Am Elisenbrunnen langen Langfinger am liebsten zu

Von: Oliver Schmetz
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Die Polizei warnt vor Langfingern am Elisenbrunnen. Die Aufklärungsquoten liegen unter 5 Prozent. Symbolfoto: Colourbox.

Aachen. Die 74-Jährige ist zu Besuch in Aachen, und diesen Besuch wird sie so schnell nicht vergessen. In einem Buchladen kauft sie ein, hebt danach in der Sparkasse am Friedrich-Wilhelm-Platz viel Geld ab und steigt dort in einen Bus. Als sie ein paar Haltestellen später aussteigt, stellt sie fest: Das Portemonnaie ist weg, mit 800 Euro in bar und der EC-Karte.

Einen Tag später trifft es eine 93-Jährige. Auch sie steigt am Elisenbrunnen in die Linie 11. Im Bus ist es sehr voll, die rüstige Seniorin muss ihren Rollator gut festhalten, hat die verschlossene Handtasche umgehängt. Doch als sie aussteigt, weist ein Mann, der ihr hilft, sie darauf hin, dass die Tasche offensteht. Auch hier der Schock: Geld weg, Ausweis weg. Die Frau ruft die Polizei und meldet sich bei der AZ: „Mich hat es getroffen, aber ich will andere warnen“, sagt sie.

Damit läuft sie auch bei der Polizei offene Türen ein. Denn vor Taschendieben, die rund um den Elisenbrunnen ihr Unwesen treiben, kann man immer warnen. Das Areal zwischen Friedrich-Wilhelm-Platz und Münsterplatz und die angrenzenden Straßen sind in Aachen die Tatorte, an denen Langfinger am liebsten zulangen. Aktuelle Zahlen der Polizei untermauern das: Woche für Woche zähle man dort 15 bis 20 Anzeigen, berichtet Polizeisprecher Paul Kemen auf Anfrage. Was sich im Jahr auf bis zu tausend Fälle summiert und den Löwenanteil aller Taten in Aachen ausmacht. Denn 2016 verzeichnete die Polizei hier insgesamt 1328 Taschendiebstähle – ein enormer Anstieg nach 1055 Fällen im Jahr zuvor.

Und auch in diesem Jahr liegen die Zahlen etwa auf einem gleich hohen Niveau, sagt Kemen: „Eine Entspannung zeichnet sich nicht ab.“ Und in vielen Fällen zeige sich, dass die Täter bevorzugt im Schutze der Menschenmassen am ÖPNV-Knotenpunkt Elisenbrunnen agieren. „Gerade das Gedränge in den Bussen wird von Taschendieben oft ganz gezielt genutzt“, sagt Kemen.

Zu befürchten haben die Täter wenig. Die Aufklärungsquote liegt unter fünf Prozent. Da ist ein Erfolg wie just in dieser Woche, als zwei Tatverdächtige auf frischer Tat ertappt wurden, selten: Ein Zivilbeamter hatte zwei Frauen dabei beobachtet, wie sie ein Opfer ablenkten und ihm in die Tasche langten – in einem Pulk wartender Fahrgäste am Elisenbrunnen. Die Frauen wurden verhaftet und bleiben erst einmal in Haft. Ihnen soll im beschleunigten Verfahren der Prozess gemacht werden. Dass sie aus Köln stammen, ist auch kein Zufall. „Wir haben oft reisende Täter, die aus dem Dürener oder Kölner Raum kommen, um hier Taten zu begehen“, sagt Kemen.

Statt auf solche Zufallserfolge zu setzen, rät die Polizei zur Prävention. „Augen auf – Tasche zu“ lautet der Appell, gewarnt wird vor den Maschen der Taschendiebe, etwa vor Rempel-, Drängel-, Bettel- und Stadtplan-Tricks. „Die Leute müssen einfach noch sensibler werden“, sagt Kemen.

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