Am Tag vor der Wahl: Merkel an den heißen Quellen

Von: Peter Pappert
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Angela Merkel blickte optimistisch auf die NRW-Wahl, die auch ein Stimmungstest für die Bundestagswahl ist. Foto: Lachmann
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Angela Merkel war am Samstagmittag zu Besuch in Aachen. Foto: Hellmich

Aachen. Angela Merkel am Samstagmittag auf dem Burtscheider Markt in Aachen. Zum Wochenend-Einkauf ist sie nicht hier; dabei geht sie gerne selbst einkaufen, wie man weiß. Überrascht ist niemand, dass sie hier ist; es war ja ausreichend angekündigt: Wahlkampf-Abschluss mit CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet. Bewegt das einen Tag vor der Wahl noch etwas Entscheidendes?

Und Entscheidendes müsste es doch sein, wenn die Bundeskanzlerin extra von Berlin nach Burtscheid kommt, dorthin, wo Laschet geboren wurde und bis heute lebt. Sie tut es für ihn. Er hat zu ihr gestanden in all den langen schwierigen Monaten, in denen sie wegen ihrer Flüchtlingspolitik - auch in der eigenen Partei und vor allem von der CSU - attackiert wurde. Laschet hat sich für Merkel ins Zeug gelegt, hat sie vorbehaltlos und aus innerer Überzeugung unterstützt.

Der CDU-Spitzenkandidat, der nach der morgigen Landtagswahl den Job von Hannelore Kraft als Ministerpräsidentin übernehmen will, hat im Wahlkampf Bayern oft genug als leuchtendes Vorbild gepriesen: bei der Polizeiarbeit, bei der inneren Sicherheit, bei der Verbrechensbekämpfung, in der Schulpolitik. Aber er hat immer gegen den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer und dessen Scharfmacher argumentiert, wenn es um Flüchtlinge und Quoten geht.

Also kommt Angela Merkel zum Schluss nach Burtscheid. Gerade hat Monsignore Heribert August die CDU-Chefin noch durch die Pfarrkirche St. Michael geführt, wo Laschet getauft wurde, wo er geheiratet hat. „Ich freue mich, in der richtigen Heimat von Armin Laschet zu sein“, wird sie eine halbe Stunde später auf der Kundgebung sagen. „Es ist schön zu sehen, wie er hier verwurzelt ist.“ In der Kirche begrüßt Vater Heinz Laschet die Kanzlerin: „Wir kennen uns aus Rom.“ Bei der Feier zum Karlspreis für Papst Franziskus hatten sie sich die beiden unterhalten; eine Regierungschefin benötigt viel Erinnerungsvermögen. Nach dem „Kirchgang"“ runter zum Burtscheider Markt. Am Thermalbrunnen testet Merkel das Heilwasser - aber ganz vorsichtig. „Mit verbrannten Fingern will ich ja auch nicht nach Hause kommen.“

Noch schnell ein Selfie-Foto mit Stefanie Niebert in der Pharma-Apotheke und dann durch eine Allee hochgehaltener Smartphones zur Kundgebung. Auf dem Weg dorthin wird Angela Merkel ausgesprochen freundlich begrüßt: „Schön, dass Sie hier sind!“ "Gottes Segen!"

Abrechnung mit Rot-Grün

Auf der Bühne fordert der Wahlkampf noch einmal letzten Tribut. „Was die in Schleswig-Holstein geschafft haben, werden wir morgen auch schaffen“ , ruft Laschet und erzählt seine NRW-Schlusslicht-Geschichte. „Die Menschen in Nordrhein-Westfalen sollen so sicher leben können wie die in Bayern und Hessen.“

Deshalb hat er den CDU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach als Fachmann für innere Sicherheit an seine Seite geholt. Der ist auch nach Burtscheid gekommen. Laschet freut sich darüber und verbindet das mit einem letzten Angriff auf seinen Lieblingsgegner, den NRW-Innenminister: "NRW braucht mehr Bosbach und weniger Jäger." Unbedingt zur Wahl gehen! So lautet Laschets Botschaft. Ohne es direkt auszusprechen, warnt er davor, FDP zu wählen. Die sei ohnehin zweistellig. In Nordrhein-Westfalen werde sich aber nur etwas ändern, wenn die CDU im Landtag stärkste Fraktion werde. "Deshalb müssen wir auf Platz eins. Deshalb brauchen wir jede Stimme."

Merkel ist voll des Lobes für ihren Stellvertreter an der CDU-Bundesspitze. Vor allem würdigt sie Laschets Einsatz für Europa. Die Kanzlerin rühmt die RWTH als „Symbol Deutschlands für Exzellenz“ . Die Wahlkämpferin rechnet mit der rot-grünen Landesregierung ab: In dem Land mit 22 Prozent der deutschen Bevölkerung fänden 38 Prozent der Wohnungseinbrüche statt - „betrieben von organisierten Banden“ . Trotzdem lehne die Kraft-Regierung verdachtsunabhängige Polizeikontrollen ab. Die Verschuldung von Nordrhein-Westfalen sei höher als die aller anderen Bundesländer zusammen. „Da läuft was falsch“, sagt Merkel. „Es geht morgen nicht um Parteien. Es geht morgen um Sie, um Ihr Leben und darum, wie viel Zeit Sie im Stau verbringen. Gehen Sie zur Wahl!“ Die Kanzlerin Samstagmittag auf dem Burtscheider Markt. Sie stärkt Armin Laschet den Rücken und damit sich selbst - 133 Tage vor der Bundestagswahl.

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