Altstadtquartier Büchel: Bordell wird auch künftig in der Altstadt sein

Von: Wolfgang Schumacher
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In der City-Kirche hörten sich rund 80 Interessierte die Ausführungen von Fachbereichsleiter Niels-Christian Schaffert (links) zum Altstadtquartier Büchel an. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Bis kommenden Freitag (14. Juli) können die Bürger der Innenstadt „Einwendungen“, wie es so schön auf Hochbürokratisch heißt, gegen die Festlegungen des „Bebauungsplanes 999“, Altstadtquartier Büchel, machen, die Pläne hängen bis dahin im Foyer des Verwaltungsgebäudes am Marschiertor aus.

Denn das neu überplante Altstadtquartier, für dessen Umgestaltung auf einer Fläche von zwei Hektar (20.000 Quadratmeter) bereits ein städtebaulicher Plan der Architekten Chapman Taylor vorliegt, ist momentan der große Aufreger. Gestritten wird vor allem um die Nutzungsvarianten im Rotlichtbereich der Antoniusstraße und deren möglicherweise ins Auge gefasste mittige Sperrung, die größten „Einwendungen“ dazu hatte kürzlich vor allem der Aachener Polizeipräsident formuliert (wir berichteten).

Gelegenheit zur Diskussion der Probleme in dem altehrwürdigen Innenstadtbereich mit der ältesten Nutzung der Welt, der Prostitution, gab es in der nahe gelegenen City-Kirche. Dorthin hatte die Stadt Aachen die Bürger zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Neben dem Baudezernenten Werner Wingenfeld hatte auch Ob Marcel Philipp in der Kirche Platz genommen, er hatte sich jedoch in einer reinen Zuschauerposition hinten im Kirchenschiff platziert.

„Ein Blick auf die Häuser der Antoniusstraße“, begann Dezernent Wingenfeld die Veranstaltung, „und man fühlt sich wie kurz nach 1945“, charakterisierte er den baulichen Zustand des zentralen Bereichs hinter dem Parkhaus Büchel, der mit diesem Bebauungsplan vom Kriegsende in das 21. Jahrhundert katapultiert werden soll. Es gehe nicht „um die einzig richtige Möglichkeit“, schickte Wingenfeld voraus, das Gespräch miteinander sei wichtig.

Projektleiterin Heike Ohlmann wie ihr Chef, der Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung Niels-Christian Schaffert, schickten einige Informationen an die rund 80 interessierten Bürgerinnen und Bürger voraus. Schaffert zitierte zur Veranschaulichung des Problems Presseveröffentlichungen aus den 1990er Jahren, die eindeutig und in Klartext forderten „Der Puff gehört zum Dom“.

Kleinteilige Bauweise

Dann habe es zwischenzeitlich Pläne für eine „Bel Etage“ mit Trendgeschäften, Shops und einem Hotel auf dem Gelände des Parkhauses gegeben bis es dann 2014 und 2015 einen „neuen städtebaulichen Aufschlag“ mit dem Verkauf des Büchelgeländes von der Strabag an die Aachener Investorengemeinschaft gegeben habe.

Einige Dinge seien gesetzt, erklärte Heike Ohlmann, die nochmals den jüngsten Ratsbeschluss zitierte, bei dem man sich „mit großer Mehrheit des Rates für eine weitere Bordellnutzung“ in der Antoniusstraße entschieden habe. Allerdings werde der Sperrbezirk vergrößert, die Nutzung für die Prostitution werde an den unteren Rand „des Sträßchens“ verlagert und dort konzentriert. Hier soll ein räumlich abgeschlossenes Bordell entstehen. Dafür aber bleiben – anders als jetzt – dann zwei Drittel der Antoniusstraße künftig frei von Freiern.

Dass die 445 Plätze in dem alten und unansehnlichen Parkhaus wegfallen, sei bereits seit langem aufgefangen worden, das zeige eindeutig die aktuelle Parkplatzbilanz der Innenstadt, sagte Ohlmann. Für die bauliche Zukunft des Viertels erklärte sie: „Wir wollen nicht, dass alle Gebäude exakt gleich groß und hoch sind, und dass alle die gleiche Dachfarbe haben“, warb sie für Kleinteiligkeit und Vielfalt. Auch die Frage aus dem Publikum, wie sich das neue „Lust for Life“ dort einpasse, mache laut Ohlmann eher keine Sorgen: „Das Objekt gehört einem der Investoren“, antwortete sie.

Anregungen aus dem Publikum wurde genauestens notiert. Insbesondere die Gruppe von Hausbesitzern der Antoniusstraße rund um den Hausverwalter Klaus Gallwe stellte eine Menge juristischer Fragen: „Wie kann man neue Häuser planen, wenn die Eigentumsrechte noch gar nicht klar sind“, formulierte Gallwe das Problem für diese Gruppe.

Für das Aachener Frauennetzwerk „Prostitution“ forderte Ratsfrau Uschi Brammertz klare Positionen ein. „Wir vom Netzwerk haben es eindeutig begrüßt, dass die Prostitutionsausübung hier in der Antoniusstraße bleibt und nicht ausgelagert wird“, stellte Brammertz klar und begründete das auch damit, dass der Standort in der Innenstadt soziale Kontrolle garantiere. In einem Gewerbegebiet seien die Frauen viel eher gefährdet, als in der City. Auch sei garantiert, dass Hilfsangebote für die Frauen in dem neuen Bordellhaus eingerichtet würden.

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