An Fronleichnam „Flagge zeigen und Farbe bekennen”

Von: Jutta Katsaaitis-Schmitz
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Festlich und gut besucht: die Fronleichnamsfeier auf dem Lindenplatz in Aachen. Foto: Martin Ratajczak

Aachen/Burtscheid. Annähernd eintausend Gläubige aus den Innenstadtpfarren „Franziska von Aachen” und der Domgemeinde füllten bei der festlichen Messe zum Fronleichnamstag den Lindenplatz, der mit seiner grünen Kuppel der Lindenbäume zu einer Basilika wurde.

Es war ein beeindruckendes Bekenntnis zur katholischen Kirche. Zu den Teilnehmern zählten wie alljährlich neben Geistlichen des Domkapitels, auch die Ritter vom Heiligen Grab, Ordensleute, Abordnungen studentischer Verbindungen, der Polnischen Katholischen Mission und der Karlsschützen Gilde. Sie nahm bereits seit der ersten Fronleichnamsprozession des Aachener Domes im Jahre 1343 an diesem Kirchenfest teil, als Aachen noch zum Bistum Lüttich gehörte. Den Karlsschützen war es bis zum Ende des 18. Jahrhunderts auch vorbehalten, bei der Prozession den Baldachin über der Monstranz zu tragen.

Musikalisch begleitete die Privatkapelle Neuss, unter der Leitung von Georg Comouth, die Fronleichnamsfeier. Hauptzelebrant war Weihbischof Karl Borsch, der auch die Predigt hielt. Darin analysierte er die Situation der Kirche in der Gegenwart. „Die Bedeutung der Kirche verblasst. Christliche Werte verlieren ihre Kraft. Mehr als ein Drittel der Menschen gehören keiner christlichen Kirche an”, sagte der Weihbischof. Die Kirche befinde sich in einer Vertrauenskrise.

Doch Krisenzeiten bieten auch Chancen, das Evangelium neu zu entdecken, um die Zeichen der Zeit zu erkennen. „Wir brauchen Orte, um den Glauben erfahrbar zu machen und miteinander zu teilen”, hieß es wörtlich. Der Vertrauensverlust, den die Kirche erlitten hat, bedeute die Stunde des Aufbruchs zu Neuem. „Flagge zeigen und Farbe bekennen, sind das Gebot der Gegenwart”, wandte sich Borsch abschließend an die Gläubigen. Die Prozession führte anschließend über die Paulusstraße, Venn, Bendelstraße und Rennbahn zum Dom. Hier erteilte Weihbischof Borsch den Schlusssegen.

Zeitgleich fand in Burtscheid die Fronleichnamsfeier für die Gemeinschaft der Gemeinden St. Gregor von Burtscheid statt. Wegen der instabilen Wetteraussichten fand der Festgottesdienst in der stark besuchten Pfarrkirche St. Michael statt. Im Altarrund hatten sich die Fahnenabordnungen der Tellschützen Gesellschaft und der St. Hubertus Schützenbruderschaft sowie das Trommler- und Pfeiferkorps Burtscheid aufgestellt.

Die ersten Bankreihen aber waren wie immer zu Fronleichnam den Kommunionkindern in ihren weißen Kleidchen vorbehalten. Hauptzelebrant war hier Pfarrer Thomas Faltyn. „Was sind heute die wahren Werte des Lebens? Sind es Geld, Urlaub, Auto”, fragte er in seiner Predigt und gab selbst die Antwort: „Nein, es ist vielmehr diese kleine Scheibe Brot. Sie ist das Wichtigste dieser Welt”. Diese Hostie mache nicht nur die Liebe Gottes sichtbar, sondern sei auch Brot für ein geistliches Leben.

Musikalisch gestaltete ein Bläserensemble unter der Leitung von Organist Wilhelm Schoenen die Festmesse und begleitete auch die anschließende Prozession, die diesmal auf verkürztem Weg zum Marienhospital führte. Das „Tantum ergo” und „Großer Gott wir loben dich” umrahmten hier vor dem Altar im Innenbereich musikalisch die Erteilung des Schlusssegens durch Pfarrer Faltyn.

Die Mehrzahl der Menschen fand sich danach zu freundschaftlichen Gesprächsrunden zusammen, wurde mit Speis und Trank versorgt und die Jüngsten tummelten sich in bunten Bällen beim „Schweinchentauchen” oder ritten auf Ponys. „Fronleichnam zeigt einmal mehr, wie die Fusion unserer Gemeinschaft der Gemeinden sich verstärkt und die Großgemeinde zusammenwächst”, so Monsignore Heribert August erfreut.
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