Alt-Oberbürgermeister Kurt Malangré wird 80 Jahre alt

Von: Hans-Peter Leisten
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Kann auf viele Stationen zurückblicken: Alt-OB Kurt Malangré – mal bei Staatsempfängen, mit Leib und Seele im Öcher Fastelovvend, als Vorreiter des euregionalen Grenzfalls und als Modell für die Oberbürgermeister-Galerie im Rathaus. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Es gibt Menschen, die für Konstanz stehen. Deren Stimmen über Jahre, ja Jahrzehnte die stets gleiche Freundlichkeit und Wärme ausstrahlen und die den typischen Öcher Humor aufblitzen lassen. Kurt Malangré ist einer von diesen Menschen.

Der frühere Aachener Oberbürgermeister ist nicht nur sich und seiner Herkunft treu geblieben, er versteht es bis heute zu, den „Homo politicus“ mit dem Ur-Öcher unter einen Hut zu bringen. Am Donnerstag feiert Kurt Malangré seinen 80. Geburtstag.

Natürlich verbringt er auch diesen runden Geburtstag an seinem Lieblingsort, so es diesen denn neben Aachen geben sollte: auf „Scholle 7“. So macht er das fast immer an runden Geburtstagen – „wobei mir inzwischen egal ist, ob die nördlich oder südlich des Äquators ist“, sagt er lachend. Hauptsache weg, und das aus einem absolut nachvollziehbaren Grund: Die runden Geburtstage widmet der Vollblutpolitiker seiner Familie, die viele Jahrzehnte hinter den politischen Notwendigkeiten zurückstehen musste. Aber diese Zeiten sind vorbei, jetzt wird „mit Kind und Kegel gefeiert“. Aber ohne Öffentlichkeit.

Das war nicht immer so bei Aachens Alt-OB. Aufgewachsen im Frankenberger Viertel, in einem konservativ-katholischen Elternhaus mit liberalem und weltoffenem Hintergrund, stand er als junger Mann vor einem beruflichen Scheideweg. Denn ein besonderes Talent gesellte sich zu den geistigen Fähigkeiten des KKG-Absolventen: Er hatte von seinem Vater ganz offensichtlich – ähnlich wie sein Bruder Heinz Malangré – die musikalischen Gene geerbt. Der ausgebildete Bass-Bariton sang sogar auf der großen Bühne des Stadttheaters, beschloss aber dann doch, seine Stimme Justitia zu schenken. In Bonn und Köln studierte er Jura und Staatswissenschaften, entschied sich dann gegen die Richter- und für die Anwaltsrobe und arbeitete an seiner unpolitischen Karriere.

Doch Kurt Malangré konnte dies nicht genügen, denn er selbst sah sich stets auch als Mitglied der Gesellschaft mit eben einer gesellschaftlichen Verantwortung. Und aus diesem Bewusstsein resultierte sein politisches Engagement. 1967 trat er in die CDU ein, die ihm stets politische Heimat blieb, die vor allem aber von ihm profitierte wie von nur wenigen Kommunalpolitikern in dieser Stadt. Als er 1994 nach 25 Jahren Mitarbeit im Aachener Stadtrat das Gremium auf eigenen Wunsch verließ, da sagte er einen Satz, der für seine politische Arbeit Leitlinie war: „Ideologische Konzepte gehen in der Regel in einer Stadt nicht auf, taugen nichts für Bereiche wie Verkehr, Wirtschaft und Kultur.“ Eine typische Blickweise für Politiker einer Ära, in der manche Entscheidung auch mal zwischen den Besprechungszimmern oder nach den offiziellen Terminen gefällt wurde.

Von 1973 bis 1989 war Kurt Malangré Oberbürgermeister dieser Stadt. Ein gewaltiger Zeitraum, der in der Stadt bis heute zu Spuren hinterlassen hat: das Klinikum, das Eurogress, das Spielcasino und die Rathaustürme – aber auch das City-Center Grabenhof. Zahlreiche Auszeichnungen resultieren aus seiner langen politischen Arbeit.

Die Politik ließ den Aachener nicht los, zur lokalen Ära gesellte sich die europäische. 1979 wurde er erstmals ins Europäische Parlament gewählt, in dem er zehn Jahre lang die Interessen Aachens, Nordrhein-Westfalens und Deutschlands vertrat. Und vor allem die Belange der Euregio. Gerade die besondere Konstellation im Dreiländereck hat ihn stets gefesselt und fasziniert ihn bis heute zu. Spontan formuliert er ein politisches Postulat, wenn man ihn nach seinen Wünschen für die kommenden Jahre fragt: „Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren direkten Nachbarn in den belgischen Ostkantonen und den niederländischen Grenzgebieten muss wieder viel stärker in den Mittelpunkt unserer Aktivitäten rücken.“ Er selbst hat dies konsequent während seiner aktiven Zeit forciert.

Als erstes nach Maastricht

Nicht zufällig führte eine der ersten Dienstreisen des frisch gewählten OB nach Maastricht. Früher sei jede Entscheidung in Aachen auch darauf hin überprüft worden, ob sie mit den euregionalen Nachbarn kompatibel sei. Der Aachener neige zu der Sichtweise „Dat deät et os“. Ein Satz, den Malangré in Bezug auf das euregionale Nachbarschaftsverhältnis entschieden abgelehnt hat.

Viele Ereignisse und Aussagen des humorvollen Mannes sind überliefert. Zum Beispiel die über den Titel seiner fiktiven Memoiren, die er vor exakt zehn Jahren unserer Redaktion zum Besten gab: „Mein Leben im Windkanal“. Damit meinte er aber mitnichten das stürmische Leben als Politiker – er spielte auf eine liebenswürdige Angewohnheit seiner Frau an: „Die veranstaltet hier täglich Durchzug.“ Der Humor war ihm bei vielen Stationen seines Lebens ein wichtiger Begleiter. Als er kurz vor einer Papstaudienz merkte, dass der geliehene Frack nicht passte und ihm Improvisationstalent aus der Patsche half. Oder wenn er seine selbst diagnostizierte „Altersgeschwätzigkeit“ im Zaum halten will. Bis heute zu beweist er im direkten Gespräch diesen Humor, gepaart mit der bemerkenswerten Geistesgegenwart eines Mannes, der sich stets mit viel Freude als Mann des Volkes verstanden hat.

Das Geburtstagskind wäre nicht ausreichend beschrieben, ließe man den Familienmenschen außer Betracht. Fünf Kinder hat Kurt Malangré, er macht dabei keinen Unterscheid zwischen den Dreien aus seiner Ehe mit seiner 1977 gestorbenen Frau und den beiden, die seine heutige Gattin mit in die Familie brachte. Vor allem angesichts der elf Enkelkinder, die der Familie ein zusätzliches Band geben. Wie viele davon am Donnerstag auf „Scholle 7“ Platz nehmen werden, ist nicht bekannt. Aber sie alle werden sich auf ihren humorvollen und geistreichen Großvater freuen. Und sie können sicher sein, dass er in fünf Jahren beim nächsten runden Geburtstag an den selben Ort einladen wird. „Wenn der Herrgott mit das vergönnt“, sagt Kurt Malangré lächelnd. Ganz der humorvolle Katholik rheinischer Bauart.

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