Alte Fabrik wird zum Laufsteg für Haute Couture

Von: Ines Kubat
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Junge Kreative knüpfen mit ungewöhnlichen Kreationen an die Tradition der Tuchmacherstadt Aachen an: In der alten Fabrikhalle in der Soers präsentierten sie in einem grenzüberschreitenden Projekt jetzt neueste Mode aus eigener Herstellung. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Zu Zeiten der Industrialisierung war Aachens Skyline geprägt von den mächtigen Schornsteinen zahlreicher Fabriken: Aus ihnen quoll dichter dunkler Rauch, der bei der Herstellung von Tüchern entstand. Denn Aachen war vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts eines der blühenden Zentren Europas in der Textilfertigung – hier wurde gefärbt, gewebt, kilometerweise Stoff wurde verkauft. Doch schon lange stehen die schweren Maschinen in den ehemaligen Fabriken still.

Viele Hallen werden umgenutzt als Lagerräume oder Ateliers, und die Zeichen der Zeit nagen an den beinahe vergessenen Zeugen blühender Industrietage.

Tradition lebt ganz anders auf

So war es auch lange Zeit im Tuchwerk in der Soers. Nun aber regt sich dort wieder neues Leben: Denn jetzt sah man inmitten des Staubes des eiskalten Betonsaals modernste Kreationen von Mänteln, Kleidern und Blazern. Mit ihren Gold- und Kupfer-Elementen wirkten sie merkwürdig fehl am Platz, aber gleichzeitig auch thematisch so passend in der Tuchfabrik.

Die stillgelegte Fabrik war Schauplatz eines professionellen Foto-Shootings zur Präsentation von Kleidung, die im Rahmen eines Workshops zum Projekt „world wide wool“ von Schülern der Fachoberschule für Gestaltung und Technik sowie vom Gymnasium Porta Mosana in Maastricht angefertigt wurden.

Von der ersten Idee bis zum letzten Feinschliff an den Modellen waren die 24 Jugendlichen intensiv am Entstehungsprozess der Haute Couture beteiligt. Betreut wurden sie dabei von der Künstlerin A. M. Can und der Modedesignerin Aylin Can, die sichtbar viel Spaß an dem Projekt hatten, und ihre Erfahrung und Wissen aus dem Bereich der Mode an die Schüler weitergeben konnten.

Die Aufgabe der Schüler bestand darin, komplette Outfits für Frauen und Männer jeweils für den Winter und den Sommer zu entwickeln und herzustellen. Dass dies vor allem harte Arbeit ist, wurde schnell deutlich. So bildeten sich Kleingruppen, erste Ideen sprudelten, es wurde skizziert, Schnittmuster wurden aufgemalt, es wurde genäht, und Farbakzente wollten gesetzt sein.

Bei der Materialwahl habe das Thema „Upcycling“ eine wichtige Rolle gespielt, da es auch in der Modewelt immer mehr an Bedeutung gewinne, erklärte A. M. Can. Daher fanden beispielsweise eine grüne Wolldecke und ein reich verziertes Sofakissen neue Verwendung als Teil einer Jacke oder Applikationen auf anderen Kleidungsstücken. Stolz konnten die Gruppen beim Shooting eine äußerst moderne Kollektion präsentieren, da sich die Schüler an Asymmetrien und individuelle Elemente wagten, die sich stark vom Mainstream abheben.

Projekt zu „world wide wool“

Aber dass es auch vieler verworfener Skizzen bedarf, bevor man solche ein Produkt endgültig präsentieren kann, davon berichteten die Aachener Schülerinnen Kim Liebert und Stephanie Großcurth: Nachdem ihre ursprüngliche Idee beinahe komplett umgesetzt war, entschieden sie sich doch noch einmal um und wollten ihrem weißem Sommerkleid einen „fetzigeren und rockigeren“ Look verleihen, so Liebert.

Insgesamt seien tolle Ergebnisse entstanden, freute sich die Künstlerin A.M. Can. Vor allem jedoch die ersten Wünsche mancher Schüler nach einer eigenen Nähmaschine seien bemerkenswert. Der Workshop der zwei Schulen ist eines der neun schulischen Teilprojekte von „world wide wool“, erklärt Sibylle Keupen, Leiterin der Bleiberger Fabrik, die als Träger-Einrichtung fungiert.

Dabei gehe es unter anderem darum, einen grenzüberschreitenden Charakter in dem Projekt beizubehalten: Dies äußerte sich nicht nur darin, dass Klassen aus Deutschland und den Niederlanden gemeinsam arbeiteten, sondern auch in der Verknüpfung der historischen Tuchfärberei mit der modernen Modeschöpfung.

Neben dem professionellen Shooting soll den eigenen Kreationen der Schüler zudem eine ganz besondere Wertschätzung zukommen: Noch im Januar wird die Kollektion im Maastrichter Gymnasium auf dem Cat Walk präsentiert, bevor alle Stücke im Februar beim Tag der offenen Tür der Aachener Schule zu sehen sein werden.

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