Als mächtiger Millionär auf dem Weg nach Las Vegas

Von: Mischa Wyboris
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Bankrott oder Imperium: Die besten Monopoly-Spieler der Stadt lieferten sich ein spannendes Brett-Turnier mit lokalpatriotischem Flair. Die Sieger schachern demnächst in Las Vegas um den WM-Titel. Foto: Markus Schuldt

Aachen. „Nein”, brüllt Urs Nießen seine Enttäuschung heraus, „das kann doch nicht wahr sein!” Nach 90 Minuten ist für ihn alles vorbei. „Du bist ja schlechter als Schalke”, sagt einer seiner Gegenspieler mit einem Lachen und gibt ihm einen versöhnlichen Klaps auf den Rücken.

Doch mit Fußball hat das alles nichts zu tun: Nießen, 20 Jahre alt, hat gerade hauchdünn bei der Stadtmeisterschaft der Monopoly-Spieler verloren. „Mir fehlten 100.000 Euro - das ist ein Witz, ein Betrag aus der Portokasse!”

Grundstücke gruppieren, Hotels hochziehen, Scheine scheffeln: Satte 28 Millionen Euro haben Nießen am Ende nicht gereicht. Dominik Kreßner hingegen ist im Kampf um Macht und Mieten noch dabei. „Ich spiele vier Mal in der Woche”, sagt der 19-Jährige und kommt - welch Zufall - vom Berufskolleg für Wirtschaft.

Monopoly sei zwar ein Glücksspiel, sagt er, „aber es gehört auch taktisches Geschick dazu”. Anderthalb Stunden dauern die Runden - am Ende zählt der Reingewinn als Scheingewinn.

Doch für Kreßner geht es um mehr als den Titel des Stadtmeisters - er hat einen Traum: Gehört er zu Aachens besten drei Monopolisten, nimmt er an den Regionalmeisterschaften Mitte März in Essen teil; ist er auch da unter den besten Drei, würfelt er im April um die Landesmeisterschaft.

Als deutscher Monetenmeister dürfte er dann im Oktober als mächtiger Millionär in Las Vegas um die Weltmeisterkrone schachern - und um echten Zaster zocken: Dem weltbesten Wucherer winken waschechte 20.580 US-Dollar.

„Es ist das klassische Interesse am Hantieren mit Geld”, erklärt Nicolas Kulessa die ungebrochene Monopoly-Euphorie. Der Geschäftsführer von „Spielmix” in der Peterstraße, wo rund 20 Kontrahenten die Stadtmeisterschaft austragen, ist sich sicher: „Der Erfolg des Spiels liegt aber auch in seiner Einfachheit.”

Mit der 2007 ins Leben gerufenen Deutschland-Edition des Würfelklassikers versuchen die Spieler, ihre Gegner in den Ruin zu treiben. Auf den Brettern, die den Mammon-Mammuts die Welt bedeuten, hat Aachen als einer von 22 Austragungsorten der Stadtmeisterschaften seinen finanzstarken Auftritt als Bahnhofstraße.

Bankrott oder Imperium: „Monopoly vereint Generationen”, sagt Turnierveranstalter Jörg Mutz, „und dass der Sohnemann den Papa in den Ruin treiben kann, hat schon seinen Reiz.”

Einen Charme, den Hendrik Wieland (19) sehr gut kennt - er ist Aachens neuer Stadtmeister vor Christoph Linemann (21). Und Dominik Kreßner? Er ist am Ende Dritter, bewegt sich auch noch in der „Scheinwelt” und träumt weiter von Las Vegas.
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