Aachen - Am Krugenofen ist Tempo 30 vom Tisch

Am Krugenofen ist Tempo 30 vom Tisch

Von: Oliver Schmetz
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Dieser Radweg soll nicht länger im Nichts enden: Am Krugenofen soll jetzt endlich etwas für die Sicherheit der Radfahrer getan werden. Foto: Michael Jaspers, Harald Krömer
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Die versuchsweise Einrichtung einer Tempo-30-Zone, wie sie der Grünen-Politiker Wilfried Fischer voriges Jahr in einer Anarcho-Aktion schon eigenhändig ausschilderte, hat das Verkehrsministerium jetzt allerdings abgelehnt. Foto: Michael Jaspers, Harald Krömer

Aachen. Eine für Aachens Radfahrer ärgerliche und vor allem gefährliche Hängepartie könnte nun bald beendet sein: Denn auf dem vielbefahrenen Krugenofen, auf dem auch knapp zwei Jahre nach Fertigstellung der neuen Asphaltdecke keinerlei Schutzvorkehrungen für Radfahrer getroffen sind, wird keine Tempo-30-Zone eingerichtet werden können.

Einen Antrag der Stadt auf einen entsprechenden „Verkehrsversuch“ hat das NRW-Verkehrsministerium jetzt abgeschmettert. Dies habe man der Aachener Stadtverwaltung Ende Juli mitgeteilt, erklärt Dirk Schneemann von der Pressestelle der Kölner Bezirksregierung auf AZ-Anfrage.

Damit dürfte nun eine Geschichte endlich ein Ende finden, die sich in den vergangenen Monaten sogar zu einer peinlichen Posse entwickelt hatte. Im Grunde war der Antrag auf die versuchsweise Einführung eines Tempolimits nur ein Notbehelf. Denn am engen Krugenofen gibt es nicht genug Platz, um die Sicherheit für Radfahrer durch beidseitige Radstreifen zu gewährleisten. Oder anders gesagt: Es gibt nur dann genug Platz, wenn auf einer Seite alle Parkplätze wegfallen – rund 35 von insgesamt 70 in dieser Straße.

Vor einem solchen Schritt schreckte insbesondere die schwarz-rote Ratsmehrheit zurück, weswegen man auf die Idee mit der Tempo-30-Zone verfiel, um auf diesem Wege die Radfahrer besser zu schützen. Schließlich braucht man in Tempo-30-Zonen keine Radwege.

Das Problem: Der Krugenofen ist eine Bundesstraße, auf der dieses Tempolimit nur in absoluten Ausnahmefällen erlaubt ist – etwa vor Kitas, Schulen oder Krankenhäusern. Und da es solche Einrichtungen dort nicht gibt, beauftragte der Mobilitätsausschuss im Mai 2016 die Verwaltung, den Verkehrsversuch zu beantragen. Das dauerte dem grünen Verkehrspolitiker Wilfried Fischer damals schon zu lange. In einer Anarcho-Aktion hängte er am Krugenofen eigenhändig ein Tempo-30-Schild auf, was ihm von den anderen Parteien heftige Kritik eintrug.

Zur peinlichen Posse wurde das Ganze erst recht, weil sich danach ein Jahr lang weiter nichts tat. Die Stadt schob die Verantwortung dafür der Bezirksregierung zu, die den Schwarzen Peter postwendend zurückschickte. Der Antrag sei erst kurz vor Pfingsten 2017 eingegangen, erklärte die Behörde vor zwei Monaten auf AZ-Anfrage – was die Stadt kleinlaut einräumen musste. Da passt es prima ins Bild, dass sich auch die Begründung für die kaum überraschende Ablehnung anhört wie eine schallende Ohrfeige. Solch ein Verkehrsversuch dürfe nicht dazu dienen, eine Maßnahme durchzusetzen, die auf normalem Wege ausgeschlossen sei, erklärt Sprecher Schneemann.

Bei der Stadt will man die Abfuhr auf höherer Ebene nicht kommentieren, sondern lieber nach vorne schauen. „Es ist nun dringend, relativ zeitnah eine Entscheidung für den Krugenofen zu treffen“, sagt Stefan Herrmann vom städtischen Presseamt. Und er macht deutlich, dass es bei dieser Entscheidung zuallererst um die Sicherheit für Radfahrer gehen müsse – eine Priorität, für die die Verwaltung seit Fertigstellung der Straße stets plädiert hat.

„Klar ist: Die Passage am Krugenofen stellt derzeit eine Lücke im städtischen Radverkehrsnetz dar“, sagt Herrmann. „Diesen Zustand wollen wir als Verwaltung ändern.“ Parkplätze oder Radfahrstreifen? Die letzte Entscheidung trifft allerdings die Politik. Diese wolle man nun „umgehend informieren“, sagt Herrmann, „damit so schnell wie möglich entschieden werden kann“. Nach 22 Monaten Stillstand will man am Krugenofen nun kräftig in die Pedale treten.

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