Als die Textilindustrie noch unter Dampf stand

Von: Peter Schopp
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Sind der Burtscheider Textilindustrie mit einem neuen Buch auf den Grund gegangen: die Autoren (von links) Andreas Lorenz, Holger A. Dux und Jochen Buhren. Foto: Andreas Steindl

Burtscheid. Die Gesellschaft Burtscheid für Geschichte und Gegenwart ist von jeher ein umtriebiger Bestandteil der Burtscheider Vereinslandschaft. Das dokumentiert neben unterschiedlichsten Veranstaltungen ebenfalls das Verzeichnis der zahlreichen durch den Verein herausgegebenen Schriften. Neuestes Werk in dieser Reihe ist der Band 14 mit dem Titel „Unter Dampf – Beiträge zur Burtscheider Textilindustrie-Geschichte“.

Vorsitzender Dr. Holger A. Dux stellte das Werk im Anschluss an die diesjährige Mitgliederversammlung der Öffentlichkeit vor. Jochen Buhren, neben dem Experten Andreas Lorenz, selbst Spross einer Tuchfabrikantenfamilie, und Dux Hauptautor der verschiedenen Buchkapitel, gab den Besuchern einen kurzen Überblick über die Entwicklung der Textilgeschichte in Burtscheid.

Er kam in den 1990er Jahren durch ein Schulprojekt zu diesem Thema, das ihn in der Folge nicht mehr losließ. Buhren ist wie Lorenz zudem Hauptinitiator des Tuchwerks Aachen, das in den alten Becker/Führen-Gebäuden am Strüverweg seine Heimat hat. Er lernte verschiedene Aachener Tuchfabriken wie eben Becker und Führen kennen, und ganz allmählich entstand die Idee zu einem Buch, das nun vorliegt.

Nutzung der Ellermühle

Hierin beleuchtet Buhren speziell die Burtscheider Tuchgeschichte, angefangen bei den unabdingbaren Wasserläufen, deren Wasserkraft dafür sorgte, dass die zur Tuchherstellung benötigten Geräte angetrieben werden konnten. Die Nutzung der Ellermühle in Burtscheid wird von Buhren stellvertretend für viele der zahlreichen Mühlen Aachens eingehend beschrieben.

Von ihrer ursprünglichen Bestimmung als Kupfermühle, in der man Messing verarbeitete, wurde sie in der Folge zur Tuchproduktion und ab ungefähr 1800 als Nadel-, Schleif- und Poliermühle in der Nadelproduktion benötigt. Ab 1840 verwendete man sie als Farbholzmühle, wo mit Hilfe südamerikanischer farbiger Hölzer die Färbung der Stoffe vorgenommen wurde. Ein weiteres Kapitel des neuen Bandes befasst sich mit dem Schaffen des Burtscheider Tuchfabrikanten Friedrich Erckens (1739 – 1805) und seiner Familie, die bis in die 1970er Jahre in Burtscheid Tuche herstellte, bevor die immer größer werdende internationale Konkurrenz für das Ende der Fabrikation sorgte.

Die Familie Erckens schaffte es, vom kleinen Familienbetrieb zum angesehenen international agierenden Textilunternehmen anzuwachsen, begleitet von einigen Höhen und Tiefen sowie dem Kauf und Bau zahlreicher Immobilien wie beispielsweise der Familienvilla „Haus Wäldchen“ am Heißberg – auf dem Gelände, auf dem heute das Einhard-Gymnasium steht. Von den einstigen großen Hallen und Gebäuden der Erckens’schen Liegenschaften sind heute nur noch das ehemalige Verwaltungsgebäude und zwei Arbeiterwohnhäuser an der Malmedyer Straße erhalten.

Aber die Autoren betrachten in ihren Schriften nicht nur das Gewerbe an sich, sondern schauen über den Tellerrand hinaus. Dazu sind neben den Gebäuden, den Unternehmern und der Produktion auch die Arbeiter, die Arbeitsordnung und die Wohn- und Arbeitsbedingungen in den Fabriken und den Straßen des Stadtteils thematisiert worden. So ist ein gelungenes, reich bebildertes Büchlein entstanden, dass sich mit hohem Informationswert in die Phalanx der bisher erschienen Bände einreiht. Dux versäumte es nicht, sich neben vielen helfenden Händen bei der Aachener Bank als finanziellem Förderer des Buches zu bedanken.

Kaufinteressierte wenden sich bitte an die Gesellschaft Burtscheid für Geschichte und Gegenwart, Michaelsbergstraße 12, 52066 Aachen, Tel. 55 94 17 28, E-Mail: Gesellschaft.burtscheid@web.de oder an das Textilmuseum Tuchwerk Aachen, Tel. 45090017.

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