Aachen - Alter Gasthof in Hitfeld: Stadt legt die „WG Augustinerwald” lahm

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Alter Gasthof in Hitfeld: Stadt legt die „WG Augustinerwald” lahm

Von: Robert Esser
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Wie gehts weiter? Der Künstl
Wie gehts weiter? Der Künstler Jörg Gründler möchte das ehemalige Ausflugslokal „Augustinerwald” an der Hitfelder Straße 82 mit Gleichgesinnten zu einem Mehrgenerationenhaus umbauen - aber die Stadt blockiert das Vorhaben trotz Wohnungsnot. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Durchgehend warme Küche” verkündet das alte Schild an der Hausfassade vollmundig. Von wegen. Im „Augustinerwald” ist der Restaurantbetrieb längst eingestellt, und die Heizung lief im Winter auch nicht.

Was an einem dubiosen Rechtsstreit liegt, der derzeit verhindert, dass der Künstler Jörg Gründler mit Gleichgesinnten ein ambitioniertes Projekt verwirklichen darf. Der Mittfünfziger und ein Dutzend Mitstreiter wollen das ehemals populäre Ausflugslokal in ein Mehrgenerationenhaus verwandeln.

Doch die Stadt verhängte einen Baustopp. Drei Verfahren wurden eingeleitet, das Verwaltungsgericht ist eingeschaltet. Vieles dreht sich um die Frage, ob im Augustinerwald, der im Flächennutzungsplan als landwirtschaftliche Nutzfläche ausgewiesen ist, überhaupt ein Wohnprojekt - und eben kein Bauernhof - entstehen darf. Dass der Gasthof zuvor mehr als 100 Jahre als Kneipe und Restaurant lief, ließen die Baugenehmigungsbehörden nicht gelten.

Amt fordert Abriss

Zudem streitet man darüber, ob die angebaute, eher schäbige Scheune als „kulturlandschaftsprägendes Gebäude” einzustufen ist, wie Dr. Ines Bollwerk vom städtischen Rechtsamt erläutert. Hier geht es übrigens nicht um die Rettung dieses uralten Gebäudeteils aus dem Jahr 1650. „Im Gegenteil: Die Stadt will, dass wir das abreißen, weil es ja nicht als Scheune genutzt werden soll. Was für ein Schwachsinn!”, ärgert sich Gründler. Jetzt droht alles zu vergammeln, und der Rechtsstreit frisst die finanziellen Mittel auf.

Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen: 2010 erwarb ein Freund Gründlers die betagte Immobilie, nachdem der letzte Wirt der Gaststätte das Handtuch geworfen hatte. „Wir hatten schnell eine Gruppe vom Kleinkind bis zum 70-jährigen Senior zusammen, die hier als echte Wohngemeinschaft zu kleinen Mieten ein neues Zuhause fanden”, erklärt Gründler. Parallel ging man ab 2010 Sanierung und Umbau in Eigenregie an, um das Gemäuer vor weiterem Verfall zu retten.

Die 23 Räume sollten im Zuge des Ausbaus von derzeit 460 Quadratmetern Gesamtwohnfläche auf 540 wachsen. „250.000 Euro flossen in den Erwerb und weitere Summen in erste Baumaßnahmen”, rechnet er vor. Weil die mustergültige Mehrgenerationen-Idee als zukunftsweisend gilt und die Stadt sogar mit kostspieligen Kampagnen à la „Extraraum schaffen” ausdrücklich für mehr Wohnungsbau wirbt, sah man bei den anvisierten Baugenehmigungen keine Hindernisse. „Zumal wir ja nicht mal öffentliche Fördergelder beanspruchen”, wie Gründler betont.

Doch der Amtsschimmel wiehert im ländlichen Aachen offenbar besonders laut. Seit einem Jahr beharken sich Bauaufsicht, Rechtsamt und Eigentümer. Zuletzt empfahl den städtischen Bedenkenträgern auch die zuständige Verwaltungsrichterin bei einem Ortstermin, ihre ablehnende Position zu überdenken - so schildert es der Rechtsanwalt des Eigentümers, Dr. Martin Weber. „Der Wert der Projektidee und die Wohnungsnot in Aachen interessieren die Behörden bei solchen Genehmigungsverfahren nicht”, stellt Weber fest. Er klagt: „Die Stadt blockiert ein Vorhaben, dass aus rechtlicher Sicht ohne Weiteres zulässig ist.”

Im Rechtsamt will man den „Fall Augustinerwald” am heutigen Mittwoch mit allen beteiligten Fachbereichen verwaltungsintern erneut prüfen. Bollwerk sieht durchaus Chancen für einen Kompromiss. „Ungenutzten Raum zu nutzen, ist natürlich super. Und der Bauherr ist von seinem Vorhaben überzeugt; er zeigt viel Leidenschaft”, erkennt die Juristin an. Trotzdem seien „die rechtlichen Voraussetzungen in jedem Einzelfall zu prüfen”. Das gelte auch für den Augustinerwald. Ob man außergerichtlich eine Lösung finde, sei völlig offen, so Bollwerk.

Provisorische Dachplanen

Ziemlich offen sind auch marode Teile des Dachs auf dem Hitfelder Objekt. Planen schützen die Scheune nur provisorisch. Daneben gestapelte Dachpfannen - günstig vom verlassenen Militärstandort Camp Hitfeld recycelt - darf Gründlers WG einstweilen nicht montieren. Völlig unsicher bleibt unterdessen auch, ob man die alte Kneipe - zumindest als „konzessionslose Gastwirtschaft ohne Alkoholverkauf” - wieder öffnen darf.

Gründler hofft, dass die Stadt schnell einlenkt. „Weil nicht weiter gebaut werden durfte, konnten wir die neu installierte Heizungsanlage nicht in Betrieb nehmen”, erklärt er. Dadurch habe man bereits im vergangenen Winter enttäuschte WG-Bewohner verloren. Der Künstler glaubt immer noch an den Erfolg des „Mehrgenerationenhauses Augustinerwald” - mit durchgehend warmer Küche. Stellt sich die Stadt weiter quer, erwarten WG-Bauherren und Anwalt Weber, dass das Verwaltungsgericht zu ihren Gunsten urteilt - und die städtischen Baufachleute die Suppe auslöffeln lässt. Die Zeche zahlt dann der Steuerzahler.
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