Aachen - Am Stresstest Schanz führt kein Weg vorbei

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Am Stresstest Schanz führt kein Weg vorbei

Von: Matthias Hinrichs
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Engpass Lütticher Straße: Halteverbote und Staus prägen das Bild, seit die Stawag im unteren Teil der Ausfallachse buddelt. Die Geschäftsleute im Umfeld fürchten heftige Umsatzverluste. Foto: Andreas Steindl
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Engpass Lütticher Straße: Halteverbote und Staus prägen das Bild, seit die Stawag im unteren Teil der Ausfallachse buddelt. Die Geschäftsleute im Umfeld fürchten heftige Umsatzverluste. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Nein, sprunghafte Umsatzsteigerungen, etwa bei Beruhigungsmitteln oder Watte für die Ohren, hat Dr. Paul Brosthardt wohl – noch – nicht zu verzeichnen. Im Gegenteil. Auch wenn die Nerven seiner Nachbarn seit Donnerstag auf eine harte Probe gestellt werden.

Der Inhaber der Luisen-Apotheke selbst steckt den ersten großen Stresstest vergleichsweise gelassen weg. Direkt vor seiner Haustür ist ein lautstark dröhnender Bagger just im Begriff, diversen Parkplätzen den Garaus zu machen.

Großbaustelle Schanz: Seit Montag buddelt die Stawag an der unteren Lütticher Straße mit Hochdruck, Richtung Belgien geht für den Verkehr seit Donnerstag gar nichts mehr. Rings um die große Kreuzung am Ende der Jakobstraße knubbelt sich das Blech. Und daran wird sich mindestens bis Dezember nichts ändern.

Brosthardt und die übrigen, vielfach selbstständigen Geschäftsleute in seinem Umfeld müssen sich also in jedem Fall auf eine heftige finanzielle Durststrecke einstellen. Der Pharmazeut gibt sich dennoch vorerst nicht allzu verschnupft – im Gegensatz zu manchem Leidensgenossen. „Dass nach den Kanalarbeiten auch die Parkplätze hier saniert werden, war überfällig“, sagt er. „Wenn die Stadt Wort hält, ist die Maßnahme in einem guten halben Jahr erledigt – ursprünglich war ja sogar von rund anderthalb Jahren Bauzeit die Rede.“ Dennoch: Auch Bosthardt fürchtet, dass seine Einnahmen in dieser Zeit um 20 bis 30 Prozent zurückgehen.

„Nach uns die Sintflut – anders kann man die Haltung der Verantwortlichen nicht beschreiben“, wettert dagegen Michael Daners, Inhaber des Markisengeschäfts an der Ecke zur Schanz. „Am Ende interessiert es die doch gar nicht, wie wir dieses Chaos überhaupt überstehen sollen.“ Dass Stadt und Stawag im Vorfeld mehrfach über die anstehenden Sanierungsarbeiten informiert haben, ändere schließlich nichts an der „unerträglichen Situation“.

Rolf Kohnen, Inhaber einer Reinigung gleich gegenüber, schaut derweil trotz vielfacher Unbill eher gequält lächelnd aus der Wäsche. „Wir rechnen mit einem Umsatzverlust von um die zehn Prozent“, sagt er. „Solange die Kunden ihr Auto noch kurzzeitig in unserer Einfahrt abstellen können, kommen wir wohl über die Runden. Allerdings müssen wir unsere Liefertouren drastisch reduzieren, weil wir die Kunden einfach nicht mehr so schnell erreichen.“

Dieses Problem beschäftigt auch Johannes Hüpgens, seines Zeichens Allgemeinmediziner im Praxiszentrum an der Lütticher Straße 9. „Bevor die Einfahrt zu meinem Stellplatz gegenüber weggebaggert wird, muss ich mir Gedanken machen, wo ich meinen Wagen für dringende Hausbesuche abstelle – selbst wenn das, wie versprochen, nur kurzzeitig der Fall sein sollte.“

Lieferservice statt Laufkundschaft

Rolf Kohnens Kollege Gerd Weber, Chef der gleichnamigen Reinigung am nahe gelegenen Jakobsplatz, stellt sich unterdessen auf viele zusätzliche und dringende Dienstfahrten ein. „Wir haben den Kunden schon angeboten, ihre Wäsche abzuholen – die bleiben nämlich bereits aus. Schon als die obere Jakobstraße vor ein paar Jahren dauerhaft zur Einbahnstraße gemacht worden ist, haben wir heftige Umsatzeinbußen verzeichnen müssen. Jetzt müssen wir wiederum mit mindestens fünf bis zehn Prozent Verlust rechnen.“

Ob die Geschäftsleute sich mit dem Gedanken anfreunden könnten, ähnlich wie die Kollegen am derzeit ebenfalls baustellentechnisch schwer gebeutelten Kru- genofen Prämien für flotteren Vollzug in Sachen Tiefbau auszuloben? „Eher nicht – da bin ich skeptisch“, meint zumindest Reini-gunsexperte Kohnen. Von einer ähnlichen Initiative rund um die Schanz sei ihm bislang jedenfalls nichts bekannt. „Im Grunde können wir nur hoffen, dass das Thema bis Weihnachten erledigt ist“, sagt Kohnen. „Und dass die Archäologen nicht noch irgendwo ein historisches Mäuerchen ausbuddeln . . .“

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