Alle Pfeifen passen wieder in die Orgel

Von: Jessica Küppers
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Jedes Plätzchen ausgenutzt: Fünf neue Register hat Orgelbauer Christoph Neuhaus in die Orgel der evangelischen Gemeinde Kornelimünster-Zweifall eingebaut. Foto: Andeas Steindl

Aachen. Die kleine Orgel der evangelischen Gemeinde Kornelimünster-Zweifall kommt in diesen Tagen ganz groß raus. 310 neue Pfeifen wurden in das alte Instrument eingebaut, weil sie den großen Kirchenraum des neuen Gemeindezentrums nicht mehr ausreichend beschallen konnte.

Ursprünglich hatte sie in der alten Kirche gestanden, die deutlich kleiner war. Seit Februar schweigt in Kornelimünster nun die Königin der Instrumente wie die Orgel auch genannt wird. Und seitdem schraubt Orgelmeister Christoph Neuhaus aus Velbert schon an dem guten Stück, um sie in Kürze wieder vollständig zum Klingen zu bringen.

In der Zwischenzeit improvisieren die Gemeindemitglieder in den Gottesdiensten. „Wir haben einige Streicher, die Cello oder Geige spielen“, sagt Organistin Anke Holfter. Auch die Querflöte und das Klavier kommen während der Messe regelmäßig zum Einsatz. Den Rest muss die Gemeinde mit lautem Gesang ausgleichen. Das sei in Kornelimünster das kleinere Problem wie Pfarrer Rolf Schopen dankbar betont. Es sei eine Gemeinde, die „sehr gerne und laut singt“. Trotzdem fehle ohne Orgel etwas, ergänzt Holfter.

Erste Teststücke kann die Organistin schon auf der umgebauten Orgel spielen. Voll funktionsfähig ist sie aber noch nicht, weil bislang nicht alle Pfeifenregister wieder eingebaut wurden. Die Fehlenden liegen noch auf der Werkbank des Orgelbauers, die er im Chorraum aufgestellt hat. Jede einzelne Pfeife muss er nun vor dem Einbau noch einmal in die Hand nehmen und intonieren. Mittels einer länglichen Metallplatte bestimmt er die Größe des Kernspalte. Das ist ein schmaler Schlitz am unteren Ende der Pfeife. Durch ein kurzes Hineinblasen kann der Fachmann hören, ob der Ton stimmt, oder ob er den Schlitz noch verändern muss.

Die Begeisterung für das Instrument haben ihm seine Eltern durch regelmäßige Kirchbesuche vermittelt. „Als Fünfjähriger war ich fasziniert, wenn der Kantor spielte“, erzählt er. Vor 30 Jahren machte er dann seine Leidenschaft zum Beruf. Das Besondere an der Königin der Instrumente sei die Komplexität und dass man als Orgelbauer im Grunde 50 Handwerksberufe können müsse. Angefangen beim Umgang mit Metall und Holz. Zudem erfordere der Beruf aber auch Fachwissen über Statik und Architektur bis hin zur Verarbeitung von Leder und Stoffen. Dieses Wissen war auch für den Umbau der kleinen Orgel in Kornelimünster notwendig, um alle Pfeife unterzubringen.

Die alten Register bleiben zwar erhalten. Für das neue Klangbild, das die Organistin als „farbiger“ beschreibt, müssen sie aber neu sortiert und zusätzlich Platz neue geschaffen werden. Aus diesem Grund hat der Experte in die Trickkiste gegriffen. „Die Pfeifen dürfen sich gegenseitig nicht beeinflussen“, erklärt er. Dazu hat er einige gedeckelt, um mit einer kleineren Pfeife tiefere Töne zu erreichen. Andere brachte er schräg an, so dass alle im Inneren des Instrumentes Platz finden.

Weniger rund lief es zu Beginn der Arbeiten, weil die gesamte Orgel erst einmal gesichert werden musste. „Die stand ganz locker auf der Brüstung“, erklärt Neuhaus. Der Umzug von der alten in die neue Kirche sei nicht gerade professionell verlaufen, ärgert er sich. Das habe einige Pfeifen in Mitleidenschaft gezogen, die er mühsam reparieren musste und jetzt neu stimmen muss. Bis es soweit ist, klingen die Pfeifen noch ziemlich dumpf, wie Holfter eindrucksvoll mit einem kurzen Vorspiel demonstriert. Zudem fehlen bislang noch tiefere Töne. Zum Vergleich lässt sie neue und alte Pfeifen erklingen. Sie freut sich besonders auf eine Trompete, die sie bald mit der Orgel imitieren kann. „Man kann es mit einem Streichorchester vergleichen, das ein paar Bläser dazu bekommt“, sagt sie.

Der Umbau kostet 90.000 Euro. Die Hälfte soll durch die Gemeinde, der Rest durch Spenden finanziert werden.Wenn alle Register in die Orgel eingebaut sind, wird Neuhaus sie mit Zangen fein aufeinander abstimmen, so dass ein gleichmäßiges Klangbild entsteht und die Gemeinde wieder mitsingen kann – gerne auch laut. Dann sollen auch neue Musikstücke in die Kirche Einzug halten, die mit den alten Registern nicht spielbar waren.

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