Aachen - Als 50 Theaterkritiker nach Aachen strömten

Als 50 Theaterkritiker nach Aachen strömten

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Im Theater: Dr. René Rohrkamp (Leiter des Stadtarchivs) und Inge Zeppenfeld (Chefdramaturgin des Theaters), präsentieren die Archivalie des Monats Oktober. Foto: Stadt Aachen / Daniela Gerstäcker.

Aachen. Das Aachener Stadtarchiv zeigt aus seinen Magazinen regelmäßig interessante Stücke als „Archivalie des Monats“. Die jeweilige Archivalie mit einem kurzen Begleittext wird dann einen Monat lang in einem Schaukasten im Foyer des Stadtarchivs am Reichsweg sowie digital auf der Homepage des Archivs präsentiert.

Die Archivalie des Monats Oktober ist im Hinblick auf Heinrich Bölls 100. Geburtstag am 21. Dezember die Titel- und eine Doppelseite des Programmhefts aus dem Jahre 1970 zur Aufführung von Bölls Theaterstück „Aussatz“ mit Teilen eines Interviews, dass Chefdramaturg Helmar Harald Fischer mit Böll führte, sowie ein Szenenfoto.

Am 7. Oktober 1970 präsentierte das Theater Aachen, das damals noch als Stadttheater firmierte, in den Kammerspielen die Uraufführung von Bölls Theaterstück „Aussatz“. Es war die einzige Uraufführung des Autors im städtischen Theater. Böll, der zuvor durchwachsene Erfahrungen mit den Inszenierungen seiner Bühnenstücke gemacht hatte, war zuversichtlich, dass „Aussatz“ in Aachen Erfolg haben würde. Er hatte zahlreiche Diskussionen mit dem Aachener Chefdramaturgen Helmar Harald Fischer und Regisseur Klaus Wagner geführt und für die Uraufführung eine neue Version des Stücks geschrieben.

Das bundesweite Medieninteresse an Generalprobe und Aufführung war sehr groß, mehr als 50 Theaterkritiker aller größeren Tageszeitungen berichteten darüber, wie auch der im Stadtarchiv aufbewahrte Pressespiegel zeigt. Deshalb wurde am Tag nach der Uraufführung eigens für die Pressevertreter eine Zweitpremiere dargeboten, nach der Heinrich Böll allen Anwesenden Rede und Antwort stand.

In „Aussatz“, das die Mechanismen in geschlossenen, durch Loyalität geschützte Milieus aufzeigt, dreht es sich um den katholischen Priester Bonifatius Christ, der sich selbst tötet, weil er von kirchlichen Instanzen zu Unrecht verdächtigt wird, ein Verhältnis zu einer jungen Frau zu haben. Sein Tod und die Versuche, die Gründe dafür zu erörtern, setzen bei der Kirche Mechanismen der Vertuschung und Manipulation in Gang, die als einen der möglichen Gründe für den Suizid von Christ auch die Erkrankung an Aussatz ins Spiel bringen.

In den Feuilletons aller großen überregionalen Tageszeitungen wie zum Beispiel FAZ, Süddeutsche Zeitung und die ZEIT, in vielen anderen Tages- sowie Lokalzeitungen gaben Kritiker ihren Eindruck von der 100-minütigen Aufführung wider – wie zu erwarten mit einer großen Spannbreite zwischen Lob und zuweilen auch harter Kritik.

Das Publikum der Uraufführung war aber sehr zufrieden: „Das Publikum zeigte sich von der Aufführung sehr angetan und spendete Darstellern, Regisseur und schließlich auch dem Autor Heinrich Böll herzlichen Beifall. Ein schwacher, unentschlossener Buhrufer kapitulierte schnell angesichts der Woge freundlicher Zustimmung.“ Auch Heinrich Böll war mit der Aufführung und der Reaktion des Publikums einverstanden.

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