Aachen - Am Templergraben fallen Bäume in Nacht- und Nebelaktion

Am Templergraben fallen Bäume in Nacht- und Nebelaktion

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
Fakten geschaffen: 32 Platanen
Fakten geschaffen: 32 Platanen und Mehlbeeren sind am Templergraben abgeholzt worden. Sie weichen dem umstrittenen Umbau der Straße. Foto: Michael Jaspers

Aachen. So etwas nennt man eine Nacht- und Nebelaktion. Man könnte es auch als ein Paradebeispiel für den Weg des geringsten Widerstands ansehen. Denn genau das war der Grund, warum die Stadt in der Nacht zum Freitag eine Firma anrücken ließ, auf dass die umkämpften Bäume am Templergraben flugs abgeholzt würden.

Als sich die meisten Aachener noch schlafend vom Fettdonnerstag erholten, kreischten im strömenden Regen - begleitet von rund einem Dutzend Polizisten - zwischen TH-Hauptgebäude, Kármán-Auditorium und Super C die Kettensägen. Zuvor hatten Abschleppwagen bereits mehrere Autos versetzt, die zwar regulär, aber für die Aktion störend parkten. Die Arbeiter fackelten nicht lange. Ruckzuck waren die meisten Bäume - vor allem die Platanen gegenüber dem Hauptgebäude - niedergelegt. Mit den Mehlbeeren (Sorbus) vor dem Super C ließ man sich dann noch bis mittags Zeit. Insgesamt wurden 32 Bäume gefällt.

So ungestört wie möglich sollte die Aktion vonstatten gehen. Die Stadt fürchtete den aktiven Widerstand des jüngst genau wegen dieser Gehölze gegründeten Baumschutzbündnisses. Dessen Mitglieder kamen dann auch tatsächlich, allerdings erst nach 5 Uhr, als viele Bäume schon weg waren. „Wir hatten eine leise Ahnung, dass so etwas passieren würde”, so Bündnissprecherin Marika Jungbluth später. Die Baumschützer umringten schließlich eine erst teils gefällte Platane, es gab allerdings keinen massiven Widerstand oder gar Grund zum Einschreiten für die Polizei. Vielmehr kamen die Aktivisten mit Regina Poth ins Gespräch, die als Vertreterin der Stadt vor Ort war. Einig war man sich letztlich darüber, dass es wie am Templergraben demnächst nicht mehr laufen soll und dass Wege für eine frühzeitige Bürgerbeteiligung und -information gesucht werden.

Dass man den Kahlschlag am Templergraben nicht verhindern konnte, findet Marika Jungbluth „sehr enttäuschend”. Aber die Sache sei eben schon durch politische Beschlüsse zementiert gewesen. Allerdings hätte es sonst das Bündnis erst gar nicht gegeben. Und dessen Mitglieder wollen nun zielstrebig weitermachen und sich an künftigen Planungen aktiv beteiligen. Unter anderem lautet eine Forderung, bei neu gepflanzten Bäumen zu dokumentieren, wie viele davon letztlich tatsächlich überleben. In Verwaltung wie Politik will man ein Umdenken erreichen. Von Nacht- und Nebelaktionen wie jener am Freitagmorgen solle die Stadt Abstand nehmen: „Das ist nicht fair, wenn man uns vorher sagt, uns einbinden zu wollen”, so Marika Jungbluth. Schließlich sei das Bündnis auch fair - und zudem kompromissbereit. Und Carmelo Licitra, für den Integrationsrat im Mobilitätsausschuss und als Mitarbeiter im Stadtbetrieb Baumkenner, sieht seit der Baumfällaktion den Beleg erbracht, dass die Verwaltung falsch informiert habe. An den Stümpfen sehe man, dass die Bäume keineswegs wie behauptet krank, sondern kerngesund gewesen seien. Die Stadt müsse ihre Fehler eingestehen.

Regina Poth bekundete gegenüber der AZ, dass man künftig verwaltungsseits einiges anders machen werde. Das Fällen der Bäume in diesem Fall sei dem Umbau des Templergrabens geschuldet. Auf dem Teilstück zwischen Schinkelstraße und Wüllnerstraße sollen alle Verkehrsteilnehmer künftig aufeinander Rücksicht nehmen und möglichst gleichberechtigt agieren - auch wenn Fahrbahn und Wege noch durch eine drei Zentimeter hohe Kante getrennt sein werden. Beginnen soll dieser Umbau laut Poth im März mit der Kanalsanierung, bevor dann die eigentliche , etwas mehr als eine Million Euro teure Neugestaltung ansteht. Diese wiederum soll - so die Archäologie keinen Strich durch die Rechnung macht - im September 2013 beendet sein. Während der Bauphase wird der Templergraben nur Richtung Karlsgraben einspurig befahrbar sein. Der Verkehr in die andere Richtung wird über Turm- und Wüllnerstraße umgeleitet.

Das Baumschutzbündnis wird indes schon übermorgen wieder aktiv - als Gruppe im Rosenmontagszug, wo man auf seine Ziele aufmerksam machen will.
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