Andacht im Dom: Bischof Dieser mahnt offenes Denken an

Von: Jutta Katsaitis-Schmitz
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Wünschten den Gläubgen alles Gute für 2017: Bischof Helmut Dieser und sein Vorgänger Heinrich Mussinghoff (rechts). Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Der letzte Tag des Jahres 2016 neigte sich dem Ende entgegen. Die Hektik der vergangenen Tage hatte sich in den Straßen beruhigt und am späten Nachmittag waren es vor allem nur noch die Teilnehmer des traditionellen Sylvesterlaufs, die sich Hände reibend auf die Wärme zu Haus freuten. Doch sie waren nicht die Einzigen, die die Innenstadt belebten, fand doch im Aachener Dom am Spätnachmittag die erste Jahresschlussandacht mit dem neuen Bischof Dr. Helmut Dieser statt.

So waren es wieder nahezu 1000 Gläubige, die unter Glockengeläut dieser festlichen und zugleich besinnlichen Stunde zuströmten. Gerade die Jahresschlussandachten geben den Besuchern, sowohl durch die Predigt, als auch durch die erhabenen Klänge der Dommusik Denkanstöße und Zeit zur Besinnung.

Begleitet von Trompetenklängen spielte Domorganist Professor Manfred Hoppe zum Einzug des Bischofs und der konzelebrierenden Geistlichen des Domkapitels das mitreißende Prelude aus dem Te Deum D-Dur von Marc-Antoine Charpentier und die Gläubigen stimmten danach bewegt an: „Großer Gott wir loben Dich“.

In seinen einführenden Worten betonte Dieser, dass es ihm noch im alten Jahr wichtig sei dafür zu danken, dass er in Aachen Bischof geworden ist. „Damit meine ich, dass dieses Amt eine große Aufgabe ist, mehr aber noch ein Vorausgeschenk von Gnade und Vertrauen von Gott“, sagte er wörtlich. Zugleich dankte Dieser auch für das Vertrauen, das viele Menschen ihm zeigen, wie auch für die große Zustimmung, die von Anfang an da war.

„Neu lernen, mit unserer Unterschiedlichkeit zu leben“, war eines der Themen der Predigt. Gerade im vergangenen Jahr habe sich unser gesellschaftliches Zusammenleben grundlegend verändert, das spüren viele Zeitgenossen. Und die meisten sagen dazu: Es sind keine Veränderungen zum Guten, sondern bedrohliche Veränderungen, die Angst machen. Doch ich bin überzeugt, als Kirche können und müssen wir den Dingen ins Gesicht sehen“, so Dieser wörtlich. Wir leben in Deutschland und in Europa in offenen Gesellschaften, also mit offenen Türen. Menschen dürfen kommen und gehen. Menschen, die sich vor Krieg und Terror zu uns flüchten, dürfen bei uns um Asyl bitten. Das sei nicht nur die Politik der Bundeskanzlerin. Es ist schlichtweg das Gebot unserer Verfassung des Grundgesetzes, hieß es wörtlich in der Predigt.

Doch gerade kurz vor Weihnachten hätten wir bitter erleben müssen: Der wahnsinnige islamistische Terror sei durch unsere offenen Tür auch zu uns nach Deutschland hineingekommen. Ein Attentäter lenkte einen Lastwagen in den Berliner Weihnachtsmarkt, um möglichst viele Menschen zu töten. „Als Kirche können und müssen wir den Dingen ins Gesicht sehen“, so der Bischof und forderte auf, zu analysieren und differenzieren.

Rechtfertigung von Gewalt?

Nur so könne verhindert werden, dass gefühlte Wahrheiten die Stimmung beherrschten. Wir würden das aus unserer Geschichte kennen: Andere Völker als „die anderen“ zu bezeichnen, das sei ein Beginn gewesen, der dazu geführt habe, Gewalt zu rechtfertigen. „Und umgekehrt sehe ich eine Bedrohung darin, wenn heute Muslime uns Christen als Ungläubige bezeichnen. Und ich kann diesen Begriff für ein friedliches Zusammenleben nicht akzeptieren“, konstatierte Bischof Dieser.

Die Jahresschlussandacht fand nach dem Segen ihren Abschluss mit dem Gesang des „Tantum ergo“ und des „Urbs Aquensis“.

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