Am OGS-Mittagstisch isst das Finanzamt kräftig mit

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Axel Pape will die Sache nicht in den Kopf gehen. Der Familienvater muss jetzt für das Mittagessen seiner beiden Kinder in der Offenen Ganztagsschule kräftig draufzahlen. 25 Cent pro Mahlzeit werden auf den Preis aufgeschlagen. Zusammen macht das für Pape immerhin rund 120 Euro pro Jahr.

Insgesamt zahlt er damit über 1000 Euro Essensgeld für die Mittagsverpflegung seiner beiden Kinder. Der Grund für den satten Aufschlag von 12,5 Prozent: ein Urteil des Bundesfinanzhofs aus dem vergangenen Jahr.

Dieses Urteil ist durchaus kompliziert. Vereinfacht lautet die Essenz: Statt sieben müssen 19 Prozent Umsatzsteuer auf besagtes Mittagessen erhoben werden. Deswegen haben alle Eltern von Grundschulkindern, die über den zur Arbeiterwohlfahrt gehörenden Verein „Betreute Grundschulen” versorgt werden, einen Brief bekommen.

Die Mehrkosten, die dieses Urteil verursacht, könne der Verein aus seinem Budget nicht auffangen, schreibt Geschäftsführer Hermann Linnemann. Der Verein bedient sich bei der Versorgung eines Caterers. Die Umsatzsteuererhöhung wird in Form besagter 25 Cent ab 1. März weitergegeben. „Dass wir durch externe Einflüsse zu diesem Schritt gezwungen wurden, bedauern wir sehr”, so Linnemann. Er unterstreicht, dass die Preise so spitz gerechnet seien, dass diese Mehrkosten nicht aus eigenen Mitteln auszugleichen sind.

Nun hat man sich in NRW hinsichtlich diese Bundesurteils „goldene Brücken” für Fördervereine ausgedacht. Sie können sich die erhöhte Umsatzsteuer sparen, wenn sie Teile der Dienstleistung selber erbringen und das Mittagessen per Satzung zu einem Teil des pädagogischen OGS-Konzepts erklären. Im vorliegenden Fall trifft das offenbar aber nicht zu.

Axel Pape ist nun gar nicht einmal wegen der 25 Cent so erzürnt, wie er sagt, sondern wegen „der Tatsache, dass hier die Förderung unserer Jugend mal eben prozentual um genau den Betrag teurer wird, der gerade den Hotels erlassen wurde.” Obendrein werde die Kindergelderhöhung auf diese Weise gleich wieder aufgefressen. Und zwar ganz wörtlich.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert