Aachen - Alemannia: Vorwürfe in Richtung Stadt schlagen hohe Wellen

Alemannia: Vorwürfe in Richtung Stadt schlagen hohe Wellen

Von: Stephan Mohne
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In Sachen Alemannia-Finanzen brennt mal wieder Baum: Der angekündigte mögliche Umzug nach Jülich sorgt erwartungsgemäß für Wirbel bei den Ratsfraktionen. Nur SPD-Fraktionschef Heiner Höfken sieht die Schuld bei der Stadt und der Ratsmehrheit. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Das war zu erwarten. Nachdem die derzeitigen Alemannia-Verantwortlichen mit Kanonen unter anderem auf die Stadt und die Politik geschossen und sogar mit einem Umzug des Klubs nach Jülich gedroht haben, folgt die Gegenattacke auf dem Fuße. Das nämlich wollen sich die Ratspolitiker ganz und gar nicht gefallen lassen.

Und so wurde am Mittwoch denn auch – bis auf eine Ausnahme – verbal scharf in Richtung Tivoli geschossen. Da spricht etwa An-dreas Müller von der Linken von einem „plumpen Erpressungsversuch“. Die Grünen sehen den erhofften Neuanfang der Beziehungen torpediert, weil „wie eh und je alles Spekulation ist“, so Fraktionssprecherin Ulla Griepentrog. Selbst aus Reihen der Sozialdemokraten, die als heftigste Verfechter breiter Unterstützung für den insolventen Fußballklub gelten, kommen kritische Töne. So spricht Bürgermeister Björn Jansen von „unqualifiziertem Gezocke auf beiden Seiten“, während sein Fraktionsvorsitzender Heiner Höfken den Weg der Alemannia „in Ordnung“ findet und das „Agieren der Stadt und der Ratsmehrheit mit ihrem Kamikaze-Weg“ als Wurzel des Übels sieht. Oberbürgermeister Marcel Philipp hingegen macht via Facebook öffentlich, die Fortschritte der jüngeren Zeit seien jetzt quasi wieder über den Haufen geworfen.

Verwirrung um Betriebskosten

Unter diesen Vorzeichen sieht es jedenfalls für eine weitergehende rasche Unterstützung von Seiten der Stadt als eine der Gläubigerinnen schlecht aus. Die Alemannia-Verantwortlichen hatten vernommen, dass der Insolvenzverwalter der Stadion GmbH die Betriebskosten auf etwa 1,8 Millionen Euro pro Jahr beziffert hatte und dies dem Gläubigerausschuss so vorgelegt hatte. Das, so die Alemannia, sei keinesfalls aufzubringen. Nur die an Spieltagen anfallenden Kosten – unter dem Strich ist die Rede von 600.000 Euro – könne man zahlen. Dem sollen die Gläubiger – so auch die Stadt – zustimmen, weil am Freitag der Lizenzantrag für einen möglichen Verbleib in der dritten Liga beim DFB gestellt werden müsse. Für die vierte Liga ist es der 15. März. Ohne die Zustimmung könnte es in der vierten Liga Richtung Jülich gehen. Und sogar für die dritte Liga soll das Jülicher Stadion als Spielstätte angegeben werden. In Sachen Finanzen wird es jedenfalls bis Freitag wohl keine Lösung geben.

„Wir wollen Alemannia nicht aus Aachen vertreiben“, betont Ulla Griepentrog. „Aber wir haben keine Fakten“, sagt die Grüne. Nicht einmal die jetzt genannte Zahl erschließe sich. So solle Alemannia in der dritten Liga seit der Umschuldung eine Million Euro pro Jahr zur Abzahlung der Kredite überweisen. Wie sich jedoch die Höhe jener „Betriebskosten“ zusammensetze, sei der Politik nicht bekannt. „Es geht weiter wie immer“, so Griepentrog. Dabei seien alle im Rat durchaus verhandlungsbereit. Man müsse über gemeinsame Nutzungskonzepte und mehr reden, „aber uns liegt rein gar nichts vor“. So gehe es nicht. Ein Gerücht weist die Fraktionssprecherin derweil zurück. Dieses besagt, die Grünen hätten der CDU mit einem Koalitionsbruch gedroht, falls diese von der bisher gefahrenen Linie im Alleingang abweiche. Griepentrog: „Es gibt keine Koalitionsfrage.“

SPD-Mann Björn Jansen betont, dass sich auch der Gläubigerausschuss nicht verzocken dürfe: „Ohne Stadion kein Verein.“ Man müsse aufeinander zugehen. Sein Fraktionschef Heiner Höfken sagt, man wolle „der Alemannia kein Geld hinterherwerfen“. Aber man müsse überlegen, „auf Geld zu verzichten, das man ohnehin nicht bekommen würde“.

FDP-Fraktionschef Wilhelm Helg sieht „Fehler auf beiden Seiten“. So habe er das Gefühl, dass die Ratsmehrheit den anderen Fraktionen Informationen vorenthalten wolle. Das sei „ein Unding“. Andererseits geht Kritik Richtung Alemannia: „In der Kommunikation gibt es keine Verbesserung.“

<durchklicker id="durchklicker_tivoli"></durchklicker>Für die Linke sagt Andreas Müller, er könne die Drohung mit Jülich „höchstens als verspäteten Karnevalsscherz“ einstufen. „Das ist ein durchschaubares Manöver“, so Müller. Und er unterstreicht: „Die Stadt hat mehr getan, als eigentlich vertretbar gewesen wäre. Sie hat das Planinsolvenzverfahren erst möglich gemacht, sonst gäbe es Alemannia bereits nicht mehr.“

CDU-Fraktionschef Harald Baal bekundet, über die „Jülich-Nachricht“ überrascht gewesen zu sein. Allerdings könne man nicht über etwas reden, zu dem man keine Fakten habe. So habe er gehört, dass in besagten Betriebskosten etwa der Ordnungsdienst enthalten sei. „Da muss man mal sortieren, was Stadion und was Spielbetrieb ist.“ Der Schlüssel zu weiteren Beratungen sei, dass alle Zahlen auf den Tisch kämen. Wobei der 1. März ein Datum sei, das „nicht kommuniziert wurde“. Diese Frist sei ja „bestimmt nicht vom Himmel gefallen“. Die nächste Ratssitzung sei erst am 13. März. Frühestens da könne beraten werden.

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