Althamer läutet goldene Zeiten ein

Von: Matthias Hinrichs
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Verdientes Päuschen im Schatten des Ballerina Clowns: Pawel Althamer (vorn mit Töchterchen Jael, 5) und seine goldene Truppe haben am Freitag überraschend Station am Ludwig Forum gemacht. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Goldene Zeiten brechen an rund ums Ludwig Forum: Zweifel waren da zumindest am Freitagabend, 18 Uhr Ortszeit, nicht erlaubt. Auch wenn kaum ein Aachener etwas mitbekommen haben dürfte von der unerwarteten Visite eines ganz Großen der internationalen Kulturszene – trotz des goldenen Mercedes-Busses, in dem Pawel Althamer, Träger des Aachener Kunstpreises 2010, sein überraschendes Comeback in der Kaiserstadt ansteuerte.

Denn der Künstler kam keineswegs allein. Neben seinem Bruder Martin, der das 34 Jahre alte, aber wunderbar glitzernde Gefährt lenkte, kletterten rund zwei Dutzend kleine und große Menschen im Schatten des riesigen Ballerina Clowns aus dem Oldtimer – allesamt, wie Althamer selbst, in goldfarbene Kapuzenanzüge gehüllt. Und allesamt, wie er selbst, aus dem Warschauer Plattenbau-Viertel Bródno stammend.

Kinder, Kunst und Katechismus

Das skurril-charmante Ensemble kam sozusagen als Vorhut eines nicht minder glänzenden Projektes, das Althamer ab Juni an der Jülicher Straße inszeniert, erklärte Julia Zeh, Sprecherin des Forums. Im Rahmen des Karlsjahres will der Künstler mit der Warschauer Performance-Truppe „Reactor – Sculpture Lab“ und hunderten Heranwachsenden ein „Kinderkönigreich“ rund ums Museum errichten.

Mit Workshops und Aktionen soll das Umfeld bis hin zur Elisabethkirche in ein völlig neues kreatives Licht gerückt werden. Schräg gegenüber dem Forum hatte Althamer vor vier Jahren bereits einen ersten, vielbeachteten Akzent gesetzt, der sein oberstes Anliegen auf wunderbare Weise illustriert. Seinerzeit installierte er eine Rutsche, wie man sie von Spielplätzen kennt, an der Kanzel des Gotteshauses.

Kinder, Kunst und Katechismus – sie stehen gleichermaßen im Mittelpunkt seines Schaffens. „Als ich klein war, musste ich im Religionsunterricht oft in der Ecke stehen, weil ich über vieles lachen musste, was dort gelehrt wurde“, erzählt der 46-Jährige. „Das beschäftigt mich bis heute, und die Auseinandersetzung mit Religion ist für mich wichtig geblieben.“

Ebenso wie der Kampf gegen allzu elitäre Auffassungen im zeitgenössischen „Kunstbetrieb“. „Gemeinsame Sache“ heißt deshalb die Mission, mit der Althamer bereits seit Jahren um die Welt reist. Der goldene Bus ist nämlich stets bevölkert von „ganz normalen“ Menschen, die Tür an Tür mit dem Warschauer Künstler leben.

Aktuell macht ihr goldener Bus, der schon in Brasilien, Mali, London, Brüssel und Prag gesichtet wurde, derzeit übrigens Station beim Evangelischen Kirchentag in Düsseldorf. Was also lag näher, als den Aachenern einen kleinen Besuch abzustatten und dabei die „Kanzelrutsche“ in St. Elisabeth noch einmal gemeinsam in Augenschein zu nehmen?

So zog die kleine Schar der Zipfelmützen quasi als goldene Ouvertüre zum anstehenden „Kinderkönigreich“ über die Jülicher Straße Richtung Kirche: Als Höhepunkt der sommerlichen Aktionswochen soll eine große Parade in Phantasieuniformen am Forum vorbeiziehen – die große Blechachse wird dafür eigens gesperrt. Und natürlich werden auch die polnischen Nachbarn wieder dabei sein, wenn das goldene Zeitalter für den kreativen Nachwuchs eingeläutet wird...

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