Althebräisch: Mit modernen Medien alte Sprachen erlernen

Von: David Grzeschik
Letzte Aktualisierung:
14453680.jpg
Carolin Marleaux und die anderen Schüler von insgesamt fünf Gymnasien, die an der AG im KKG teilnehmen, erkunden Althebräisch auf dem Tablet. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Eine Sache fasziniert Wolfgang Scheuer, Mathematik- und Philosophielehrer am Kaiser-Karls-Gymnasium, ganz besonders. „Die Tablets ermöglichen es uns, die Tiefe dieses wunderbaren Faches für Schüler erlebbar zu machen.“ Für ihn ist es kein Widerspruch, die Sprache der Bibel, Althebräisch, mit Hilfe von iPads zu lernen. Ganz im Gegenteil.

Er erkennt in den modernen Geräten eine große Chance, das Fach greifbarer werden zu lassen.

Das Kaiser-Karls-Gymnasium ist eine der wenigen Schulen in Deutschland, die das Fach Althebräisch überhaupt noch anbieten. Unterrichtet wird es von Doris Nellessen-Wefers. Sie arbeitet eigentlich am Inda-Gymnasium in Kornelimünster, kommt aber einmal pro Woche zum Hebräisch-Unterricht ans KKG.

Dabei besteht der Kurs aus 17 Schülern, von denen dieses Jahr sechs Abitur machen. Die übrigen Kursteilnehmer sind in ihrem vorletzten Oberstufen-Jahr. Vor dem Eintritt in die Jahrgangsstufe zehn haben Schülerinnen und Schüler aller Aachener Gymnasien die Möglichkeit, das Fach zu belegen. Und so sind auch die Schülerinnen und Schüler des aktuellen Hebräischkurses bunt gemischt. Sie kommen vom Gymnasium St. Ursula, vom Pius-Gymnasium, der Viktoriaschule, dem Couven-Gymnasium und natürlich dem KKG selbst.

Zu ihnen gehört Carolin Marleaux, 17 Jahre alt. Sie besucht aktuell die Jahrgangsstufe Q1 und lernt Hebräisch im zweiten Jahr. „Ursprünglich wollte ich Theologie studieren, deshalb ist die Wahl auf das Fach gefallen“, begründet die Oberstufenschülerin ihre Wahl. Natürlich sei es manchmal anstrengend, den Kurs am Mittwochnachmittag zu besuchen – insbesondere, wenn der Schultag vorher lang war. „Aber die Arbeitsatmosphäre in der kleinen Gruppe ist hier wirklich angenehm“, fügt Carolin an. Dass der Kurs aus Schülern verschiedener Schulen besteht, sieht sie als Bereicherung an.

Am Ende ihrer Schullaufbahn können Schülerinnen und Schüler die erbrachten Leistungen in ihr Abiturzeugnis miteinfließen lassen. „Als krönender Abschluss folgt bei mindestens ausreichender Leistung die Bescheinigung des Hebraicums“, sagt Nellessen-Wefers. Zudem bilde das Althebräische die Grundlage für das Neuhebräische, das bis heute in Israel gesprochen werde.

Trotzdem dürften viele Schüler beim Gedanken an Althebräisch zunächst auf Distanz gehen. Nellessen-Wefers kann das verstehen. „Das Hebräische gehört zu den semitischen Sprachen und somit zu einer anderen Sprachfamilie als der uns vertrauten indogermanischen“, so die Lehrerin. Hinzukomme, dass sich der Hebräisch-Unterricht fast ausschließlich mit biblischen Inhalten beschäftige.

Allerdings könne die „augenscheinliche Fremdheit“ zur Motivation werden, sich der Herausforderung zu stellen. „Durch eine gehörige Portion Neugier und die Freude daran, Zugang zu einem Schriftsystem zu bekommen, das anderen verschlossen bleibt, wird der Lernvorgang begünstigt“, zeigt sich die Lehrerin überzeugt. Nellessen-Wefers sagt, das Hebräische fördere Schüler darin, „neue Dinge zu probieren, die nicht ganz auf der Linie liegen.“

Um die Inhalte des Fachs für die Schülerinnen und Schüler noch greifbarer zu machen, arbeitet der Kurs seit neustem mit Tablets. Für deren Anschaffung verantwortlich: Wolfgang Scheuer. Er hatte die Idee zum Kauf der Geräte im vergangenen Jahr dem Förderverein des Kaiser-Karls-Gymnasiums vorgetragen, der dem Vorschlag mit großer Mehrheit zustimmte. Seitdem können die insgesamt 16 angeschafften iPads von allen Lehrern am KKG für ihre Kurse reserviert werden. Derzeit arbeiten im Schnitt etwa drei Klassen pro Tag mit den Tablets. „Dass die Geräte so gut aufgenommen werden, hätte auch ich nicht gedacht“, sagt Scheuer.

Eine besondere Bedeutung rechnet er den Geräten beim Fach Hebräisch zu. „Die große geistige Leistung steckt natürlich in den originalen hebräischen Texten selbst. Aber die Tablets helfen dabei, das Ganze noch ein wenig zur Entfaltung kommen zu lassen“, zeigt sich Scheuer, der selbst Hebräisch gelernt hat, überzeugt. Hebräisch und iPads – das passe eben doch sehr gut zusammen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert