Aachen - Alemannia-Rettung: Im Rat wird es eng

Alemannia-Rettung: Im Rat wird es eng

Von: Stephan Mohne
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Eiszeit am Tivoli: Heiß disku
Eiszeit am Tivoli: Heiß diskutiert wird derzeit in den Fraktionen die Frage, ob man der Stadion-Finanzierung zustimmen soll. Foto: Volker Kuinke

Aachen. Am 7. März irgendwann nach 17 Uhr wird es im Rathaus spannend. Dann wird der OB die entscheidende Frage stellen, ob der Stadtrat der Rettung der finanziell angeschlagenen Alemannia zustimmt.

Oder eben auch nicht. Nach jetzigem Stand wird es mit einer Mehrheit für den Rettungsplan eng, sehr eng. Und das, obwohl es um eine solch weitreichende Entscheidung geht. Oder gerade deswegen. Quer durch die Fraktionen gibt es viele Ratsleute, die arge Bauchschmerzen damit haben, dass die Stadt mit 18,5 Millionen Euro bei der Umschuldung der Stadionkredite einsteigt.

Drei-Säulen-Modell

In der Verwaltungsspitze wird weiter mit Hochdruck an einem Drei-Säulen-Modell gearbeitet. Die beiden größten Pfeiler sind besagter städtischer Kredit sowie in gleicher Höhe der Anteil der „AachenMünchener”. Acht Millionen Euro sollen über die Alemannia kommen - Geld von Privatinvestoren und jenes aus der Fananleihe. Mit diesem Modell soll die Belastung der Alemannia bei den Stadionkosten von über fünf auf zwei Millionen Euro pro Jahr gedrückt werden. Klappt das nicht, droht dem Klub die Insolvenz - und die Lizenz für die nächste Saison wäre fraglich. Am 15. März müssen die Unterlagen bei der DFL sein.

Die Politik muss sich in Sachen Risiko zwischen Pest und Cholera entscheiden. Kommt die Insolvenz, verliert die Stadt umgehend Millionen - unter anderem wegen einer im vergangenen Jahr bewilligten Bürgschaft, ausbleibender Erbpacht fürs Grundstück und anderen Faktoren. Auf der anderen Seite: Auch die 18,5 Millionen könnten unter bestimmten Voraussetzungen und im schlimmsten Fall weg sein. CDU-Fraktionschef Harald Baal drückt die Zwickmühle so aus: „Tue ich nichts, geht sofort alles den Bach runter. Die andere Variante ist im günstigen Fall besser, im ungünstigen teurer.”

Dazwischen zu entscheiden - damit tun sich auch in seiner Fraktion viele schwer. Ein Stimmungsbild habe man aber nicht abgefragt, um niemanden unter Druck zu setzen. Diskutiert werde die ganze Sache letztlich in der Fraktionssitzung am 5. März, wenn alle Zahlen und Fakten vorlägen, so Baal. Derzeit sei noch „vieles im Fluss”. Wegen der Tragweite wird aber wohl jedem Fraktionsmitglied sein Votum im Rat freigestellt.

Das gilt auch bei den Grünen. Bei ihnen gibt es im Moment heftige Bedenken. Das hat mit der Absicherung des städtischen Anteils zu tun. Über das Grundbuch können Darlehen in Höhe von nur 29 Millionen Euro abgesichert werden. Das hat mit den Regeln für Erbpachtgrundstücke zu tun. Nach derzeitigem Stand würden dort die Anteile der AM und der Privaten abgesichert, die Stadt stünde dann „blanko” da. Im Falle einer späteren Insolvenz der Alemannia - etwa nach einem Abstieg - und der Zwangsversteigerung des Stadions könnte die Stadt im „Worst Case” die 18,5 Millionen Euro verlieren. Das ist es auch, was der FDP Kopfzerbrechen bereitet. Auch sie wird ohne Fraktionszwang abstimmen.

„Jeder muss für sich entscheiden, ob er bereit ist, das Risiko mitzutragen”, sagt Ratsfrau Sigrid Moselage. Schwierig sei die Entscheidung auch deswegen, „weil man später keine Möglichkeit hat, den Lauf der Dinge von außen zu beeinflussen”.

Einzig bei der SPD deutet sich eine klare Entscheidung an - für die Alemannia-Rettung. So sei jedenfalls derzeit das Stimmungsbild, sagt deren Fraktionsvorsitzender Heiner Höfken, der dennoch die Abstimmung freigeben wird. In der Abwägung bewertet er es als „katastrophal”, wenn Alemannia jetzt in die Insolvenz ginge. Allerdings: Totalausfallrisiken möchte auch Höfken nicht haben. „Das ist Sache der Anwälte, dies auszuschließen.” Die Linken sind indes noch völlig unentschieden und wollen erst einmal alle nötigen Unterlagen auf dem Tisch haben.

Die Last der Entscheidung wird dem Rat allerdings in einem Fall abgenommen: Wenn Bauunternehmer Hellmich, der einst 3,9 Millionen Euro sehr hoch verzinsten Kredit gegeben hat, nicht mitmacht. Dann sind alle Lösungen dahin. Bisher hat er sich dem Vernehmen nach noch nicht zu der Umschuldung bereit erklärt. Im Insolvenzfall würde er jedoch wohl alles verlieren. Harald Baal meint Richtung Hellmich: „Irgendwann sollte man das Pokerspiel beenden, sonst geht nichts mehr.”
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