Alte Stahlfabrik wird neuer Kulturmagnet

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
Grandioses Ambiente: Georg Bor
Grandioses Ambiente: Georg Born (hinten Mitte) will die über 100 Jahre alte Halle der ehemaligen Firma Strang in eine einzigartige Kultur-Plattform verwandeln. Die Kooperation mit den Bühnentechnikern Georg Schlag (rechts) und Thomas Paa von „artec” ist perfekt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Wo ist der Haken? Der hängt seit vielen Jahrzehnten unter dem riesigen, lichtdurchfluteten Sheddach an der Philipsstraße. Abgesehen vom stählernen Relikt aus alten Tagen haben die „Schrittmacher”-Fans allerdings keinen gesehen - ganz im Gegenteil.

Das Tanzfestival, das vordem stets im Ludwig-Forum über die Bühne gegangen war, zählte bei seiner Premiere in der über 100 Jahre alten Werkhalle des ehemaligen Metallbauunternehmens Strang & Co. mit insgesamt rund 8000 Gästen einen neuen Rekord.

Bei Georg Born haben die Aachener also in jedem Sinn offene Türen eingerannt: Was läge - um im industriellen Bilde zu bleiben - näher, als Nägel mit Köpfen zu machen und das nostalgische Kleinod in Rothe Erde in einen funkelnden Magneten der kulturellen Vielfalt umzuschmieden? Fragte sich nicht nur Born, der das Unternehmen bis 2006 als jüngster Spross eines klassischen Familienbetriebs geleitet hat.

„Nach den ersten fantastischen Erfahrungen sind die Pläne, die Halle für Kunst und Kultur zu etablieren, bestens gediehen”, frohlockt Born im Schulterschluss mit Thoma Paa und Georg Schlag. Ruckzuck hat er den Geschäftsführern des Bühnentechnik-Unternehmens „artec” im Wortsinne den Boden bereitet für einen kreativen Coup (nicht nur) in eigener Sache. Inzwischen sind die alten Eisenbahnschienen im vordem völlig maroden Hallengrund einer neuen Betonplattform gewichen.

Selbstverständlich haben auch die Denkmalschützer ihr Plazet dazu gegeben. „Im Juni verlegen wir unsere Aktivitäten von der Jülicher Straße komplett nach Rothe Erde”, verraten die „artec”-Chefs. „Das nostalgisch-herbe Flair dieser alten Fabrik ist einfach ideal, um mittel- bis langfristig Konzerte, Theater und vieles mehr zu präsentieren”, schwärmt Paa. Bis zu 1000 Menschen, schätzt Schlag, könnten im über 3000 Quadratmeter großen Backsteinbau locker Platz finden.

„Natürlich werden wir zunächst kleinere Angebote umsetzen”, erläutert Paa. Anfragen gebe es schon reichlich. Und Probleme bei der Gewährleistung der einschlägigen technischen und sanitären Voraussetzungen sehen die Bühnenprofis auch bei größeren Happenings keineswegs. Traumhafte Perspektiven biete die rund 120 Meter lange und stolze 15 Meter hohe „Location” mit ihren aus- und einladenden Seitengalerien allemal.

So könnte „Schrittmacher” seinem Namen bald als Impulsgeber für neue Bühnenprojekte aller Art Ehre machen, glaubt auch der städtische Veranstaltungsmanager Rick Takvorian, der den historischen Charme der alten Fabrik als Organisator des erfolgreichen Tanzreigens quasi entdeckt hat. Ob die Bewegungskünstler aus aller Welt demnächst wieder in Rothe Erde brillieren, konnte Takvorian am Freitag auf Anfrage freilich noch nicht sagen: „Alles ist denkbar”, meinte er. Aber: „Ich bin immer wieder gefragt worden, ob man dort nicht noch viel mehr machen könnte. Warum sollte Aachen nicht wie Berlin oder die großen Städte im Ruhrgebiet eine solche Chance nutzen?”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert