Am „Angstort“ Bushof geht es kaum voran

Von: Oliver Schmetz
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Städtebaulicher Schandfleck mitten in der Innenstadt: Der hässliche Betonklotz namens Bushof ist vielen Stadtplanern und Politikern schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Außerdem hat er sich längst einen Ruf als „Angstort“ erworben. Doch der seit langem geplante Wettbewerb zur Verbesserung der Situation verzögert sich erneut. Foto: Andreas Steindl
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Düsterer „Angstort“: Im Innern des Betonklotzes soll die Beleuchtung verbessert werden. Foto: Jaspers
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„Pfefferspray wieder vorrätig“: So viel zur Sicherheitslage rund um den Bushof... Foto: Jaspers
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Verborgene Winkel: In diesem Jahr gab es dort bereits 20 Raubüberfälle. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Bei einer Bürgerbefragung erhielt der Betonklotz vor ein paar Jahren keine einzige positive Bewertung und eroberte unangefochten die Top-Position auf der Liste der Aachener „Unorte“. Aktuell kommt das Image als „Angstort“ hinzu. Es gibt in dieser Stadt Schulklassen, in denen kaum noch ein Schüler den zentralen Umsteigeort Bushof als solchen nutzt.

Lieber nimmt man Umwege in Kauf, als seine Sicherheit aufs Spiel zu setzen. Vor Ort spiegelt sich diese Situation in Plakaten, wie an diesem Montag eines vor einem Kiosk hängt: „Pfefferspray wieder vorrätig!“, wird den darauf Kunden mitgeteilt. Was darauf schließen lässt, dass der vermeintliche Schutz gegen Räuber, Diebe und Schläger dort sehr begehrt ist.

Schon 20 Raubüberfälle

Ein Blick in die Polizeistatistik bestätigt die Spitzenstellung des Bushofs als „Angstort“. Bis Anfang Juni zählten die Ermittler dort alleine 20 Raubüberfälle und 18 gefährliche Körperverletzungen. Außerdem wurden 119 Taschendiebstähle aufgenommen. Der Bushof ist schon seit langem ein Kriminalitätsbrennpunkt.

„Von der Tendenz her ist es zwar etwas weniger als im Vorjahr“, sagt Polizeisprecher Paul Kemen, „aber wir sind trotzdem nahezu täglich dort.“ Zyniker könnten nun sagen, dass das zumindest zum städtebaulichen Erscheinungsbild passt. Schließlich gehört das Betonbauwerk zum Architekturstil des Brutalismus...

Dabei will man den Schandfleck in zentraler Innenstadtlage schon seit langem beseitigen. Und Ideen gab es schon einige – bis hin zum Abriss des 1973 eröffneten Gebäudes, in dem auch die Volkshochschule untergebracht ist. Schon lange vorgesehen ist auch ein städtebaulicher Wettbewerb. Bloß ist bislang wenig passiert.

Am kommenden Donnerstag berichtet die Verwaltung im Planungsausschuss wieder einmal über den Stand der Dinge – und diese deuten zurzeit eher auf Stillstand hin. Denn wegen Krankheitsfällen in dem beauftragten externen Büro verzögert sich laut Verwaltung die Fertigstellung einer verkehrlichen Machbarkeitsstudie – elementare Grundlage für einen Wettbewerb – voraussichtlich bis in den Herbst dieses Jahres. Und auch danach dürfte es noch ein paar Jahre dauern, bis tatsächlich etwas passiert.

Denn es sei „absehbar, dass selbst die kleinste Lösung für die Erneuerung des Bushofkomplexes und seines Umfeldes einen mehrfachen Millionenbetrag erfordert“, heißt es in der Vorlage für die Politik. Deshalb habe man mit dem Land in Sachen Städtebauförderung „eine mittelfristige Lösung ins Auge gefasst“, wenn andere laufende Projekte in Aachen-Nord, Brand und Haaren umgesetzt seien.

Fünf Überwachungskameras

Deutlich schneller ist da die Aachener Polizei unterwegs. Für die geplante Videoüberwachung am Bushof laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Mittlerweile habe man fünf Kamerastandorte ausgewählt, teilt Kemen auf Anfrage mit. Und es spreche derzeit nichts dagegen, die Kameras wie ursprünglich geplant im Spätsommer oder spätestens Herbst aufzuschalten. Ins Visier nehmen die Ermittler dann den Bushof innen wie außen und die Peterstraße bis zur Einmündung Blondelstraße.

Gut möglich, dass die Stadt der Polizei dabei zumindest die Sicht verbessert. Um die inakzeptable Lage zu lindern, soll nun ein Planungsbüro eine Machbarkeitsstudie erstellen, wie man im düsteren Bushof mehr Licht schaffen kann. Das soll das Sicherheitsgefühl der Bürger stärken und könnte die Sicht der Kameras schärfen.

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