Am Ende erschöpft, aber klangerfüllt

Von: Thomas Beaujean
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„Lange Orgelnacht im Dom”: Unter anderem konzertierte Stefan Schmidt aus Würzburg. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Ausdauer war gefordert bei der langen Orgelnacht im Dom. Dreimal 45 Minuten Orgelmusik: Das stehen selbst eingefleischte Orgelfans nicht locker durch, auch wenn dieser instrumentale Marathon durch zwei Pausen mit Häppchen und Getränken in Kreuzgang und Quadrum leichter genießbar gemacht wurde.

Immerhin, am Ende waren sich die Organisatoren, allen voran Domorganist Norbert Richtsteig und Domkapellmeister Berthold Botzet einig: Es hatte sich gelohnt und das Konzept wird auch im nächsten Jahr seine Fortsetzung finden.

Drei hochkarätige Domorganisten waren eingeladen worden, den drei Domorgeln möglichst farbige und individuelle Klänge zu entlocken. Das tat der Würzburger Domorganist Stefan Schmidt bereits zu Beginn in vorbildlicher Weise: Bei Johann Sebastian Bachs Partita „Sei gegrüßet, Jesu gütig” registrierte er jede der elf Variationen unterschiedlich und zauberte höchst delikate Klänge aus den drei Klangkörpern.

Max Regers Orgelmusik war das Hauptthema dieser langen Orgelnacht. Schmidt steuerte die gewaltige späte Fantasie und Fuge d-Moll op. 135 b bei und erspielte sich bei der Wiedergabe Bestnoten. Spieltechnisch wie klanglich war diese höchste Anforderungen stellende Aufgabe makellos bewältigt, formal klug disponiert, die Doppelfuge stringent auf das Zusammentreffen der beiden Themen hingeführt.

Und ehe sich nach den vielen chromatischen harmonischen Verwicklungen das Ende in den Dur-Akkord auflöst, kann der Zuhörer die Spannung kaum noch aushalten. Gleich zweimal Reger bot Dominique Sauer aus Osnabrück: Das leichtere, lichtere Präludium d-Moll op. 65/7 fand eine adäquate hellere Registrierung, während die großartige Fantasie über „Wachet auf” von den lastenden, dunklen Klängen des Anfangs klug disponiert in den triumphalen hellen Schluss geführt wurde. Bachs Fantasie und Fuge g-Moll fehlte es stilistisch etwas an Profil. Die Fuge war wenig artikuliert und nicht ganz sattelfest im Tempo. Eher ein nettes, aber charmantes Kuriosum: die Variationen über „Heil dir im Siegerkranz” des Frühromantikers Johann Christian Rinck.

Recht frei im Umgang mit den Tempi war Hans Leitner aus München. Das äußerte sich vor allem bei den barocken Stücken, dem Concerto III des Engländers John Stanley, nach Concerto-grosso-Manier in kleinere und größere Klanggruppen aufgeteilt, und dem Echo-Stück des Niederländers Jan Pieter Sweelinck. Beide Wiedergaben waren sehr frei im Metrum. Das Adagio „Durch Nacht zum Licht” des deutschen Romantikers war eher eine Durchgangsstation zu einem der Hauptorgelwerke Max Regers, der Fantasie und Fuge über Bach. Leitner war ein ähnlich souveräner Interpret von Regers gewaltiger, formal klar strukturierter, spieltechnisch höchste Anforderungen stellender Musik wie seine Vorgänger. Ein nicht nachlassender Spannungsbogen entlud sich in einen befreienden Schluss, der die Zuhörer erschöpft, aber erfüllt entließ.
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