Alles vorbei? SPD klagt über die „lange Session” in Berlin

Von: Oliver Schmetz
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Deftige Kost, heftige Attacken: Beim Aschermittwoch der SPD gaben sich Theo Niewerth, Karl Schultheis, Ulla Schmidt, Claudia Walther und Heiner Höfken (v.l.) trotz Wahlschlappen zuversichtlich. Foto: Steindl

Aachen. Wenn ein echtes Öcher Mädchen mit Leidensmiene am Aschermittwoch eine „lange Session” beklagt, muss irgendwas schiefgelaufen sein. Aber so sieht Ulla Schmidt das ja auch.

Bloß meint die ehemalige Bundesgesundheitsministerin und jetzt nur noch SPD-Bundestagsabgeordnete nicht das just vergangene närrische Treiben in ihrer Heimatstadt, sondern das, was sich auf der Berliner Hauptstadtbühne abspielt. „Der 11.11. ist diesmal vorverlegt worden”, sagt Schmidt, „und zwar auf den 24. Oktober, den Tag, seit dem der Horst und der Guido sich duzen dürfen.”

Die damals als „Liebesheirat” verkaufte Koalition der Herren Horst Seehofer und Guido Westerwelle liefert der Sozialdemokratin nun eine willkommene Steilvorlage - zumal beim „Politischen Aschermittwoch” mit Fischessen im Jakobshof, der an diesem Abend (fast) ausschließlich mit Genossen gefüllt ist. Denn dass gleich nach der Hochzeitsnacht in Berlin das große Gezänk losgegangen ist, kann Ulla Schmidt locker mit etlichen Auszügen aus dem Blätterwald belegen. Freuen tut sie das nach eigenem Bekunden aber nicht, denn: „Es ist nicht so lustig, von Menschen regiert zu werden, die das Regieren nicht können.”

Dass beim kräftigen Austeilen der eingangs erwähnte „Guido” wegen seiner aktuellen Hartz-IV-Beiträge die meisten Breitseiten einsteckt, verwundert nicht. Dem „Spalter Westerwelle” empfiehlt Schmidt, in Sachen spätrömischer Dekadenz doch „lieber über die Banker zu reden”, und äußert den frommen Wunsch, er möge doch „so reagieren wie der AKV und sagen: Wir kommen nicht mehr”.

Auf den FDP-Chef, Außenminister und Vizekanzler schießen sich auch die Aachener SPD-Landtagskandidaten Claudia Walther und Karl Schultheis ein, letzterer in unmissverständlicher Weise: „Auf internationalem Parkett ist er eine Gefahr für unser Land, diese Person muss weg.” Die konkreten Wünsche der Kandidaten richten sich allerdings mehr auf den 9. Mai, den Tag der Landtagswahl, und lassen sich in ein Wort fassen: „Rot-Grün”. Nur in dieser Konstellation könne man bei dieser „Richtungswahl”, so Schultheis, Schwarz-Gelb in Düsseldorf ablösen. Auch die CDU kriegt deshalb einiges ab - für „katastrophale Bildungspolitik” (Walther) und das „Einspargesetz Kibiz” (Schultheis).

Doch auch der neue „schwarze” Aachener OB Marcel Philipp kriegt noch sein Fett weg. Nicht für einen Katalog von Fehlleistungen, sondern weil von ihm „gar nix” zu vernehmen sei, spottet SPD-Fraktionschef Heiner Höfken: „Die größte Tat war noch der gescheiterte Versuch, die närrische Ratssitzung ad absurdum zu führen.”

In Aachen aber ist die Session nun vorbei, und mit Blick auf Wahlen gibt es für die Genossen selbst nicht viel zu wünschen - schließlich hat man ja gerade „aus Solidarität auch hier die Mehrheit abgegeben”, wie Höfken selbstironisch einräumt. Im Gegensatz zu den Grünen, die nun schwarz-grün und somit Gegner sind. Und dem wünscht man - genau - das Schlechteste: „eine deutliche Quittung” bei der Landtagswahl.
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