Aachen - An der Seitenlinie hat er den großen Cruyff abgegrätscht

An der Seitenlinie hat er den großen Cruyff abgegrätscht

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
Alemannia / Jo Montanes
Für die Alemannia am Ball: 479 Zweitligaspiele hat Jo Montanes absolviert. Nun kickt er in der Traditionsmannschaft. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wenn Joaquin Montanes durch den Tunnel geht, dann werden 20.000 Stimmen in seinem Kopf geweckt. Montanes, den alle immer nur „Jo” nennen, hört sie wieder, die Fans auf dem Tivoli, wenn er an einem ganz normalen Wochentag aus dem Spielertunnel kommt. Dabei dröhnt draußen nur der Rasenmäher, der den Rasen stutzt. Der schmale Gang hat sich verändert.

Früher waren hier nackte Wände, nun sind sie mit Sponsorentafeln verkleidet. Egal. „Hier werden ganz viele Erinnerungen wach”, sagt Montanes.

Am Sonntag spielt die Alemannia gegen den FC St. Pauli. Es ist das sechstletzte Spiel auf dem alten Tivoli. Montanes wird dann auf der Tribüne sitzen, Block G, Reihe 8. Dort hat ihm die Alemannia einen Ehrenplatz reserviert.

Dort fiebert er mit und drückt die Daumen. Wenn er jetzt noch einmal über den Rasen („Wir hatten nie so einen Teppich”) läuft, dann sieht er nicht Benny Auer und Lewis Holtby wirbeln, sondern Johan Cruyff vor dem inneren Auge.

„Dort vorne”, sagt er und zeigt auf eine Stelle ganz nah an der Seitenlinie. Dort hat er ihm in einem Freundschaftsspiel gegen den FC Barcelona den Ball vom Fuß gegrätscht. Dann lacht er und meint: „Okay, einmal ist er auch an mir vorbeigekommen.”

479 Mal hat der kampfstarke Verteidiger Jo Montanes in der 2. Bundesliga das Alemannia-Trikot getragen. Lange war er der Rekordspieler der gesamten Liga, bis ihm Willi Landgraf diesen Rekord abluchste. Bevor es die 2. Bundesliga gab, hatte Montanes schon 63 Mal in der Regionalliga West für die Alemannia gekickt.

Und auch wenn es keine offizielle Statistik gibt, ist Montanes letztlich wohl der Spieler, der häufiger als jeder andere auf dem Tivoli aufgelaufen ist. „Wenn du hier 17 Jahre trainierst und spielst, dann ist der Tivoli ein Teil von dir”, sagt er.

Es gibt viele Geschichten, die Jo Montanes, 55, geboren im spanischen Talavera de la Reina und mit 14 nach Deutschland gekommen, von seinem Tivoli erzählen könnte. Aber eine, die muss er unbedingt erzählen. Es ist die vom Pokalspiel gegen Werder Bremen. 7:6 gewann die Alemannia am 7. Oktober 1986 im Elfmeterschießen.

Da an der Mittellinie habe er gesessen, erzählt Montanes. Der Trainer fragte ihn, ob er den nächsten Elfmeter schießen wolle. Montanes lehnte ab. Dafür sieht er auch 22 Jahre später noch Torwart Johannes Kau einen Elfmeter versenken und Bremens Keeper Dieter Burdenski danebenschießen. Der Rest war Jubel.

Von der Mittellinie aus blickt Montanes nun auf den Würselener Wall. „Auf den haben wir am liebsten gespielt. Vor allem Freitagabend und wenn der Boden ganz tief war. Das war der Wahnsinn”, erzählt er. Zehn Tore hat Montanes in seinen 479 Zweitligaspielen nur erzielt. Hier an der Mittellinie hat er einmal den Ball bekommen. Der Gegner hieß Rot-Weiß Essen, es stand 0:0 und Montanes lief und lief.

Aus 20 Metern hat er dann einfach abgezogen. „Da oben ist er eingeschlagen”, sagt er und zeigt auf den linken oberen Torwinkel. Es muss ein Traumtor gewesen sein. „Ich habe immer nur schöne Tore geschossen”, erklärt Montanes und lacht.

Hinter dem Würselener Wall schaut Montanes auf das Dach des neuen Stadions. „Das sieht super aus. Ich freue mich schon, dort Spiele zu sehen”, erklärt Montanes. Und insgeheim hofft er, dort auch selbst auflaufen zu können.

Denn Montanes spielt noch in der Traditionsmannschaft. Die Alemannia lässt ihn nicht mehr los. „Was gibt es schöneres, als mit dem Alemannia-Trikot zu spielen?”, fragt er. „Nichts.”
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