Aachen - An den neuen Leuchten auf Aachens Straßen scheiden sich die Geister

An den neuen Leuchten auf Aachens Straßen scheiden sich die Geister

Von: Stefan Herrmann
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Zu grell? An den neutralweißen LED-Lampen, die seit Monaten von der Stawag sukzessive in Aachens Straßenlaternen eingesetzt werden, gibt es Kritik. Die Grünen wollen sich nun für die dezenteren warmweißen Leuchten einsetzen. Foto: Andreas Cichowski

Aachen. Bei so viel weißem Licht in Aachens Straßen sehen immer mehr Menschen rot. Die LED-Technik hält Einzug in die städtischen Laternen. Und die Umstellung auf die moderne Beleuchtung schmeckt beileibe nicht jedem.

Zu grell, schlafraubend, die einst angenehme Atmosphäre auf Aachens abendlichen Straßen zerstörend. So lauten einige der Kritikpunkte von Bürgern. Stadt und Stawag – letztere ist für die Beleuchtung im öffentlichen Raum zuständig – verteidigen ihren Weg der kontinuierlichen Umrüstung. Hauptargument: Mit dem LED-Licht wird eine Menge Geld gespart. Bis zu 70 Prozent Stromkosten können so entfallen.

Es scheint wie ein Kampf zwischen zwei gegensätzlichen Argumenten: Energieeffizienz und somit Kostenersparnis auf der einen Seite, ansprechendes, angenehmes Licht auf der anderen Seite. Doch gibt es wirklich nur die Entscheidung entweder/oder? Wäre nicht vielleicht ein Mix aus unterschiedlichen LED-Lichtern ein guter Kompromiss? Sogenanntes warmweißes Licht in Wohnstraßen mit wenig Verkehr sowie in den Bereichen der City zum Beispiel rund um Dom und Rathaus, wo Licht abends ein entscheidender Flair-Faktor ist. Neutralweißes Licht könnte dann auf den größeren Verkehrsachsen eingesetzt werden.

Schon im März 2010 war die LED-Technik in der Straßenbeleuchtung Thema im Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft. Damals erläuterte die Stawag den Politikern, dass eine Farbtemperatur unterhalb von 4000 Kelvin eine Grundvoraussetzung für die eingesetzten Leuchtmittel in der Stadt sei. Mittlerweile steht fest: Die Stawag verwendet in Aachen LED-Leuchten mit einer Farbtemperatur von 4000 Kelvin. Dies gilt als neutralweiß. Rund zehn Prozent der fast 22.000 Lichtpunkte (Masten und Bodenstrahler) sind mittlerweile umgerüstet. Tendenz steigend.

Daran stören sich immer mehr Bürger. Denn es gibt durchaus Alternativen, die für das menschliche Auge als angenehmer empfunden werden. Die bereits erwähnten warmweißen LED-Lampen strahlen mit einer Farbtemperatur von 2000 bis 3300 Kelvin. Für diese Technik möchten sich unter anderem die Grünen einsetzen und einen entsprechenden Antrag einreichen, damit künftig auf die warmweiße Variante in Aachens Straßenlaternen gesetzt wird.

Die Piraten unterstützen zwar grundsätzlich den Einsatz neuer, innovativer Techniken. Sie geben aber zu bedenken: „Wenn den gewählten Vertretern der großen Koalition 20 Prozent mehr Einsparung bei der ohnehin günstigeren Alternative wichtiger ist als das Wohlbefinden ihrer Bürger, wird das gelbe Licht auch im Rest der Stadt dem weißen Licht weichen müssen“, heißt es in einer Stellungnahme.

Gerade bei der schwarz-roten Mehrheit im Rat hat es den Anschein, dass das Thema LED-Licht bisher eher ein Dasein in der dunklen Ecke fristet. So teilte die SPD kurz und knapp mit, man wolle die bereits laufende Umrüstung in den Bezirksvertretungen erst einmal „kritisch hinterfragen“. Eine abschließende Meinungsbildung habe daher noch nicht stattgefunden. Für die CDU stehen die von Stadt und Stawag angeführten Sicherheits- und Kostengründe, die für die neutralweiße LED-Technik sprechen, im Vordergrund. „Dies erscheint uns nachvollziehbar“, teilte CDU-Fraktionsgeschäftsführerin Marianna Krott auf AZ-Anfrage mit.

Etwas ausführlicher äußert sich die Verwaltung. In den Vorlagen, die am Mittwoch in den Bezirksvertretungen Mitte und Eilendorf beraten werden, heißt es: „Die Stadt Aachen hat sich für Beleuchtung mit neutralweißem LED entschieden, weil bei diesen die Farbwiedergabe bei über 80 Prozent liegt. Bei orangen Leuchtdioden ist eine gute Farbwiedergabe nicht möglich.“ Zudem seien die gelben LED weniger wirtschaftlich und in der Anschaffung teurer.

Die Linkspartei kritisiert unterdessen vor allem das Prozedere von Seiten der Stadt und der Stawag bei der Umrüstung auf neutralweißes LED-Licht: „Leider wurde das Thema in keinem demokratisch gewählten Gremium beraten“, so die Linksfraktion. Informationen über technische Hintergründe und genaue Einsparpotenziale der unterschiedlichen LED-Lichter habe man bisher nicht erhalten.

Das städtische Presseamt bestätigte am Dienstag ebenso wie die Stawag, dass die Entscheidung pro neutralweißes LED einvernehmlich zwischen der Verwaltung und dem städtischen Energieversorger, aber ohne einen expliziten politischen Beschluss getroffen worden sei.

Das gefällt der Linkspartei überhaupt nicht. „Wir halten diese Praxis für demokratisch sehr fragwürdig und werden dies am Mittwoch in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte auch sehr deutlich sagen“, so Fraktionsassistent Lasse Kloppestein.

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