Alte und aktuelle Perspektiven Aachens gegenüber gestellt

Von: Hans-Peter Leisten
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Hat sein Interesse für Geschi
Hat sein Interesse für Geschichte mit der Kamera und in Buchform festgehalten: Frederic Carl. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Geschichte ist und bleibt ein Faszinosum - wenn man den richtigen Zugang schafft. Wenn die spannende Relevanz der Vergangenheit für unsere Gegenwart zu Tage tritt. Frederic Carl hat dies selbst erlebt.

Der Aachener, noch jung an Jahren, hat seine Heimatstadt in den Fokus eines historischen Spannungsbogens gestellt und möchte diese Eindrücke weitergeben. Und dies gelingt auch im digitalen Zeitalter am besten in Buchform. Frederic Carl hat logischerweise ein Bilderbuch - im besten Sinne - geschaffen, das seine Betrachter auf eine Zeitreise durch ein Jahrhundert Aachen mitnimmt.

„Aachen Gestern/Heute” lautet der Titel des Bandes, der auf ein bewährtes Konzept vertraut und dennoch einen Spagat schafft: alte Bilder zu zeigen und dabei den spannenden Bogen in die Gegenwart zu schlagen.

Dabei ist bereits die Entstehungsgeschichte des Buches ein Beleg für die erwähnte Relevanz von Geschichte. Frederic Carl war gerade mal 17 Jahre alt, als er für seine Abschlussarbeit an der Waldorfschule ein Thema suchte. Schon damals war der Schüler durch seinen Vater Bernd Carl vorbelastet.

Der hatte nämlich wenige Jahre zuvor in einer ersten Dokumentation mit großer Ausstellung die Synopse alter und neuer Aufnahmen aus Aachen hergestellt - und damit den Nerv vieler historisch interessierter Aachener getroffen. „Als ich hörte, dass mein Vater die Sammlung Wintgens für die stadthistorische AKV-Sammlung Crous erworben hatte, kam mir die Idee zu einer weiteren Gegenüberstellung”, erzählt der heute 19-jährige Abiturient.

20 Alben wurden auf Beute inspiziert. Die Idee brachte ihm nicht nur eine „1” als Note ein, sondern auch die Anregung der Betreuungslehrerin, das spannende Gegenüber von Alt und Neu nicht im elterlichen Schreibstübchen zu verstecken.

Von der Schularbeit zum Buch war es nur noch ein kleiner, wenn auch arbeitsintensiver Schritt. Einige aktuelle Pendants zu den historischen Wintgens-Bildern mussten aktualisiert werden, Texte zur allgemeinen Geschichte und zu den 13 Stadtgebieten fügte der Autor hinzu.

Herausgekommen ist ein Band, der in der Tat zur Zeitreise zwischen 1850 und 1950 einlädt. Einige Stiche bilden eine optische Einleitung auf das eigentliche Jahrhundert. Je nach Materiallage hat Frederic Carl mehrere historische - beim Rathaus sind es zum Beispiel vier - Ansichten zur aktuellen gestellt.

Wichtige Grundelemente sind aber stets die vergleichbaren Perspektiven und möglichst unveränderte Details in den Ansichten, die die Zuordnung erleichtern. Repräsentative Ansichten sind kombiniert mit Alltagsszenen, die ganz viel Zeitgeist atmen - mit Pferdekutschen, alten Straßenbahnen und Menschen, die - von jeglichem Autoverkehr unberührt - lässig mitten auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz für den Fotografen posieren.

Von ihnen hätte zu Beginn des vorigen Jahrhunderts niemand geahnt, 100 Jahre später nicht nur in einem Buch, sondern auch in einer Ausstellung zu landen. Die wird in der kommenden Woche mit geladenen Gästen eröffnet, ist dann aber allgemein zugänglich (siehe Zusatzbox unten). Für Frederic Carl ein zweites Highlight seiner jungen Karriere - die Ausstellung zum Buch. Ein doppelter Beweis, wie idealerweise auch bei jungen Menschen geschichtliche Relevanz hergestellt werden kann.

20 Tafeln der schönsten Gegenüberstellungen sind vom 13. Juni bis 4. Juli in der Sparkasse am Friedrich-Wilhelm-Platz während der Öffnungszeiten zu sehen.

Der Band „Aachen Gestern/Heute” ist ab sofort in der Mayerschen Buchhandlung zum Preis von 19,90 Euro erhältlich. Der Erlös ist für die AKV-Sammlung Crous bestimmt.
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