Altstadtquartier Büchel: Politik will „Liste“ des OB sehen

Von: Oliver Schmetz
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Rotlicht raus aus der City? Die Politik will jetzt endlich die Liste des Oberbürgermeisters mit möglichen Alternativstandorten für den Bau eines Laufhauses sehen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der AZ-Bericht mit dem Titel „OB Philipps Alleingang im Rotlichtbezirk“ schlug vor gut einem Monat hohe Wellen – zumal weite Teile der Politik von dem Umstand, dass der Oberbürgermeister auf eigene Faust Alternativstandorte für ein Laufhaus außerhalb der City sucht, vollkommen überrascht wurden.

Damals war der Ärger schon bei vielen groß, weil sie meinten, Marcel Philipp arbeite damit gegen bestehende Ratsbeschlüsse: Schließlich hatte die Politik mit großer Mehrheit dafür gestimmt, dass die Bordelle im Zuge der Aufwertung des Altstadtquartiers Büchel in einem Laufhaus an der Antoniusstraße konzentriert werden sollen.

Mittlerweile ist der Ärger nicht unbedingt kleiner geworden. Im Gegenteil. Dass der OB aus seiner ominösen „Liste“ – knapp zehn mögliche Standorte sollen darauf vermerkt sein – nach wie vor ein Geheimnis macht, geht der Politik zunehmend gegen den Strich. Im Planungsausschuss führte dies am Donnerstag nun nach AZ-Informationen im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung zu einer ultimativen Forderung an die Adresse der Verwaltung: Spätestens bis zur nächsten Sitzung des Gremiums am 9. November wolle man die Liste des OB sehen, wurde Planungsdezernent Werner Wingenfeld mit auf den Weg gegeben. Schließlich müsse ja die Politik die Standorte kennen, um überhaupt bewerten zu können, ob sie als mögliche Alternativen in Frage kommen könnten.

Dem Vernehmen nach verlief die Debatte hinter verschlossenen Türen deutlich lauter als vorher. Ein Teilnehmer sprach sogar davon, es sei gehörig „Tacheles geredet“ worden – was vor allem mit dem Verhalten Wingenfelds im öffentlichen Teil der Sitzung zusammenhing. Dort sollte die Verwaltung über den Stand der Dinge in Sachen Bebauungsplanverfahren Antoniusstraße/Mefferdatisstraße berichten, doch was der Dezernent dort kundtat, ließ die Politiker „irritiert“ bis „grob verärgert“ zurück.

Wingenfeld berichtete zunächst nur kurz von einem Gespräch mit der Aachener Polizei, die den Verbleib der Bordelle in der City und insbesondere eine dortige Abschottung des Laufhauses aus Sicherheitsgründen strikt ablehnt. Polizeipräsident Dirk Weinspach habe dabei die Probleme seiner Behörde sehr deutlich gemacht, aber auch „Verständnis für andere wichtige Belange“ geäußert.

Mehr wolle er dazu aber jetzt noch nicht sagen, so der Dezernent. Weinspach selber wurde am Tag danach auf AZ-Anfrage deutlicher. Der Polizeipräsident teilte mit, im Rahmen eines „konstruktiven Gesprächs“ eine 22-seitige Stellungsnahme überreicht zu haben und erklärte: „Wir halten an unserem Standpunkt fest.“

Dass Wingenfeld im Ausschuss außerdem davon sprach, gegebenenfalls ergänzende Stellungnahmen anderer Träger öffentlicher Belange einzuholen, obgleich die Frist für solche Eingaben längst abgelaufen ist, sorgte ebenfalls für Kopfschütteln. Bei der Politik jedenfalls macht sich der Eindruck breit, dass das Planverfahren am Büchel zum „Steherrennen“ gerät. Und dass der Umstand, dass der OB, der Polizeipräsident und die Hauptinvestoren die Bordelle lieber aus der City verbannen wollen, die Planverwaltung nicht unbedingt zu Eile antreibt.

„Die Verwaltung müsste hier zügig arbeiten, egal welche Vorstellungen andere Teile der Verwaltung haben“, musste sich der Dezernent anhören – und muss nächsten Monat wieder zum Rapport antreten. Dann will die Politik Konkreteres zu den Büchelplänen hören – und natürlich die ominöse Liste des Oberbürgermeisters sehen.

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