Am „Prallschutz“ gibt es Neues aus Schilda

Von: Stephan Mohne
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Kreisrunder Stein des Anstoßes – im Wortsinn: Mehrfach sind Autos und Lastwagen gegen den „Prallschutz“ für den Baum mitten auf der Büchel-Fahrbahn gekracht. Deswegen gibt es aus „versicherungstechnischen Gründen“ dort ab sofort einen „verkehrsberuhigten Bereich“. Foto: Michael Jaspers
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Neue Verkehrsanordnung mit Folgen: Am Büchel gilt in der verkehrsberuhigten Zone Tempo 7. Und einige Anwohnerparkplätze gibt es nicht mehr.

Aachen. Diese Geschichte könnte einem Satiremagazin entnommen sein. Ist sie aber nicht. Vielmehr ist sie höchst real und steht in der Reihe „Neues aus Schilda“. Wobei das in diesem Fall sogar fast wörtlich zu nehmen ist. Aber erzählen wir sie doch der Reihe nach:

Als am oberen Büchel der Kanal und dann gleich auch noch die Straße erneuert wurden, da kam jemand auf die Idee: Ein Bäumchen mitten in der Fahrbahn kurz vor der Einfahrt zum Markt wäre doch nett. Doch weil das Gehölz vermutlich schneller, als man gucken kann, vom Blech niedergemäht worden wäre, baute man rundherum eine Konstruktion aus Stein und Metall. Das wurde dann sogar als schöne Möglichkeit ausgegeben, sich dort sitzend niederzulassen und durchzuschnaufen. Es kam natürlich, wie es kommen musste: Mehrfach rammten Auto- und Lastwagenfahrer das Teil. Mal brach dabei ein Stück Stein heraus, mal geriet die gesamte Konstruktion aus den Fugen und musste erneuert werden. Da hatte zum Glück allerdings gerade niemand das ansonsten gut frequentierte Sitzmöbel bevölkert. Die Stadt fand dahingehend flugs eine neue Sprachregelung. Das Teil sei nämlich gar keine Bank und sitzen dürfe man nicht darauf. Es handele sich lediglich um einen „Prallschutz“ für das Bäumchen.

Ziemlich prall geht die Geschichte weiter. Die Stadt wollte dem Vernehmen nach nämlich keineswegs auf den Kosten für die jeweilige Reparatur des Baumschutzes sitzen bleiben. Und soll deswegen die Verursacher, soweit bekannt, zur Kasse gebeten haben. Einmal beispielsweise jenen Lkw-Fahrer, der mit seinem „Einschlag“ eine Runderneuerung des Steinkreises nötig gemacht hatte.

Schilder diese Woche montiert

Doch jetzt bekommt die Sache einen ganz anderen Dreh. Mitten in der Fahrbahn einer ganz normalen Straße – am Büchel galt Tempo 30 – darf ein solches Konstrukt gar nicht stehen. Die Stadt hat das nicht selber herausgefunden, sondern bekam eine entsprechende Warnung von der kommunalen Versicherung. Klar, das wäre so, als würde man Ähnliches mitten auf der Jülicher Straße bauen. Ein „ungesichertes Hindernis“ nennt man so etwas offiziell. Was nun? Alles wieder abreißen? Nein, hat man sich in der Verwaltung gesagt – und versucht, die Kurve anders zu kriegen. So ist diese Woche der obere Büchel zum „verkehrsberuhigten Bereich“ gemacht worden, der im Volksmund fälschlicherweise „Spielstraße“ genannt wird (die mit einem „Durchfahrt verboten“-Schild nebst einem spielenden Kind als Zusatz beschildert ist). „Das ist aus versicherungstechnischen Gründen geschehen“, sagt Axel Costard vom Presseamt auf Anfrage. Am Markt und unten am Büchel wurden entsprechend der Anordnung – sie soll vom Rechtsamt veranlasst worden sein – die blau-weißen Schilder, die den Anfang eines „verkehrsberuhigten Bereichs“ anzeigen, angebracht. Nach der Straßenverkehrsordnung dürfen Verkehrsteilnehmer dort jetzt nur noch „Schrittgeschwindigkeit“ (maximal 7 km/h) fahren – auch die Radfahrer, die bisweilen deutlich flotter den Büchel hinunterbrettern. Gegenseitige Rücksichtnahme ist dort nun gefragt.

Doch die verkehrsberuhigende Neuerung am Büchel hat noch weitere Folgen: Der Bereich ist jetzt eine „Haltezone“. Man darf dort überall – sofern man nicht den Verkehr behindert – zum Ein- und Aussteigen sowie zum Be- und Entladen halten. Das bisherige eingeschränkte Halteverbot kurz vor der Kleinkölnstraße ist deswegen weggefallen, die entsprechenden Schilder wurden entfernt. Der CDU-Ratsherr für diesen Bereich, Ernst-Rudolf Kühn, berichtet, dass auch vier Anwohnerparkplätze – die Anwohner durften außerhalb der Liefer- und Ladezeiten nachts dort mit Ausweis parken – weggefallen seien. Das bestätigt Axel Costard. Man überlege derzeit noch, ob es doch eine Lösung im Sinne der Anwohner gibt. Selbige, die von der Änderung noch gar nichts mitbekommen hatten, hätten schon bald Knöllchen hinter den Scheibenwischern gehabt, sagt Kühn. Er berichtet zudem, dass er in den vergangenen Tagen zuhauf Anfragen erhalten habe, was das Ganze eigentlich soll. Laut Costard wurde die Politik Anfang des Jahres im Mobilitätsausschuss und in der Bezirksvertretung informiert. Der Öffentlichkeit blieb das allerdings verborgen.

Es stellen sich nun dennoch Fragen. Wurden tatsächlich Autofahrer für die von ihnen verursachten Schäden am „Prallschutz“ belangt? Und wenn ja: Bekommen sie nun ihr Geld zurück? Denn eigentlich hätte das Teil ja gar nicht existieren dürfen. Und muss die Stadt deswegen nicht sogar ihrerseits den Fahrzeugbesitzern den Schaden bezahlen? Ratsherr Kühn attestiert der Verwaltung jedenfalls eine „Politik an der Realität vorbei“. An dieser Stelle endet die Geschichte. Vorläufig.

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