Alles rotiert, weil Merkel landet

Von: Robert Esser
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Die jubelnde Menge auf dem Katschhof. Foto: Michael Jaspers / Dagmar Roeger
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Wahlkampf mit Anziehungskraft: Tausende Menschen pilgerten gestern vor die Katschhof-Bühne mit (oben v.l.) Kanzlerin Angela Merkel, Städteregionsrat Helmut Etschenberg, NRW-CDU-Chef Armin Laschet, CDU-Spitzenkandidat David McAllister, CDU-Generalsekretär Peter Tauber, EU-Parlamentarierin Sabine Verheyen, Oberbürgermeister Marcel Philipp und EU-Parlamentarier Herbert Reul.
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Auf dem Katschhof wurde die Europaflagge gehisst.
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Landung in der Lützow-Kaserne, Trierer Straße: Angela Merkel und ihr Stab rotieren im Wahlkampf.

Aachen. Nach exakt 59 Minuten Wahlkampf rauscht die Bundeskanzlerin in der gepanzerten Staatslimousine wieder davon. Da sind gerade die letzten Töne der Nationalhymne zwischen Dom und Rathaus verhallt.

 Von der Ritter-Chorus-Straße düst die Polizei-Eskorte mit Angela Merkel Richtung Trierer Straße. Dort wartet der Helikopter, der die Regierungschefin eine gute Stunde zuvor in der Aachener Lützow-Kaserne abgesetzt hatte.

Zurück lässt Merkel Mittwochabend um 18 Uhr knapp 3000 Zuschauer auf dem Katschhof – und die Riege der CDU-Spitzenpolitiker mit Oberbürgermeister Marcel Philipp, dem nordrhein-westfälischen CDU-Chef Armin Laschet, Städteregionsrat Helmut Etschenberg, der Europa-Abgeordneten Sabine Verheyen sowie den NRW-Spitzenkandidaten der Union Herbert Reul und Elmar Brok. Nur David McAllister, der so smarte wie unauffällige Spitzenkandidat der CDU Deutschlands, war brav hinter Merkel hergetrottet – er fliegt mit ihr zum Abendtermin: Wahlkampf in Frankfurt.

In Aachen läuft am Spätnachmittag alles glatt. Fröhliche Gesichter auf der Bühne und davor. Zwischen CDU-Anhängern, interessierten Bürgern, neben Pommesbude, Wahlkampfbus und Biertheke lärmen erstaunlich wenige Merkel-Gegner. Am Rednerpult baut die mächtigste Frau Deutschlands in ihre 27-minütige Rede zur Lage Europas (Siehe Seite 1 und Politik) viel Lob für die Herren Kandidaten am Bühnentisch nebenan ein: OB Philipp, Städteregionsrat Etschenberg, Landeschef Laschet und die Spitzenkandidaten kassieren blendende Noten – natürlich auch Aachens EU-Parlamentarierin Verheyen. Merkels wenig überraschender Rat: Am 25. Mai sollten die Kreuzchen auf allen Kommunal- und Europawahlzetteln bei der CDU landen. Es gibt viel Applaus, aber keine euphorischen Beifallstürme.

Im Live-Interview mit TV-Sportmoderator Thomas Wagner erinnert sich Merkel dann gerne an ihre Karlspreis-Verleihung 2008. Thematisiert werden Aachens Status als historische Europa-Stadt, das weltgrößte Reitturnier CHIO und natürlich Kaiser Karl. Laschet wirbt am Mikrofon nicht nur für die Union, sondern auch für Aachens Jubiläumsveranstaltungen im Karlsjahr und die anstehende Heiligtumsfahrt. Dann kanzelt er elegant noch ein paar Störenfriede ab – Heimspiel für den kaiserstädtischen Politprofi. Spitzenkandidat Reul lässt das erfreute Publikum wissen, dass er sich in Aachen „sauwohl“ fühlt. Und dass OB Philipp ein „Riesentyp, ein großes Geschenk für die Stadt“ sei. Wieder Applaus. Und die CDU-Fans – vor allem im eigens für Parteifreunde abgesperrten Bierbank-Bereich direkt vor der Bühne – wedeln mit ihren Europa-Fähnchen. Erstaunlich viele junge Leute sind darunter: in vorderster Front mit orangefarbenen Hüten und ganz zivil hinten auf der dicht besetzten Rathaustreppe. Vielleicht liegt‘s an ungezählten zur Bühne gereckten Foto-Handys, dass viele keine zwei Hände zum Klatschen frei haben. Ovationen hätte überdies die Band „Noble Composition“ verdient, die mit der Aachener Sängerin Alex Schöner zur Kanzlerinnen-Visite Rock, Blues und Soul vom Feinsten liefert. Angestaubte Dixieland-Töne früherer Wahlkämpfe verbannt die CDU 2014 zum Stimmenfang.

Apropos verbannen: Ein Großaufgebot Ordnungshüter rotiert am Mittwochnachmittag. Viel Präsenz, keine Zwischenfälle. Vielleicht bis auf diesen: Eine Beamtin der Bundespolizei verweist Schüler in der Domsingschule, die noch nie einen Blick auf die Kanzlerin werfen konnten, von den Fenstern. „Sicherheitsrisiko“, bläst sich die Frau auf. Auch sie zieht nach 59 Minuten ab. Zu Fuß.

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