Aachen - Alemannia-Rettung: „Die Schwelle ist für alle hoch”

Alemannia-Rettung: „Die Schwelle ist für alle hoch”

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Lage des Fußball-Zweitligisten Alemannia Aachen ist dramatisch wie selten zuvor, und eine Rettung des von der Pleite bedrohten Traditionsklubs noch längst nicht in trockenen Tüchern.

Darauf hat Oberbürgermeister Marcel Philipp am Mittwochabend im Stadtrat mit ausgesprochen deutlichen Worten hingewiesen.

„Es gibt kein Rettungspaket, das nur noch oben zugeschnürt werden muss”, schrieb der OB all jenen ins Stammbuch, die meinten, die Verwaltung werde das Kind schon schaukeln. Und dabei hatte Philipp auch so manchen im Blick, mit dem die Stadt nun eng zusammenarbeiten muss, um ihre schwarz-gelben Imageträger, die sich mit der Finanzierung ihres 50 Millionen Euro teuren Stadions schwer verhoben haben, zu retten. Denn während man selber seit vielen Monaten hart an dem Problem arbeite, hätten „einige Partner lange gesagt, die Stadt soll das mal lösen”, kritisierte der OB.

Dabei ist für Philipp klar: Im Alleingang kann die Stadt die Rettung nicht stemmen. Nur mit allen Partnern - gemeint sind damit das Land als großer Bürgschaftsgeber, der Hauptsponsor AM, möglicherweise ein privater Investor und alle übrigen Gläubiger des Klubs - sei das möglich. Was im Klartext bedeutet: Alle müssen finanziell bluten. „Jeder muss einen Beitrag durch Verzicht leisten, um den Totalverlust zu vermeiden”, appellierte der OB und warnte: „Wenn sich nur einer der Gläubiger verweigern sollte, dann ist das notwendige Ergebnis nicht zu erreichen.” Die fatalen Folgen nannte Philipp klar beim Namen: „Wenn bis März 2012 keine Umfinanzierung erfolgt, dann wird eine Insolvenz der beiden Gesellschaften Alemannia Aachen Stadion GmbH und Alemannia Aachen GmbH unvermeidbar sein.”

Dass dies vermieden werden kann, zeichnet sich bislang offenbar noch nicht deutlich ab. Zwar habe er „alle Partner bis auf einen kleinen” bereits kontaktiert, berichtete der OB, und alle wollten auch helfen, doch sei „die Schwelle für alle hoch”. Zurzeit sei es „völlig offen, ob es uns gelingt, von allen Partnern ein Zugeständnis zu erreichen”, betonte Philipp.

Wie ein solches Zugeständnis des Landes aussehen könnte, skizzierte der OB am Mittwoch im öffentlichen Teil der Ratssitzung kurz. Die Landesregierung, die wie berichtet kürzlich Bereitschaft zur Unterstützung der Alemannia signalisiert hatte, verlöre bei einer Insolvenz die ganzen 23 Millionen Euro, für die sie bei der Stadionfinanzierung bürgt. „Eine Teilinanspruchnahme aus dieser Bürgschaft ist ebenso unvermeidbar wie eine Laufzeitverlängerung für die Restbürgschaft”, erklärte Phi-lipp. Das heißt: (Steuer-)Millionen werden vom Land fließen müssen, denn sonst drohe ein noch größerer „Millionenverlust für das Land, der vermieden werden muss”.

Die Stadt selber bürgt für die Alemannia mit drei Millionen Euro, die bei einer Insolvenz weg wären - abgesehen davon, dass man auch Erbpachtzahlungen, Steuereinnahmen und nicht zuletzt einen Werbeträger verlöre. An diesem möglichen Verlust müsse sich der städtische Einsatz bemessen, machte der OB klar: „Wir werden keine Lösung vorschlagen, die teurer ist als eine Insolvenz.” Phi-lipp betonte außerdem, dass man eine Lösung erarbeiten müsse, die die jährliche Belastung des Klubs durch das Stadion unter zwei Millionen Euro drücke. Diese Summe steht im aktuellen Sanierungsgutachten und sei absolut maßgeblich, so der OB: „Denn wir müssen ein Konstrukt finden, das über viele Jahre funktioniert.”

Das sieht auch die Politik so - so jedenfalls der Tenor der kurzen öffentlichen Aussprache. Und Einigkeit gab es auch darüber, dass man nicht auf einen „Automatismus” zur Rettung des maroden Klubs setzen sollte. Für ihre Lage (und Rettung) sei die Alemannia im Übrigen selber verantwortlich, betonte der OB: „Von dort müssen alle Maßnahmen zur Vermeidung einer Insolvenz gesteuert werden”, sagte er. Und: „Steuern heißt dabei nicht, der Stadt das Problem vor die Rathaustür zu legen.”
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