Aachen - Alemannias Ehrenpräsident Leo Führen wird 90

Alemannias Ehrenpräsident Leo Führen wird 90

Von: Hans-Peter Leisten
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Große Liebe Nummer zwei: Leo
Große Liebe Nummer zwei: Leo Führen ist Ehrenpräsident und immer zur Stelle, wenn es um die „geliebte Alemannia” geht. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Man kann es drehen und wenden wie man will - aber der Mann ist einzigartig: Alemannia Aachens einziger Ehrenpräsident und seit jüngstem auch das älteste noch lebende Alemannia-Mitglied. Und das wird er - unterhält man sich mit dem Mann - auch noch lange bleiben.

Mit einer für sein Alter unglaublichen Energie und geistigen Präsenz begeht er am Sonntag seinen 90. Geburtstag. Er scheint der Zeit ein Schnippchen zu schlagen, so wie er dies früher auf dem Fußballplatz als Spieler der 1. Mannschaft bei Alemannia mit seinen Gegnern gemacht hat.

Familienmensch bis in die letzte Faser, Unternehmer vom alten Schlag und Alemanne ohne Wenn und Aber - das sind wohl drei Charakteristika, die Leo Führen umfassend beschreiben. Alle drei Komponenten haben ihn durch sein Leben begleitet. Es mögen die dornigen Abschnitte auf seinem Lebensweg gewesen sein, die ihn haben so belastbar werden lassen. Als junger Mann wurde der angehende Panzeroffizier in Stalingrad schwer verwundet. Sein Überlebenswille war so stark, dass er auf einem Heimatflug bestand. Immer wieder, bis ein Vorgesetzter entschied, den Verwundeten in einer JU 52 zwischen leeren Benzinfässern ausfliegen zu lassen - versehen mit dem Wunsch: „Schmeißt den Kerl raus, dann ist Ruhe!”

Der Husarenritt

Heute lacht Leo Führen über diesen Husarenritt auf des Messers Schneide. Wohl auch, weil er anschließend in ein Lazarett nach Brüssel gefahren wurde und dort seine Frau Erika kennenlernte, mit der er im kommenden Mai 65 Jahre verheiratet ist. Stolz und Glück sprühen aus seinen Augen, wenn er von den beiden Kindern und den vier Enkeln erzählt. Und ganz besonders angesichts der Perspektive, im Dezember nach Stand der Dinge Urgroßvater zu werden.

Anzug und Krawatte sind äußere Symbole seiner inneren Korrektheit. Die hat Leo Führen ausgezeichnet, als die Aachener Tuchindustrie in ihrer Hochblüte stand. Mitte der sechziger Jahre umfasste die Tuchfabrik Führen mit ihren beiden Standorten an der Lenné-straße und in der Soers 50 000 Quadratmeter Produktionsfläche. Jahrzehntelang führte der Ur-Aachener nicht nur die von seinem Vater 1911 gegründete Firma, er war seit 1966 auch Vorsitzender der Textilbezirksgruppe Aachen-Düren-Euskirchen.

„In dieser Phase war man bei der Alemannia wohl der Überzeugung, dass ich als junger Unternehmer der Richtige für den Präsidentenposten wäre” - ganz so falsch kann diese Einschätzung nicht gewesen sein. Unter Führens Ägide stieg die Alemannia in die 1. Bundesliga auf und wurde in der Saison 1968/69 Deutscher Vizemeister. Aber sie stieg auch wieder ab, ohne dass sich ihr Präsident der Verantwortung für den Neubeginn entzogen hätte. Genau dieses Standvermögen zeigte Führen auch als Wirtschaftsmensch. Als das Unternehmen im Zuge des allgemeinen Niedergangs der Branche den Konkurs nicht mehr verhindern konnte, haftete Führen aus freien Stücken persönlich, um die Gläubiger zu befriedigen. Viele seiner Wegbegleiter sagen, das sei typisch für ihn.

Wenn der Mann, der seit März 1995 Ehrenpräsident ist und alle möglichen Ehrungen erfahren hat, gebraucht wird, ist er zur Stelle. Zwei Aussagen sind bezeichnend: „Sie können mich mitten in der Nacht anrufen, wenn es um unsere geliebte Alemannia geht!” Und wenn er den Namens seines Vereins ausspricht, dann scheint der mit fünf „n” geschrieben zu werden. Ein weiterer Satz hat inzwischen Kultcharakter, wird geradezu herbeigesehnt, wenn Leo Führen regelmäßig bei den Jahreshauptversammlungen ans Rednerpult tritt. „Immer werden wir siegen, wenn wir nur zusammenstehen.”

Seinen Optimismus lässt er sich auch von der aktuellen Talfahrt nicht nehmen. Trainer René van Eck sei genau der richtige Coach und Präsident Meino Heyen ein Glücksfall. „Man muss ihn zum Weitermachen bringen”, fordert er. Das Geburtstagskind will bei seiner Feier sanft in seiner Rede darauf hinwirken, denn ein Ziel hat er für seine kommenden Lebensjahre ausgegeben: „In der Welt kennt man Alemannia. Das muss wiederkommen.” Auch diese Sicht der Dinge macht Leo Führen einzigartig.
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