An der Schanz: „Radwege sind tödlich!“

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
13082004.jpg
Erschütternd: Nach dem tödlichen Unfall an der Schanz wird nun untersucht, wie es zu dem Zusammenstoß kam. Foto: Michael Jaspers
13081983.jpg
Es wird auch geprüft, ob Werbetafeln die Sicht behinderten. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Rauchen kann tödlich sein“, liest der Autofahrer beim Blick nach links an der Schanz. Radfahrer dahinter kann er nicht sehen. Möglicherweise hat eine ungünstig platzierte RBL-Werbetafel an der Ecke Richtung Junkerstraße den fatalen Zusammenstoß zwischen einem 24-jährigen Autofahrer, der von der Vaalser Straße in die vorfahrtsberechtigte Straße hineinfuhr, und einem 57-jährigen Radfahrer, der auf der Schanz bergauf Richtung Lütticher Straße fuhr, begünstigt.

Das war Mitte September. Der Radfahrer erlag wenige Tage später seinen schweren Kopfverletzungen. Er war erst gegen das Auto geprallt und dann wegkatapultiert worden. Er hatte keinen Schutzhelm getragen. An der Unfallstelle steht nun – wie ein Mahnmal – ein weiß getünchtes „Ghostbike“ neben Kerzen und Blumen. An der Laterne ein Plakat: „Radwege sind tödlich!“ Immer wieder bleiben Passanten stehen, gedenken des tödlich verunglückten Radfahrers.

Ob Sichtbehinderung, überhöhte Geschwindigkeit, Missachten der Vorfahrt oder andere Gründe für den Unfall verantwortlich waren, untersucht die Polizei noch. Ein Sachverständiger wurde mit der Ermittlung des genauen Unfallhergangs beauftragt. Fest steht allerdings, dass es sich hier – entgegen der Behauptungen der Radfahrer-Bewegung „Critical Mass“ – nicht um eine sogenannte „Unfallhäufungsstelle“ handelt: „Von Januar 2016 bis zum 31. August 2016 haben sich dort – genau wie 2015 – keine Unfälle mit schwerem Sachschaden oder Personenschaden ereignet“, betont Polizeisprecher Paul Kemen. Anwohner und der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) fordern gleichwohl eine Überplanung der Verkehrsführung. „Die Radwege im Bereich Schanz sind völlig unübersichtlich und überwiegend mit den Fußgängerwegen kombiniert“, kritisiert Anwohner Bodo Dauvermann-Abel. „An der Unfallstelle wird viel zu schnell gefahren, da man noch vor dem Verkehr aus der Junkerstraße kommend auf die Schanz abbiegen will“, schildert er.

Volker Schober vom Referat Verkehrsplanung des ADFC hat konkrete Verbesserungsvorschläge: „Zuerst muss die Benutzungspflicht des Radweges an der Schanz aufgehoben werden. Auf der Straße sind Radfahrer grundsätzlich sicherer aufgehoben – und sie sind besser zu sehen“, sagt er. Sinnvoll seien auch Querungshilfen für Radfahrer wie Warnschilder für Autofahrer rechts und links der Straße: „Achtung, Vorfahrt achten!“. Wünschenswert wäre laut Schober auch eine Aufpflasterung des quer verlaufenden Radweges, damit Autofahrer dort langsamer entlangrollen. „Solch eine sanfte Rampe würde auch Gefahren an anderen Stellen senken: zum Beispiel an den Einmündungen Zollamtstraße/Vaalser Straße und Johannistal/Schanz“, erläutert der ADFC-Experte. Die Stadtverwaltung müsse endlich umdenken und breitere Radfahrschutzstreifen auf der Straße markieren, fordert Schober.

„Genau das machen wir längst“, unterstreicht Axel Costard vom städtischen Presseamt. Überall in der Stadt werden kilometerweise Radwege auf die Straße verlegt, „weil dies natürlich sicherer ist“, wie Costard weiß. Der tödliche Unfall soll nach Abschluss der polizeilichen Untersuchung auch in der städtischen Verkehrsbesprechung, die alle 14 Tage stattfindet, thematisiert werden. Daraufhin könnten gegebenenfalls Maßnahmen eingeleitet werden, um den Verkehr an der Schanz sicherer fließen zu lassen. Auch Sichtachsen und mögliche Behinderungen durch Werbetafeln kommen dann auf den Tisch.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert