Am Rundoxer trifft sich Gott und die Welt

Von: Georg Dünnwald
Letzte Aktualisierung:
8182309.jpg
Am Rundoxer wird ganz offensichtlich nicht nur Bier und Wasser getrunken, auch Hugo und Aperol Sprizz scheinen hoch im Kurs zu stehen. Auf jeden Fall wird hier gerne und viel geklönt. Foto: Harald Krömer

Aachen. Vormittags ist es noch sehr ruhig. Nur wenige Gäste halten sich am runden Tresen des riesigen Getränkestandes auf, der in „Fachkreisen“ auch Rundoxer genannt wird.

Dieser besondere Oxer, der genau zwischen Abreiteplatz und Medienzentrum liegt, ist wohl die traditionellste Gastronomie in der Soers und versorgte die Besucher schon mit Getränken, als „d‘r Tschio“ noch „Reitturnier“ hieß.

Hier trifft sich Gott und die Welt, der Millionär trinkt hier sein Bierchen ebenso wie Otto Normalöcher. Standesdünkel kommt gar nicht erst auf. Das Kommando hinter der Theke führt Hilde, die in Windeseile Nachschub für ihre Gäste besorgt.

„Hast Du den Jeck gesehen, so wie der wieder rumläuft...“ So fangen hier die Gespräche an – etwa zwischen zwei älteren Herren, die sich zufällig am Rundoxer getroffen haben. Aus der Zufallsbegegnung wird nicht selten ein mehrstündiges Gespräch. Und meistens geht‘s darum, wie‘s „früher“ einmal war, beim CHIO, in Aachen und überhaupt.

Mittlerweile ist der runde Stehtisch vor der runden Theke voll besetzt, sieben, vielleicht acht Personen stehen rundherum, alle unterhalten sich mit allen, es muss immer lauter gesprochen werden. Thomas Ebert, Geschäftsführer des Rundoxers, dreht die Musik lauter, großes Stimmengewirr stellt die beiden älteren Herren vor Hörprobleme, also werden auch sie lauter im Gespräch. „Hilde, jib uns noch zwei“, und schon sind wieder alte Bekannte zu sehen. Die werden selbstverständlich auch noch an den Tisch geholt. „Pferde kannste auch gleich noch kucken“, und das Gebrabbel geht weiter: „Weißte noch, als der Jupp sein Portemonnaie verjessen hatte...“, oder „Kuck mal da, et Marianne hat och schon wieder zujelecht...“ So manches Anekdötchen wird erzählt. Etwa von einem Mann („Der ist schon längst tot.“), der jahrelang an der Theke immer die Spendierhosen anhatte und dann wegen Unterschlagung im Knast landete. „Wenn ich das Urteil gegen Hoeneß sehe, ist der viel zu hart bestraft worden“, lautet das Fazit.

Antizyklischer Betrieb

Der Rundoxer ist vor allem bei den Öchern, den Bewohnern der Städteregion und den holländischen und belgischen Nachbarn beliebt. Doch der Betrieb hier verläuft „antizyklisch“. Immer wenn die Wettbewerbe im benachbarten Springstadion laufen, lichtet sich der Kreis der Durstigen, was aber nicht heißt, dass der Rundoxer dann völlig ohne Gäste ist. Die Shuttlefahrer haben Schichtwechsel, sie erfrischen sich mit Cola oder Wasser, und auch so mancher Ordner zieht sich mal aus der stark brennenden Sonne zurück, um unterm Schirmdach ein bisschen runterzukühlen. Hier am Rundoxer.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert