wahrscheinlich nicht gerechnet. „Ich hab vor dem Teufel keine Angst, zumindest zeig ichs nicht”, erklärte die ehemalige Kinderkrankenschwester dem Gericht aus voller Brust und mit klarer Stimme und demonstrierte ihre damalige Entschlossenheit erneut.

Damals, am 6. August, war ihr der aufdringliche Werber, der unten an der Haustüre geklingelt hatte und dann plötzlich oben an ihrer Wohnungstüre stand, direkt übel aufgestoßen. „Ich sagte, was machen sie denn hier oben”, berichtete sie über den Vorfall. Denn das verstand die getreue Stawag-Kundin überhaupt nicht.

Der Werber habe sich durch die Gegensprechanlage als jemand von der Stawag ausgegeben, der die Zähler turnusgemäß ablesen wollte. „Aber die gehen doch in den Keller”, erklärte Barbara S. rückblickend ihre Verwunderung. Der Mann habe dann in der Wohnungstüre vor ihr gestanden mit einem aufgeschlagenen Ordner in der Hand: „Da konnte man deutlich in großen Buchstaben das Wort Stawag lesen”, so ihre Zeugenaussage.

Doch dann wunderte sie sich erneut. Falls sie ihm, blickte sie auf den für sie merkwürdigen Vorgang zurück, die letzte Stawag-Jahresabrechnung hole und dann zeige, werde er ihr erklären, wie sie künftig „beim RWE” 120 Euro im Jahr sparen könne.

Sie holte die Abrechnung nicht. „Denn da hätte ich von der Türe weggehen müssen, ich hatte Angst.” Die Angst vor dem Werber kam also noch zur undurchsichtigen Verkaufsmasche hinzu. Selbstverständlich hatte das Gericht als Zeugen zuständige Werber einer regionalen Agentur für den Bereich geladen. Ein 43-Jähriger berichtete, Frau S. nicht zu kennen und natürlich niemals solche Methoden angewendet zu haben.

Für die Beklagtenseite RWE erklärte Anwältin Lara Marie Povel (Düsseldorf), die Werber seien „strengen Schulungen” unterworfen, in denen gerade dieses Verhalten als Tabu angeprangert werde. Für die Stawag machte dagegen Anwältin Antje Schwerdtfeger deutlich, dass dies „irrelevant” für den Vorgang sei. Der Vorwurf sei durch die Zeugin nachgewiesen und im Übrigen kein Einzelfall, es gebe diverse Fälle dieser Art.

Auch Richter Plum stellte fest, dass der Zeuge nicht unbedingt jener Mann sein müsse, der Zeugin S. auf den Pelz gerückt war. Plum: „Es ist jemand aufgetreten, der sich als Mitarbeiter der Stawag ausgegeben hat.” Punktum. Barbara S. dräute am Ende, dass dies sehr wohl doch der Fall sein könnte: „Ich erinnere mich zwar nicht mehr richtig an das Gesicht, Herr Richter. Aber doch, der wars!” Was letztlich keine große Rolle mehr spielte.

Stawag-Sprecherin Eva Wußing begrüßte das Urteil: „Wir haben seit Monaten solche und ähnliche Beschwerden von Kunden.” Als die Gegenseite begonnen habe, Werbung mit dem Namen Stawag zu akquirieren, sei für das Unternehmen eine Grenze erreicht gewesen.

Am 18. September steht ein weiteres, ähnliches Verfahren gegen die RWE-Vertriebsgesellschaft auf dem Gerichtsplan.
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