Am liebsten wegpacken und verdrängen

Von: Ines Kubat
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Vordergründige Gemütlichkeit: Im Stück „Rabbit Hole“, mit dem die englischsprachigen Theatergruppe „The Solitary Company“ am 27. November Premiere feiert, geht es darum, wie Eltern den Tod ihres Kindes verkraften. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Ich dachte, es wäre schön“, sagt Howie kleinlaut und sinkt immer tiefer ins Sofa. „Hier ist aber nichts mehr schön“, entgegnet seine Frau Becca unbarmherzig. Acht Monate sind vergangen, seitdem ihr vierjähriger Sohn ums Leben gekommen ist: Als die Eltern einen Moment unachtsam waren, lief er auf die Straße und wurde vom Nachbarsohn überfahren.

Sein Tod hinterlässt bei Becca und Howie die Fragen, wie man diesen schrecklichen Verlust verarbeitet und wie man es ertragen kann, dass das Leben der anderen mit der Zeit wieder seinen gewohnten Gang geht, während das eigene für immer verändert ist.

Premiere 2006 in New York

2006 feierte David Lindsay-Abaire mit „Rabbit Hole“ in New York Premiere. Darauf folgten nicht nur Tony-Award-Nominierungen, sondern auch der Pulitzer-Preis. Am Donnerstag, 27. November, ist das Stück erstmals in Aachen zu sehen – und zwar in englischer Originalfassung: Die Gruppe „The Solitary Company“ gastiert im Café/Bar Zuhause bis 30. November vier Mal.

Den fünf Darstellern ist die Bühne keineswegs fremd: Alle waren jahrelang in der bekannten studentischen Theatergruppe „Actor‘s Nausea“ aktiv, wollten aber dann in einer kleinen Besetzung ein anderes Stück spielen. Mit „Who‘s Afraid of Virginia Wolf“ debütierten die Studenten und jungen Absolventen im vergangenen Jahr – ebenfalls im „Zuhause“.

Dieser Ort sei perfekt, weil er – passend zum Bühnenbild – eine heimelige Atmosphäre ausstrahle, so Nils Kuphal. Man sei dem Publikum so nah beim Spielen, dass man fast das Gefühl habe, „gemeinsam im Wohnzimmer zu sitzen“, sagt der Howie-Darsteller.

Doch ganz so gemütlich geht es im Stück dann doch nicht zu: Eigentlich fröhliche Anlässe wie die Schwangerschaft ihrer Schwester Izzy zehren an Becca, gespielt von Julia Glock. Solche Anlässe erinnern sie genauso an den Tod ihres Sohnes wie seine Klamotten, Spielsachen oder Bilder, die sie permanent im Haus zu verfolgen scheinen. Am liebsten würde sie alles wegpacken, umziehen, und verdrängen. Ihr Mann Howie geht anders mit seiner Trauer um und will die Erinnerungen an das Kind bewahren. Während beide versuchen, mit ihrem Verlust fertig zu werden, muss Jason, alias Tilman Floehr, mit etwas ganz anderem fertig werden: mit Schuld. Denn er hat den kleinen Jungen aus Versehen umgebracht.

So tragisch die Umstände und so grausam manche Streits, so lustig seien andere Szenen, verspricht Julia Glock: „Man kann in dem Stück auch sehr viel und herzhaft lachen“. Und obwohl auf Englisch gespielt wird, müssten die Zuschauer keine Angst vor Verständnisproblemen haben, weil es sehr modern und einfach geschrieben sei. Und damit nicht nur der amerikanische Akzent, sondern auch die Einsätze stimmen, hat „The Solitary Company“ für dieses Stück die gebürtige Amerikanerin Tatiana Kutz verpflichtet, die in „Rabbit Hole“ Regie führt.

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